Klage nach Abstürzen US-Pilot wirft Boeing "beispiellose Vertuschung" vor

Ein US-Pilot strengt wegen der 737-Abstürze in diesem Jahr eine Sammelklage gegen Boeing an. Der Flugzeugbauer habe lange von Problemen mit der 737 Max gewusst. Hat er auch die Unglücke und Startverbote in Kauf genommen?

737-Max-Maschinen der US-Airline Southwest auf einem Flugfeld in Kalifornien
AFP

737-Max-Maschinen der US-Airline Southwest auf einem Flugfeld in Kalifornien


Die Boeing-Abstürze in diesem Jahr beschäftigen die US-Justiz: Dem Luftfahrtkonzern droht ein langwieriger und möglicherweise teurer Rechtsstreit. Ein Pilot hat das Unternehmen aufgrund der Unglücke und der danach verhängten Startverbote für die betroffenen Maschinen vom Typ 737 Max wegen finanzieller und weiterer Schäden verklagt.

Nach Angaben seiner Anwälte wurde die Klage bereits am Freitag bei einem Gericht im US-Bundesstaat Illinois eingereicht, wo Boeing seinen Hauptsitz hat. Der Rechtsstreit sei als mögliche Sammelklage angelegt, der sich mehr als 400 weitere Piloten anschließen könnten. Boeing äußerte sich auf Nachfrage zunächst nicht zu dem Rechtsstreit.

Waren die Unglücke vorhersehbar?

Der Kläger, der in den Gerichtsunterlagen als "Pilot X" von "Airline X" anonymisiert wurde, erhebt schwere Anschuldigungen. Boeing und der US-Luftfahrtbehörde FAA wird "eine beispiellose Vertuschung" bekannter Fehler der 737 Max vorgeworfen. Die Abstürze und die folgenden Flugverbote seien deshalb "vorhersehbar" gewesen.

Der Pilot beklagt unter anderem "erhebliche Einkommenseinbußen" sowie "schweres emotionales und mentales Leid". Er sei gewissermaßen gezwungen gewesen, die Boeing-Maschinen zu fliegen und so nicht nur sich selbst, sondern auch die Crew und Passagiere in Lebensgefahr zu bringen. Der Hersteller habe von Problemen der 737 Max gewusst, Airlines und Piloten aber nicht ausreichend davor gewarnt.

Beim Absturz einer 737 Max in Äthiopien waren alle 157 Insassen ums Leben gekommen. Bei einem weiteren Unglück in Indonesien waren 189 Menschen gestorben. In der Folge wurde im März ein weltweites Flugverbot für die Boeing 737 Max verhängt, das bis auf Weiteres gilt. Als Ursache der Abstürze wird ein Problem bei dem neuartigen Stabilisierungssystem MCAS vermutet. Boeing hat deswegen ein Softwareupdate vorgenommen.

beb/dpa



insgesamt 38 Beiträge
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claus7447 26.06.2019
1. Erschreckend,
Wenn dem so ist. Ein alter freund von mir war 747 Kapitän und wir diskutierten öft über Sicherheit, Maßnahmen und Prozesse. Die Fliegerei hat sich da ein schema erstellt um eben gerade in Gefahrensituationen sofort, fast reflexartig das richtige zu tun. Das hat nichts mehr mit geordneten Prozessen zu tun. Aber mit Geiz ist g....!
tropfstein 26.06.2019
2. Das sollte Billionen kosten
Wenn ein Autohersteller schon Milliarden zahlen muss, weil seine Autos mehr Sprit verbrauchen als angegeben, dann sollte ein Flugzeughersteller, der den Tod von Menschen in Kauf genommen und verursacht hat, Billionen zahlen. Ich sage "sollte", denn US-Gerichte werden eines der wichtigsten US-Unternehmen nicht gefährlich schädigen wollen (zumal bei so was kein Geld ins Land fließt). Exzessive Milliardenstrafen gibt man lieber ausländischen Unternehmen.
MisterD 26.06.2019
3. Bekannte Fehler, ok...
aber er sei gezwungen gewesen? Gibt es in den USA nur eine Airline und die fliegt nur 737 Max8? Sorry, aber das ist hanebüchen, er hätte sich nen anderen Job suchen können. Ebenso gut könnte ich behaupten, ich sei gezwungen Tiefkühlprodukte zu kaufen, weil ich keine Lust habe zu kochen oder es nicht einfach nicht kann. Hier will jemand persönlich Kasse machen, nicht mehr und nicht weniger. Vermutlich geht es da mal wieder um die üblichen 2,5 Milliarden USD Schmerzensgeld, ach hörn sie doch auf ;)
thomas_linz 26.06.2019
4. Sowas ging mal bei ATR
mehr oder weniger in die Hosen. Ich wuensche dennoch viel Erfolg bei dem Unterfangen und zwar ganz ohne Ironie.
toranaga747 26.06.2019
5. Umsatz vor Sicherheit und Gesundheit
Realer Kapitalismus. Ist in allen Produktionsbereichen zu erkennen. Rette sich, wer kann.
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