Russlandsanktionen und hohe Energiepreise Dax verliert weiter – Öl wird noch teurer

Die Sorge vor den Folgen der Russlandsanktionen lässt die Kurse am deutschen Aktienmarkt weiter fallen. Und: Am Mittwoch trifft sich die Opec+. Eine Folge: Die Ölpreise steigen erneut auf mehrjährige Höchststände.
Wertpapierhändler vergangene Woche an der Frankfurter Börse

Wertpapierhändler vergangene Woche an der Frankfurter Börse

Foto: Arne Dedert / dpa

Der deutsche Aktienmarkt steht angesichts des Ukrainekrieges weiter kräftig unter Druck. Der Dax rutschte am Morgen noch unter das Tief der Vorwoche ab. Zuletzt betrug das Minus rund ein Prozent, der Leitindex liegt damit weiterhin unter der Marke von 14.000 Punkten. Auch der Index der mittelgroßen Werte MDax gab weiter nach, er verlor zuletzt 1,27 Prozent. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 büßte 0,77 Prozent ein.

Am Vortag war der Index bereits um fast vier Prozent abgesackt. Die vorangegangene Kurserholung nach dem Beginn der russischen Invasion scheint damit erst einmal beendet. »Nach einer ersten Phase der Stabilisierung kann sich der deutsche Aktienindex nun nicht mehr der immer weiter eskalierenden Kriegssituation in der Ukraine und der in Gang kommenden Sanktionsspirale entziehen«, beschrieb Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von Robomarkets die Situation.

An der Börse regiere »die Angst vor den Auswirkungen der Wirtschaftssanktionen und die Angst vor den Folgen der immer weiter steigenden Energiepreise«, sagte Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Hinzu kommt: »Der deutsche Aktienindex bricht jetzt unter der Last der weiter steigenden Energiepreise zusammen«, sagte Jochen Stanzl, Marktanalyst vom Brokerhaus CMC Markets.

Opec+ könnte Fördermenge beibehalten

Die Tatsache, dass der Ölpreis auf die Freigabe strategischer Reserven durch die Internationale Energieagentur (IEA) nicht mit Abschlägen reagiert habe, sei erschreckend. Am Dienstag hatten die Mitgliedstaaten der IEA die Freigabe von 60 Millionen Barrel Rohöl aus ihren strategischen Reserven beschlossen. Am Ölmarkt hat die Freigabe dieser noch vergleichsweise kleinen Menge aber nicht zu einer Beruhigung geführt.

Der Preis für die Rohöl-Sorte Brent notierte sechs Prozent höher bei 111,72 Dollar je Barrel (159 Liter) und damit auf dem höchsten Stand seit Anfang Juli 2014. Ein Fass der US-Sorte WTI wurde mit bis zu 110,14 Dollar gehandelt. Das ist der höchste Stand seit dem Jahr 2013.

Auslöser der explodierenden Preise am Rohölmarkt sind der Krieg Russlands in der Ukraine und die denkbaren Folgen für das Ölangebot. Einerseits halten es Fachleute für möglich, dass große Volkswirtschaften die Einfuhr russischen Erdöls sanktionieren, andererseits werden auch Gegensanktionen Russlands bis hin zu einem Ausfuhrstopp für möglich gehalten. Russland ist einer der größten Ölförderer und -exporteure der Welt.

Der Ölverbund Opec+ entscheidet im Lauf des Tages über seine kurzfristige Förderstrategie. Es wird damit gerechnet, dass der Verbund seinem Kurs einer nur schrittweisen, moderaten Förderausweitung treu bleibt – und die Fördermenge nicht deutlich ausweitet, was der hohen Nachfrage ein größeres Angebot entgegensetzen könnte. Unter Opec+ sind die Staaten der Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) gefasst, aber auch Nicht-Opec-Staaten, mit denen kooperiert wird, wie Mexiko, Oman, Kasachstan – und Russland.

Der Fall des Dax unter das Vorwochentief dürfte laut Analyst Molnar wiederum weitere Verkäufe auslösen. Er verwies auf das inzwischen auf ein Rekordhoch gestiegene Angstbarometer »Fear and Greed«. »Das ist vor dem Hintergrund eines laufenden Krieges auf europäischem Boden zunächst nicht erstaunlich. Es könnte aber ein Indiz dafür sein, dass ein Großteil der Investoren bereits nicht mehr im Markt ist, während andere nur sehr vorsichtig agieren, wenn sie bei Aktien zugreifen.«

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apr/Reuters/dpa
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