Börse Angst vor Euro-Crash drückt Dax auf Rekordtief

Sorgen über Schuldenprobleme in der Euro-Zone und enttäuschende US-Konjunkturdaten haben den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag deutlich in die Verlustzone gedrückt. Der Dax sackte um gut 2,5 Prozent auf 5533 Zähler ab und schloss auf dem tiefsten Stand seit November.
Börse in Frankfurt: Zweifel an der Stabilität der Südstaaten

Börse in Frankfurt: Zweifel an der Stabilität der Südstaaten

Foto: MICHAEL LECKEL/ REUTERS

Frankfurt am Main - Das Vertrauen in die Zahlungsfähigkeit von Europas Süden schwindet: Der Dax verlor am Donnerstag 2,45 Prozent. Er steht nun bei 5533 Punkten, dem tiefsten Stand seit zehn Wochen. Für den MDax   ging es um 2,8 Prozent auf 7458 Punkte nach unten, der TecDax   fiel um 3,06 Prozent auf 797 Zähler. Der Kurs des Euro   fiel erstmals seit Juni 2009 wieder unter die Marke von 1,38 Dollar; er notierte zuletzt bei 1,3740 Dollar.

"Die Märkte waren heute europaweit recht wackelig, was viel mit der Unsicherheit über die beiden Euro-Zonen-Mitglieder Spanien und Portugal sowie dem Euro selbst zu tun hat", sagte Trung-Tin Nguyen, Aktienhändler der TTN AG. Die Aussagen von EZB-Präsident Jean Claude Trichet zu Griechenland und der europäischen Gemeinschaftswährung hätten ebenfalls nicht zur Beruhigung beigetragen.

Darüber hinaus ließen die wöchentlichen US-Arbeitsmarktdaten nichts Gutes für den Monatsbericht am Freitag erwarten. In den USA stieg die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe überraschend. Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, den Leitzins unverändert zu lassen, brachten indes keine Überraschungen.

Die Zahlen der Deutschen Bank hatten im Tagesverlauf ebenfalls für eine Berg- und Talfahrt des Aktienkurses gesorgt. Mit einem Kursverlust von 4,22 Prozent auf 43,88 Euro gehörten die Papiere zum Handelsschluss zu den größten Verlierern. Während ein Börsianer den überraschend hohen Nettogewinn positiv hervorhob, verwiesen andere auf Sondereffekte, die für das deutlich höhere Ergebnis verantwortlich seien. Die Anteilsscheine der Commerzbank   büßten mit minus 5,16 Prozent auf 5,533 Euro noch stärker ein. Laut Händlern drückt die Sorge über die Zukunft Spaniens und Portugals besonders auf Titel der Finanzbranche.

Bei der Software AG   nutzten Börsianer den positiven Quartalsbericht für Gewinnmitnahmen, was den Aktienkurs um 5,92 Prozent auf 78,89 Euro drückte. Die Zahlen lagen Händlern zufolge fast durchweg über den Erwartungen.

Die Anteilsscheine des hochverschuldeten Möbel- und Bauzulieferers Pfleiderer   drehten nach einer zunächst negativen Reaktion auf eine angekündigte Kapitalerhöhung ins Plus und schlossen bei 6,50 Euro um 0,62 Prozent höher. Ein Händler sagte, dass viele Marktteilnehmer neue Kapitalmaßnahmen bereits erwartet hätten, da Pfleiderer dringend weitere Mittel brauche. Bereits nach Börsenschluss wurde dann der Abschluss der Kapitalerhöhung gemeldet.

Am europäischen Markt fiel der EuroStoxx 50   um 3,46 Prozent auf 2707 Punkte und damit den tiefsten Stand seit September 2009. Die Börsen in Paris und London schlossen ebenfalls mit deutlichen Verlusten. In den USA tendierten die Börsen zum Handelsschluss in Europa ebenfalls klar in der Verlustzone.

ssu/dpa