Legendärer Jumbojet Boeing stellt 747-Produktion ein

Die Pandemie und die Probleme mit dem Modell 737 Max belasten Boeing schwer. Der Flugzeugbauer schreibt tiefrote Zahlen - und stellt die Fertigung eines einstigen Bestsellers ein.
Boeing 747 von Quantas über Sydney

Boeing 747 von Quantas über Sydney

Foto: SAEED KHAN/ AFP
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Boeing 747: Goldenes Zeitalter des Fliegens

Der US-Flugzeugbauer Boeing stellt in zwei Jahren die Produktion seines legendären Großraumflugzeugs Jumbojet 747 ein. Die Herstellung der 747 werde 2022 auslaufen, teilte der Konzern mit. Die Boeing 747 war 1970 in Betrieb genommen worden und war lange Zeit das größte Passagierflugzeug der Welt.

Boeing kämpft mit großen Problemen. Die Coronakrise hat dem Unternehmen im abgelaufenen Quartal einen höheren Verlust eingebrockt als befürchtet. Im zweiten Quartal stand unter dem Strich ein Verlust von rund 2,4 Milliarden Dollar, nachdem ein Jahr zuvor bereits ein Minus von 2,9 Milliarden Dollar auflief. Damit fiel der neuerliche Verlust in etwa doppelt so hoch aus wie von Analysten im Schnitt erwartet.

Mit 5,3 Milliarden Dollar verlor der Konzern im abgelaufenen Quartal im Tagesgeschäft zwar weniger Geld als befürchtet, Boeing-Aktien legten nach der Bekanntgabe der Zahlen im vorbörslichen Handel um zwei Prozent zu.

Konzernchef Calhoun: "Luftverkehr widerstandsfähig"

Dennoch will das Unternehmen die Produktion seiner Langstreckenjets noch weiter zurückfahren, wie es in Chicago mitteilte. So sollen im kommenden Jahr monatlich nur noch sechs Exemplare des Langstreckenjets 787 "Dreamliner" fertig werden. Die Produktion der noch größeren Boeing 777 und ihrer Neuauflage 777X soll auf zwei Maschinen pro Monat sinken. Die Auslieferung der ersten 777X erwartet Boeing erst im Jahr 2022.

Die Coronakrise hatte die Luftfahrt weltweit fast zum Erliegen gebracht und damit viele Fluggesellschaften an den Rand des Bankrotts getrieben, sodass Passagierjets derzeit nur schwer abzusetzen sind.

Trotz Krise sieht Boeing aktuell keinen Grund, sich über die Anleihemärkte weiteres Geld zu beschaffen. Man halte sich die Option zwar offen. Derzeit verfüge Boeing jedoch noch über knapp zehn Milliarden Dollar Kredit, die noch nicht angetastet worden seien. Konzernchef Dave Calhoun sagte, das Unternehmen arbeite eng mit den Fluggesellschaften und den Zulieferern zusammen, um die Krise zu bewältigen. "Der Luftverkehr hat sich immer als widerstandsfähig erwiesen - genau wie Boeing", sagte Calhoun.

Boeing kämpft neben der Pandemie nach zwei Abstürzen mit dem seit 16 Monaten bestehenden Flugverbot für die 737 MAX. Es werde länger als 2021 dauern, das monatliche Produktionsziel von 31 737-MAX-Jets zu erreichen, räumte Calhoun ein. Die Kapazitäten sollten nun voraussichtlich erst ab Anfang 2022 hochgefahren werden.

beb/apr/AFP/Reuters/dpa
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