Überleben ohne Staatshilfen Boeing treibt bei Investoren 25 Milliarden Dollar auf

Der US-Flugzeugbauer will sein Überleben ohne staatliche Zuschüsse sichern. Das scheint zu klappen. Einige Projekte könnten dabei aber auf der Strecke bleiben - zumindest vorläufig.
Eine noch unlackierte Boeing 737 Max vor einem Testflug auf dem Renton Municipal Airport bei Seattle

Eine noch unlackierte Boeing 737 Max vor einem Testflug auf dem Renton Municipal Airport bei Seattle

Foto: Ted S. Warren/ dpa

Dem angeschlagenen Flugzeugbauer Boeing ist ein Befreiungsschlag am Kapitalmarkt gelungen, um in der Coronakrise liquide zu bleiben. Der amerikanische Luftfahrtkonzern gab in der Nacht auf Freitag bekannt , mit der Ausgabe von Anleihen insgesamt 25 Milliarden Dollar, das sind rund 23 Milliarden Euro, bei Investoren eingesammelt zu haben.

Es sei derzeit nicht geplant, sich um zusätzliche Finanzierungen zu bemühen - auch nicht um Staatshilfen, teilte Boeing mit. Die Schuldtitel haben Laufzeiten von 3 bis 40 Jahren, zu den Zinsen machte der Konzern keine Angaben.

Laut US-Medien war die Nachfrage nach den Papieren jedoch sehr groß, sodass die Finanzierungskosten wesentlich niedriger ausfielen als zunächst angenommen.

Der Airbus-Rivale steckt tief in der Krise - durch das Debakel um den nach zwei Abstürzen mit Startverboten belegten Kurz- und Mittelstreckenjet 737 Max war die Lage bereits prekär, als die Corona-Pandemie den Luftverkehr nahezu zum Erliegen brachte. 

Gewinneinbrüche bei den Kunden

Darunter leiden auch die großen Inlandskunden des Konzerns. Bei der US-Fluggesellschaft United Airlines etwa fiel im ersten Quartal ein Nettoverlust in Höhe von 1,7 Milliarden Dollar an, umgerechnet 1,6 Milliarden Euro, wie die Airline am Donnerstag nach US-Börsenschluss mitteilte. Im Vergleichsquartal 2019 hatte die Airline noch 292 Millionen Dollar Gewinn vermeldet.

Dem Konkurrenten American Airlines geht es nicht besser. Die Fluggesellschaft meldete ihren ersten Quartalsverlust seit der Rückkehr aus der Insolvenz im Jahr 2013. In den drei Monaten bis Ende März fiel unterm Strich ein Minus von 2,2 Milliarden Dollar an, das sind 2 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Donnerstag im texanischen Fort Worth mitteilte. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte es noch einen Gewinn von 185 Millionen Dollar gegeben.

Gerüchte über Strategiewechsel

Boeing-Chef Dave Calhoun habe auf die dramatische Veränderung des Marktes mit einem Strategiewechsel reagiert, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters . Die Pläne für zwei neue mittelgroße Flugzeuge, die die alten Boeing-Typen 757 und 767 ablösen sollte, werden demnach zunächst auf Eis gelegt.

Auch die teure Entwicklung eines Nachfolgers für das Massenmarktmodell 737 seien gestoppt, ebenso wie Pläne, die alten Boeing 767 mit neuen Triebwerken und Tragflächen neu aufzulegen. Stattdessen werde nun erwogen, ein weniger aufwendiges 767-Upgrade zu entwickeln und einen neuen Jet im Stil der 757 zu bauen.

Boeing wollte sich Reuters gegenüber nicht zu einzelnen Projekten äußern, erklärte aber, es gebe keinen pauschalen Stopp von Neuentwicklungen. "Wir werden auch weiterhin prüfen, was der Markt der Zukunft braucht, und in Forschung und Entwicklung investieren", sagte ein Sprecher.

mak/dpa
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