Erinnerung an "Flash Crash" Börsenprofis rätseln über Ölpreis-Kursrutsch

Fünf Dollar innerhalb weniger Minuten: Ein plötzlicher Absturz des Ölpreises sorgt an den Börsen für Diskussionen. "Das war das schnellste, was ich je erlebt habe", sagt ein Händler.

Börsenhändler in New York: Waren wieder "Fat Finger" im Spiel?
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Börsenhändler in New York: Waren wieder "Fat Finger" im Spiel?


New York - Urplötzlich geht ein Kurs in den Keller - dieses Phänomen haben Börsenhändler in den vergangenen Jahren wiederholt erlebt: Im Mai 2010 gab der amerikanische Dow-Jones-Index Chart zeigen innerhalb weniger Minuten um fast tausend Punkte nach. Auslöser des "Flash Crash" waren computergesteuerte Blitzverkäufe einer einzelnen Firma. Im August 2011 verlor der Deutsche Aktienindex (Dax Chart zeigen) in kürzester Zeit 200 Punkte, diesmal galten nervöse Händler als Ursache.

Nun spekulieren Börsianer über einen neuen Einbruch: Am Montagabend stürzten die Ölpreise aus bislang unbekannten Gründen um rund drei Dollar ab. Auch in diesem Fall ereignete sich der Kursrutsch innerhalb weniger Minuten. Brent-Öl verbilligte sich um mehr als fünf Dollar auf 111,60 Dollar je Barrel. Ein Barrel der US-Sorte WTI rutschte zur selben Zeit auf unter 95 Dollar. Am Dienstag stabilisierten sich die Kurse, blieben aber weiterhin im Minus.

Ähnlich wie beim Flash Crash von 2010 führten viele Händler den Ausverkauf auf ein Problem mit einem automatischen Computerhandelsprogramm zurück. "Ich mache das jetzt seit 14 Jahren, aber das war das schnellste, was ich je erlebt habe", sagte John Gretzinger von INTL FCStone. Die Ursache könne nur Hochfrequenzhandel oder Algo-Trading gewesen sein. Bei Algo-Trading bewegen Computer mit Hilfe von Handelsalgorithmen innerhalb von Sekunden große Mengen.

Verhundertfachte Handelsbewegungen

Manche Marktteilnehmer spekulierten über eine Falscheingabe im elektronischen Handelssystem. Derartige Fehler - im Handelsjargon "Fat Finger" genannt - können starke Kursbewegungen nach sich ziehen, da sie zahlreiche automatische Transaktionen auslösen können.

Andere Beobachter wiesen dagegen darauf hin, dass die Kurse am Dienstag weiter sanken. "Wenn das ein Flash Crash ist, warum haben sich die Preise dann nicht erholt?", sagte Eugen Weinberg, Rohstoffexperte der Commerzbank der Nachrichtenagentur Dow Jones. Möglicherweise habe der Ölmarkt nach monatelangem Anstieg eine Verschnaufpause benötigt.

Zur Zeit des Ölpreis-Einbruchs wurden innerhalb einer Minute 13.000 Posten WTI und 10.000 Posten Brent bewegt. Kurz zuvor waren es noch lediglich 131 beziehungsweise 152 Posten in der Minute gewesen. Die Chicago Mercantile Exchange (CME), an der US-Öl hauptsächlich gehandelt wird, teilte mit, man wisse von dem Problem. Es würden aber keine Geschäfte rückgängig gemacht.

Die IntercontinentalExchange (ICE), Handelsplatz für Brent, lehnte eine Stellungnahme ab. Die Regulierungsbehörde CFTC erklärte, sie forsche nach den Ursachen. "Wir sind in Kontakt mit der CME und der ICE und werden der Sache auf den Grund gehen", sagte ein Sprecher.

dab/dpa/Reuters



insgesamt 16 Beiträge
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Airkraft 18.09.2012
1. Kein Mitleid!
Zitat von sysopGetty ImagesFünf Dollar innerhalb weniger Minuten: Ein plötzlicher Absturz des Ölpreises sorgt an den Börsen für Diskussionen. "Das war das schnellste, was ich je erlebt habe", sagt ein Händler. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,856526,00.html
"Ich weiß zwar (noch) nicht um was es geht, aber ich beeile mich!"
rolandjulius 18.09.2012
2. Spekulationen an der Börse
Eine ,wenn auch sehr kleine Umatzsteuer würde diesen Haien sehr schnell das Handwerk legen
uezegei 18.09.2012
3.
Man sollte endlich die Menschen aus den Börsen und aus der Finanzindustrie verbannen und das ganze System den Computern überlassen. Die haben keine fetten Finger, kennen keine Gier und keine Panik. Die Börsianer und Banker sind der Störfaktor in diesem System.
nischli123 18.09.2012
4. Oha,
überraschend ist der hochgepuschte Ölpreis gefallen. Die armen Spekulanten müssen nun sicher Harz 4 beantragen. Aber glücklicherweise finden die Mineralölkonzerne sicherlich einen Grund warum trotz gefallener Weltmarktpreise die Kosten an den Zapfsäulen steigen müssen...
svha 18.09.2012
5.
Die Kraftstoffpreise sind zum Glück nach wie vor stabil auf hohem Niveau, kein Grund zur Panik :-)
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