Börse Chinas Zulassungsstopp lässt deutsche Autoaktien abstürzen

Deutsche Autoaktien sind mit großen Verlusten in die letzte Handelswoche des Jahres gestartet. Grund dafür sind drohende Probleme auf dem wichtigen chinesischen Markt: Die Pekinger Stadtverwaltung will die Zahl der Neuzulassungen im kommenden Jahr mehr als halbieren.

VW-Stand auf chinesischer Automesse: Deutsche Autoaktien mit Verlusten
dpa

VW-Stand auf chinesischer Automesse: Deutsche Autoaktien mit Verlusten


Frankfurt am Main/Peking - Zu Stoßzeiten bewegt sich wenig auf Pekings Straßen: Jetzt will die Stadtverwaltung der 22-Millionen-Einwohner-Metropole einen drohenden Verkehrskollaps verhindern - und prompt reagieren die Aktien deutscher Autohersteller. Die Kurse der Papiere von Volkswagen, BMW und Daimler fielen am Vormittag zeitweise um mehr als vier Prozent. Schlusslicht war die VW-Aktie mit einem Minus von 4,53 Prozent auf 122,30 Euro. Zuvor hatte das "Handelsblatt" berichtet, dass Peking im Kampf gegen die Staus die Zahl der Neuzulassungen 2011 um fast zwei Drittel reduzieren will.

"Der Boom-Markt China ist gerade für die deutschen Autobauer ein sehr wichtiger Absatzmarkt", sagte Aktienhändler Andreas Lipkow von MWB Fairtrade. "Absatzrestriktionen würden einen harten Schlag bedeuten." Dem Bericht zufolge gilt die Entscheidung der Behörden in der chinesischen Hauptstadt als richtungsweisend für die Verkehrspolitik des Landes. Deutsche Autowerte wie Daimler Chart zeigen, BMW Chart zeigen und Volkswagen Chart zeigen hatten 2010 zu den großen Gewinnern im Dax gezählt - vor allem wegen ihres Erfolgs in China und anderen Schwellenländern.

Insgesamt gab der Dax nach dem Handelsstart zeitweise um 1,2 Prozent auf 6974 Punkte nach - und sackte damit wieder unter die 7000-Punkte-Marke. Im Plus lag am Vormittag nur die Aktie des Salzherstellers K+S, der nach wie vor vom Winterwetter profitiert.

"Das ist ein negatives Beispiel"

Der chinesische Verband der Autohersteller reagierte verärgert auf die Pläne Pekings. Vizepräsident Xiong Chuanlin kritisierte die Ankündigung ungewöhnlich offen. Der Verband sei gegen jegliche Beschränkung des Autobesitzes. "Das ist ein negatives Beispiel, andere Städte werden mit Sicherheit folgen", sagte Xiong. "Der Autosektor ist eine Säule der Industrie."

Yale Zhang, ein unabhängiger Autoanalyst, sagte, die Maßnahmen seien schärfer als von den Märkten erwartet. "Die Autohersteller müssen wohl ihre Produktions- und Absatzplanung für das nächste Jahr anpassen."

Die Stadt Peking hatte zuvor angekündigt, die Ausgabe neuer Autokennzeichen auf 240.000 Stück zu begrenzen. Sie würde damit um rund zwei Drittel gegenüber dem Jahr 2010 sinken. Nur in Peking ansässige Bürger könnten noch Automobile in der Stadt anmelden. Die Zulassungen würden per Losverfahren vergeben. Außerdem dürften während der Stoßzeiten nur noch Fahrzeuge mit einem Pekinger Kennzeichen in der Stadt unterwegs sein.

wit/dapd/dpa-AFX



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mimas101 27.12.2010
1. Tja
genau das ist unser sog. "Wirtschaftswunder" anno 2010. Dafür ist der inländische Markt komplett ausgeblutet seit die raffgierigen Krämerseelchen nichts anderes zu tun hatten als die Preise mit der Währungsreform zum sog. E U R zu verdoppeln.
aaaron 27.12.2010
2. Die Pekinger Stadtverwaltung
kann also ein Beben in der deutschen Exportindustrie auslösen. Es zeigen sich zunehmend klarer die Nachteile eines deutschen, durch die stagnierenden oder fallenden Reallöhne der letzten Jahre gepäppelten Exports. Der Riese steht auf tönernen Füßen. Es tut Not, die Löhne in Deutschland anzuheben und den Binnenmarkt zu fördern.
Zoroaster 27.12.2010
3.
Zitat von sysopDeutsche Auto-Aktien sind mit großen Verlusten in die letzte Handelswoche des Jahres gestartet. Grund dafür sind drohende Probleme auf dem wichtigen chinesischen Markt: Die Pekinger Stadtverwaltung will die Zahl der Neuzulassungen im kommenden Jahr mehr als halbieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,736665,00.html
Ich war neulich erstaunt, wie sich in Peking die Automobildichte innerhalb der letzten Jahre erhöht hat. An Stoßzeiten ist fast alles dicht, die Autofahrer reagieren entweder resignierend oder aggressiv. Was die Pekinger Regierung nun beschlossen hat, ist sehr mutig und - solange keine neuen Ideen und Umsetzungen für eine wesentlich verbesserte Infrastruktur - sicherlich der richtige Schritt, um einen kompletten Verkehrskollaps vorzubeugen. Wie sehr würde ich mir eine solche pragmatische Tatkräfitgkeit in Deutschland wünschen.
Andree Barthel 27.12.2010
4. *
Ich hätte nicht gedacht, dass Börsianer ARTE schauen, denn dort wurde gestern in deren Nachrichten darüber berichtetet, dass die Regierung wegen des Smogs die Zahl der Neuzulassungen für Peking auf rd. 250.000 jährlich begrenzen will. Derzeit kämen täglich 2000 Autos hinzu.
dayo, 27.12.2010
5. einer muss anfangen-vor dem kollaps
Zitat von sysopDeutsche Auto-Aktien sind mit großen Verlusten in die letzte Handelswoche des Jahres gestartet. Grund dafür sind drohende Probleme auf dem wichtigen chinesischen Markt: Die Pekinger Stadtverwaltung will die Zahl der Neuzulassungen im kommenden Jahr mehr als halbieren. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,736665,00.html
sehr vernünftig, respekt vor den chinesen! spon"Der Autosektor ist eine Säule der Industrie." nein, die autoindustrie ist die säule der umweltverschmutzung.
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