Streit über Beihilfen für Boeing und Airbus Profitiert China von der Luftfahrtkrise?

Die USA und die Europäische Union streiten über Subventionen für ihre Flugzeughersteller Airbus und Boeing. Frankreich warnt: Der Zwist könnte vorrangig einem chinesischen Staatskonzern nützen.

Comac-Maschine in Shanghai (Archiv)
Getty Images

Comac-Maschine in Shanghai (Archiv)


Die USA haben im Streit über Subventionen für Airbus Vergeltungszölle auf diverse EU-Exporte angekündigt. Nun hat Frankreich vor einer Eskalation des Subventionsstreits gewarnt. Von dem Zoff zwischen dem europäischen Hersteller Airbus und US-Produzent Boeing profitiere lediglich der aufstrebende chinesische Hersteller Comac, sagte Finanzminister Bruno Le Maire.

"Ein Streit zwischen Boeing und Airbus wäre absurd, da die Branche eng verflochten ist. Wir sind bei einer Reihe von Komponenten aufeinander angewiesen", sagte Le Maire. Ein Handelskrieg zwischen Boeing und Airbus Chart zeigen spiele nur Comac in die Hände.

Der staatliche chinesische Flugzeugbauer Comac spielt eine wesentliche Rolle beim Vorstoß des Landes, eine eigene Flugzeugindustrie aufzubauen. Chinas erstes großes Passagierflugzeug C919 war 2017 nach mehr als acht Jahren Entwicklung zu seinem Jungfernflug abgehoben. Unterstützt werden die Chinesen bei ihrer Entwicklung von Russland. Im November enthüllten die Partner das Modell eines Langstreckenflugzeugs.

Boeing nach Flugzeugabstürzen von Aktionären in den USA verklagt

Der seit Jahren schwelende Konflikt über Beihilfen für die beiden Flugzeughersteller hatte sich zuletzt zugespitzt, als US-Präsident Donald Trump im Streit über die Airbus-Subventionen mit Zöllen auf EU-Produkte im Wert von elf Milliarden Dollar drohte. Die EU will in diesem Fall ihrerseits Gegenmaßnahmen erlassen. "Es ist definitiv wünschenswert, dass wir zusammen mit unseren US-Partnern einen Weg für einen Kompromiss finden", sagte der französische Minister Le Maire.

Boeing gerät immer stärker in die Krise. Nach den Flugzeugabstürzen in Indonesien und Äthiopien haben Aktionäre den US-Luftfahrtkonzern wegen angeblicher Vertuschung von Sicherheitsmängeln verklagt. Das Unternehmen habe Anlegern entscheidende Fakten hinsichtlich der Unglücksflieger der Baureihe 737 Max verheimlicht, teilte die US-Großkanzlei Hagens Berman mit. Boeings Börsenwert war nach dem jüngsten Absturz am 10. März zeitweise eingebrochen.

Hinter der Klage steht die bekannte US-Anwaltsfirma Hagens Berman, die schon Volkswagen im Dieselskandal oder General Motors im Skandal um defekte Zündschlösser zu schaffen machte.

Boeing droht nach den Abstürzen außerdem rechtlicher Ärger: Angehörige der 346 Todesopfer klagen auf Schadensersatz. Zudem muss der Konzern wegen des Verdachts, bei der 737-Max-Zulassung wichtige Informationen unterschlagen zu haben, staatliche Strafverfolgung fürchten.

Laut der Klageschrift wird Boeing vorgeworfen, verschwiegen zu haben, dass wichtige Sicherheitsfunktionen der Flugzeuge als kostenpflichtige Zusatzoptionen angeboten wurden, die die meisten Fluggesellschaften gar nicht gekauft hätten. Zudem habe Boeing nicht offengelegt, wesentliche Teile der 737-Max-Sicherheitsprüfung selbst von der US-Luftfahrtaufsicht FAA übernommen zu haben.

Comac steht für Commercial Aircraft Corporation of China
YM YIK / DPA

Comac steht für Commercial Aircraft Corporation of China

Dies sei ein klarer Interessenkonflikt gewesen, denn Boeing habe die neuen Modelle im Wettkampf mit dem Erzrivalen Airbus rasch auf den Markt bringen wollen. "Tödliche Risiken" seien absichtlich vor den Aktionären vertuscht worden, so Anwalt Reed Kathrein. "Boeing hat Profit und Wachstumsstreben der Flugsicherheit übergeordnet". Das Unternehmen äußerte sich auf Nachfrage bislang nicht.

apr/Reuters/dpa



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omguruji 10.04.2019
1. Ich empfehle das wunderbare Buch "Die Chinesen" von Stefan Baron..
Da die Regierung in China nicht abgewählt werden kann, gibt es sehr langfristige Strategien. Stefan Baron ist mit einer Chinesin verheiratet, der Co-Autorin, und spricht von Rache über die Schmach die die Kolonialmächte China zugefügt haben. Neben den Opiumkriegen auch der Boxeraufstand. Deutsche und andere Soldaten metzelten vor hundert Jahren in Peking Chinesen nieder, nach dem Boxeraufstand, der wohl zum Teil eine Fake-News war! (Wikipedia: Im Frühjahr und Sommer 1900 führten die Attacken der Boxerbewegung gegen Ausländer und chinesische Christen einen Krieg zwischen China und den Vereinigten acht Staaten (bestehend aus dem Deutschen Reich, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Österreich-Ungarn, Russland und den USA) herbei, der mit einer Niederlage der Chinesen und dem Abschluss des sogenannten „Boxerprotokolls“ im September 1901 endete. Da die Bezeichnung „Boxeraufstand“ einseitig die imperialistische Perspektive widerspiegelt (die chinesische Regierung wurde von den Boxern ausdrücklich unterstützt), wird auch vom „Boxerkrieg“ gesprochen oder die chinesische Bezeichnung verwendet. ) Hervorragendes Sachbuch: https://www.hugendubel.de/de/buch/stefan_baron_guangyan_yin_baron-die_chinesen-30780598-produkt-details.html?searchId=620709736
ayee 10.04.2019
2. Die Schwäche der anderen
Die Schwäche der anderen, ist die Stärke der Chinesen. Allerdings auch nur auf absehbare Zeit. Solange der Wohlstand in China dramatisch wächst, ist die Bevölkerung wahrscheinlich gewillt, ein totalitäres Regime zu tragen. Aber wenn sich erstmal Sättigung einstellt, dann stellen sich plötzlich ganz andere Fragen, die nach einer freiheitlichen Gesellschaft z.B.
chewbakka 10.04.2019
3. Gratuliere Herr Trump!
Die Chinesen werden wohl demnächst den Tag Ihrer Wahl zum Nationalen Feiertag erklären. 'Der Tag an dem der Westen begann, sich von der Weltbühne als ernsthafter Mitspieler zu verabschieden'. Aber nur, falls sie sich bis dahin nicht totgelacht haben.
quark2@mailinator.com 10.04.2019
4.
Kaum einer hier entwickelt viel Mitgefühl für Tupolev, Illiuschin, Antonov etc. Im Zweifelsfall wäre Boeing einfach mal das Tupolev der Zukunft, wenn China auf Augenhöhe kommt und dann ggf. vorbeizieht. Natürlich hätten die USA wissen sollen, daß sie nur gemeinsam mit einer starken EU in der Lage sind, die Balance zu China zu halten. Dann hätten sie eben nicht die Welt rund um die EU in ein Chaos stürzen sollen. Haben sie aber gemacht, noch dazu mit Ansage. Nur um ihre Macht nicht mit Europa teilen zu müssen. Nun, so stehen sie halt jetzt China ziemlich alleine gegenüber und die EU sollte einfach den richtigen Moment abpassen, um dann die Balance zwischen den beiden Großmächten zu regulieren. So wie das UK zwischen Frankreich und Deutschland gemacht hat. Die EU hat den Streit jedenfalls nicht angefangen.
Nachtheinigte 10.04.2019
5. Androhung der USA Zölle gegen Airbus/EU zu erheben
Bei Trump ist wohl völlig klar, dass er in gewohnter Manier die eigene Flugzeugindustrie schützen möchte. Aber dass die Chinesen davon profitieren sollen, das ist doch wieder einmal Panikmache und das anwachsende Chinabashing Ausserdem sind das schwache Argumente die da Macron zu der Ankündigung der USA vorbringt, eine Ausrede für eigenes Unvermögen. Das wird Trump wenig beeinflussen! Aber das Chinesenbashing wird nicht viel nützen. Vor Jahren lieferten die Chinesen vieles , versorgten die Welt mit Billigprodukten. Diese Periode liegt hinter uns, nun haben die Chinesen technologisch auf vielen Gebieten (Weltraumtechnik, 5G Technik, Bau von Elektroautos, Smartfontrchnik) den Westen überholt. Hier liegt die tiefe Ursache für das vom Westen betriebene Bashing. Man möchte die eigene Industrie schützen. mit weltfreiem Handel hat das nichts zu tun. .
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