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04. Januar 2016, 15:22 Uhr

Börsenabsturz in China

Die nächste Schockwelle kommt bestimmt

Von manager-magazin.de-Redakteur

In China ist die Börse nach schlechten Wirtschaftsdaten abgeschmiert. Der wahre Grund ist aber: Anleger haben die Kurse lange aufgebläht - jetzt muss die Luft wieder raus. Das wird dauern - und schmerzhaft werden.

So einen Jahresauftakt wünscht sich niemand: Die Börse in China bricht gleich am ersten Handelstag um sieben Prozent ein und zieht die Aktienmärkte rund um den Globus mit nach unten. In Frankfurt notiert der Dax am Nachmittag mit mehr als vier Prozent im Minus. Der deutsche Leitindex hat damit binnen weniger Stunden bereits beinahe die Hälfte seiner Gewinne des gesamten vergangenen Jahres eingebüßt.

Als unmittelbarer Auslöser für den Kursrutsch in Fernost werden Daten zur chinesischen Industrieproduktion genannt. Sie schrumpfte im Dezember den zehnten Monat in Folge, wie eine Umfrage ergab. Das nährt Sorgen um den Zustand der chinesischen Volkswirtschaft - und veranlasste Investoren offenbar zu Aktienverkäufen.

Der wahre Grund für den Schock zum Jahresauftakt dürfte jedoch tiefer liegen. Das zeigt ein Blick auf die Entwicklung der chinesischen Aktienmärkte in der Vergangenheit. Seit dem Sommer 2014 hatte sich in der Volksrepublik eine breite Aktieneuphorie entwickelt. Vom Taxifahrer bis zum Bankangestellten entdeckten viele Chinesen die Börse als Ort, an dem sich das schnelle Geld machen ließ. Vor allem private Anleger trieben die Kurse in Shanghai und Shenzhen bis zum Sommer 2015 um 150 Prozent und mehr in die Höhe.

Es erfordert nicht viel Expertise, um zu erkennen, dass die Kursgewinne zum großen Teil übertrieben waren. Sprich: An den Börsen Chinas hatten sich Spekulationsblasen gebildet. Und die begannen im Sommer 2015, sich aufzulösen.

Die Luft muss aus dem Markt

So verloren die Aktien von Juni bis August 2015 im Schnitt mehr als 40 Prozent an Wert. Schon seinerzeit waren die Ausläufer des Bebens über die Grenzen des Landes hinaus zu spüren, zum Beispiel beim Dax in Frankfurt, zum Beispiel auch bei den wichtigen Indizes an der New Yorker Wall Street.

Die chinesische Regierung reagierte mit massiven Markteingriffen auf den Börseneinbruch. Sie sprach Handelsverbote für Aktien aus, die Liquidität im Handel wurde erhöht und Konjunkturspritzen beschlossen. Mit aller Kraft versuchte die Regierung in Peking, sich gegen die Kräfte eines freien Aktienmarktes zu stemmen.

Die Erfahrung im Finanzgeschäft zeigt jedoch: Ist erst einmal Luft in einem Markt, so muss diese früher oder später auch wieder entweichen. Regulierende Eingriffe können diese Systematik bestenfalls verzögern - verhindern lässt sie sich jedoch nicht.

Wer den wahren Grund für den chinesischen Börseneinbruch zum Jahresauftakt 2016 verstehen will, muss daher vor allem auf die längerfristigen Kurscharts schauen. Der Standardindex CSI 300 etwa steht nach dem jüngsten Einbruch derzeit bei 3470 Punkten. Damit notiert er zwar deutlich unter den Höchstständen vom Sommer 2015. Gegenüber Mitte 2014, als der Hype begann, liegt der Index aber nach wie vor mehr als 60 Prozent im Plus. Und das, während die chinesische Wirtschaft, deren wichtigste Unternehmen im CSI 300 notiert sind, im gleichen Zeitraum um kaum viel mehr als zehn Prozent gewachsen sein dürfte.

Anleger nach turbulentem 2015 sehr nervös

Im Klartext heißt das: An den Aktienmärkten der Volksrepublik besteht sehr wahrscheinlich seit Monaten weiterhin latenter Verkaufsdruck. Es ist noch immer Luft in den Kursen, die heraus will.

Dass dies ausgerechnet an diesem Montag zumindest zum Teil erneut geschehen ist, kommt nicht von ungefähr. Einige der Maßnahmen, mit denen die Volksrepublik die Kurse gestützt hat, werden in Kürze auslaufen. Es liegt auf der Hand, dass sich viele Anleger zuvor noch rasch von ihren Papieren trennen wollen.

Vor dem Hintergrund wird klar, dass auch in nächster Zeit mit weiteren Schockwellen aus Fernost zu rechnen ist: Die chinesischen Anleger haben ihre Börse mit zum Teil wilder Zockerei über Monate auf ein schwindelerregendes Niveau gejazzt - und von dort muss sie nun wieder herunterkommen.

Für weitere Verluste in Shanghai und Shenzhen spricht auch, dass die Börsen am Montag wohl noch stärker ins Minus gerutscht wären, hätte nicht eine neue Handelsregel Schlimmeres verhindert. Der Regelung zufolge endet das Aktiengeschäft in China seit Jahresanfang an einem Handelstag, sobald die Verluste die Marke von sieben Prozent erreichen. Eine weitere Maßnahme, mit der Peking Kursabstürze wohl verzögern, aber kaum verhindern können dürfte.

Die heftige Reaktion der hiesigen Aktienmärkte auf die Turbulenzen in Fernost ist indes ebenfalls nachvollziehbar. Den Investoren dürfte noch das Börsenjahr 2015 in den Knochen stecken, in dem es so stark auf und ab ging wie selten zuvor. Neben China waren vor allem die Europäische Zentralbank sowie die US-amerikanische Notenbank Fed mit ihren geldpolitischen Maßnahmen Auslöser verschiedener Ausschläge.

Aufgrund dieser starken Schwankungen sind die Anleger nach wie vor sehr nervös - und reagieren mitunter heftig auf jeden kleinsten Auslöser.

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