Börsenabsturz Chinas Notenbank gibt US-Geldpolitik Schuld am Crash

Jetzt beginnen die Schuldzuweisungen. Während westliche Experten die Ursachen für den weltweiten Börsenabsturz vor allem in China sehen, hat die dortige Zentralbank einen anderen Grund ausgemacht: die Geldpolitik der USA.
Investor in Peking: Suche nach den Gründen für den Absturz

Investor in Peking: Suche nach den Gründen für den Absturz

Foto: JASON LEE/ REUTERS

Chinas Notenbank sieht die Ursache für den Absturz an den Börsen des Landes in der Geldpolitik der USA. Die Spekulation auf eine Zinserhöhung der US-Notenbank Fed im September habe die Marktturbulenzen ausgelöst, sagte Yao Yudong, Leiter eines Finanzforschungsinstituts der Notenbank laut einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

In den vergangenen Handelstagen war es zu drastischen Kurseinbrüchen an Chinas Börsen gekommen. Seit Mitte Juni ist der Shanghai Composite Index sogar um fast 40 Prozent gefallen.

Die Frage, wann und wie stark die US-Notenbank die Zinsen erhöhen wird, gehört tatsächlich zu den Unsicherheitsfaktoren an den Finanzmärkten. Besonders für Schwellenländer wie China oder Brasilien könnte eine Zinserhöhung in den USA negative Auswirkungen haben, weil Investoren dann wohl noch mehr Geld aus diesen Ländern abziehen und in die USA bringen würden. Schon seit gut einem Jahr fließen gewaltige Summen aus den Schwellenländern ab.

Westliche Experten sehen als Hauptursache für den Crash am chinesischen Aktienmarkt jedoch die Sorge vor einer ernsten Konjunkturflaute in China. So waren zuletzt Zweifel laut geworden, ob die chinesische Volkswirtschaft das von der Regierung ausgegebene Wachstumsziel von sieben Prozent für 2015 erreichen kann.

Nach enttäuschenden Exportdaten hatte Chinas Notenbank Mitte des Monats überraschend die Landeswährung Yuan deutlich abgewertet und damit die Ängste der Investoren verstärkt.

Am Dienstag hatte die chinesische Zentralbank den Leitzins überraschend weiter gesenkt und damit die Marktturbulenzen vorerst eingedämmt. Die Lage an den chinesischen Börsen blieb aber auch am Mittwoch turbulent. Die Börse in Shanghai schwankte sehr stark zwischen Verlusten und Gewinnen hin und her und schloss schließlich erneut 1,3 Prozent im Minus.

Angesichts der heftigen Turbulenzen nimmt die chinesische Börsenaufsicht auch verstärkt Aktienhändler wegen des Verdachts illegaler Geschäftspraktiken ins Visier. Acht Mitarbeiter des landesweit größten Handelshauses CITIC werden Verstöße gegen die Börsenregeln vorgeworfen, wie Xinhua berichtet. CITIC sei über das Vorgehen nicht informiert worden, erklärte das Unternehmen in einer Mitteilung an die Hongkonger Börse.

Auch gegen Journalisten gehen die Behörden vor. Wang Xiaolu, ein Reporter des angesehenen Wirtschaftsmagazins Caijing, wird ebenso wie anderen Verdächtigen die Verbreitung von Falschinformationen vorgeworfen. Ein Grund für die Verhaftung Wangs sei nicht genannt worden, erklärte Caijing. Nur eine objektive Berichterstattung fördere eine gesunde Entwicklung des Aktienmarktes, so das Magazin.

Zum Ziel staatlicher Untersuchungen wurden zudem die vier Brokerhäuser Haitong, Founder, Huatai und GF. Sie sollen Kunden nicht ordnungsgemäß überprüft und identifiziert haben.

stk/dpa-AFX/Reuters
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