Börse Wann aus Turbulenzen ein Crash wird

Der Schock für die Anleger sitzt tief: Der Dax hat in acht Tagen gut 22 Prozent verloren - der schnellste Kursrückgang seit fast 25 Jahren. Die Verunsicherung ist groß. Droht gar eine neue Rezession?

Börse in Frankfurt: Nicht jeder Absturz ist der Beginn einer großen Krise
DPA

Börse in Frankfurt: Nicht jeder Absturz ist der Beginn einer großen Krise

Von


Hamburg - In den vergangenen beiden Wochen hat der Dax Chart zeigen gleich mehrere Negativrekorde aufgestellt: Innerhalb von acht Handelstagen ist der wichtigste deutsche Aktienindex um mehr als 22 Prozent gefallen. So schnell ging es in der Dax-Geschichte seit 1988 noch nie abwärts - nicht mal nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 oder der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers am 15. September 2008, die in der allgemeinen Wahrnehmung den Beginn der größten Finanzkrise seit Jahrzehnten markiert.

Heißt das nun, dass dieses Mal alles noch viel schlimmer ist? Nein. Ein Blick in die jüngere Geschichte zeigt, dass echte Krisen zwar meist mit großen Börsenabstürzen beginnen - aber längst nicht alle Börsenabstürze große Krisen nach sich ziehen.

Warum Börsenkurse plötzlich so schnell fallen, lässt sich meistens nur schwer erklären - auch wenn Experten sich immer wieder darin versuchen. Eine wichtige Rolle spielt die Psychologie der Anleger: Wenn die Angst am Markt regiert und die Kurse erst einmal ins Rutschen gekommen sind, verkaufen viele Investoren aus Furcht, es könnte noch weiter runtergehen. Mit diesem Verhalten heizen sie dann selbst die Panik an. Hinzu kommen Spekulanten, die den Kurssturz nutzen, um an weiter fallenden Kursen zu verdienen.

So dramatisch eine Abwärtsbewegung auch sein mag, einige der schlimmsten Kurseinbrüche der Geschichte waren bald darauf wieder vergessen:

  • Der größte Börsencrash der Nachkriegsgeschichte datiert auf den 19. Oktober 1987, den sogenannten Schwarzen Montag. Die Anleger spekulieren darauf, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen anheben wird. Weil dies Anleihen attraktiver und Aktien im Vergleich unattraktiver macht, bricht der Dow Jones Chart zeigen in New York um 23 Prozent ein. Den Dax gibt es damals noch gar nicht. Rechnet man die Verluste der damaligen 30 größten Firmen jedoch um, hätte der Index gut neun Prozent verloren.
  • Im Sommer 1990 schwelgt Deutschland im nationalen Rausch. Die Fußball-Nationalmannschaft der Bundesrepublik wird Weltmeister. Durch die Währungsunion wird die D-Mark offizielles Zahlungsmittel der DDR. Die deutsche Wirtschaft hofft auf einen langanhaltenden Boom. Doch der Einmarsch irakischer Truppen im ölreichen Emirat Kuwait schockiert die Börsen weltweit. Von Mitte Juli bis Ende September verliert der Dax 32 Prozent. Drei Jahre später hat er seinen alten Höchststand wieder erreicht.
  • Im Sommer 1998 kursiert die Angst vor einem großen Bankenchaos. Die asiatischen Schwellenländer stecken schon seit fast einem Jahr in der Krise, nun gerät auch die russische Währung, der Rubel, in Turbulenzen. Der 7,3 Milliarden Dollar schwere US-Hedgefonds Long Term Capital Management (LTCM) hat sich verspekuliert und steht vor dem Zusammenbruch. Zwischen dem 20. Juli und dem 2. Oktober bricht der Dax um 35 Prozent auf 3962 Punkte ein. Gut ein Jahr später sind die Verluste vergessen. Der Dax setzt seine Rekordjagd fort.

SPIEGEL ONLINE
Andererseits heißt die Börsen-Beruhigung in dieser Woche aber nicht, dass der Absturz nun gestoppt ist. Denn gerade die Börseneinbrüche, die in der Vergangenheit große Krisen eingeleitet haben, liefen meist in mehreren Etappen ab, unterbrochen von kleinen Erholungen (siehe Grafik).

Im März 2000 überspringt der Dax nach einem gigantischen Aktienboom zum ersten Mal die Marke von 8000 Punkten. Viele Börsianer glauben an eine krisenfreie Wirtschaft, die immer nur wächst. Vor allem in das Internet, die Telekommunikations- und die aufstrebende Biotech-Branche setzen sie große Hoffnungen.

  • Der Absturz beginnt scheibchenweise. Bis Mitte des Jahres verliert der Dax nur gut zwölf Prozent, bis März 2001 rund 30 Prozent. Bis zum 10. September 2001 hat der Dax rund 42 Prozent seines Werts eingebüßt. Am Tag darauf fliegen Terroristen zwei Flugzeuge in das World Trade Center in New York. Der Dax verliert neun Prozent. Bald darauf erholt er sich wieder. Erst im Mai 2002 beginnt der rasante Absturz, der den Index bis März 2003 auf 2200 Punkte drückt. Verglichen mit dem Höchststand im März 2000 ist das ein Minus von mehr als 70 Prozent.

  • Im Januar 2008 fällt der Dax innerhalb von sieben Tagen um fast 17 Prozent - und läutet damit den Beginn der Finanzkrise ein, die die Welt noch jahrelang beschäftigen wird. Auslöser ist die Verschärfung der seit dem Frühjahr 2007 schwelenden US-Immobilienkrise - und die Angst vor einem Konjunktureinbruch. Von Ende 2007 bis zum 6. März 2009 bricht der deutsche Leitindex von mehr als 8000 Punkten auf 3666 Punkte ein - ein Minus von rund 55 Prozent.

Große Börsenkrisen sind also nicht immer auf den ersten Blick als solche zu erkennen. Am 15. September 2008, dem Tag, an dem die US-Investmentbank Lehman Brothers pleitegeht, verliert der Dax gerade mal 2,8 Prozent. Auch in den Folgetagen bleiben die Verluste moderat. Vier Tage später geht es sogar noch einmal kräftig aufwärts. Erst danach beginnt der Abstieg.



insgesamt 14 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
lalito 11.08.2011
1. Husten
Es gilt wohl immer noch, dass, wenn die Wallstreet hustet, Frankfurt gleich Fieber hat. Jetzt wird wieder jeden Tag auf die Eröffnung in New York gewartet, danach weiß man wie der Abend wird - Sekt oder Selters zu den Austern. Scheint was Chronisches zu sein, links wie rechts vom Teich.
beer&sauerkraut 11.08.2011
2. Hello Barby lets go Party
Ja, schlimm nicht. Komisch das sich die Presse so lassziv-hysterisch aufregt und nur so nichtsahnende Scheinfragen einer Barbie-Blondine stellt, dessen Intellekt man jedem Leser unterschwellig unterjubeln will. Ist das jetzt wirklich schlimm dieser Crash? Wird es jetzt echt schlimm? Sitzt meine Schmincke nicht? Richtig interessant zuzusehen wie eine gehirngewaschene Menschenmasse als Schaf gegen eine Betonmauer rast und sich dabei zusieht, jedoch unfähig ist zu realisieren was passiert.
sacco 11.08.2011
3. x
der artikel in einem satz: nix genaues weiss man nicht
graubereich 11.08.2011
4. Was passiert denn?
Zitat von beer&sauerkrautJa, schlimm nicht. Komisch das sich die Presse so lassziv-hysterisch aufregt und nur so nichtsahnende Scheinfragen einer Barbie-Blondine stellt, dessen Intellekt man jedem Leser unterschwellig unterjubeln will. Ist das jetzt wirklich schlimm dieser Crash? Wird es jetzt echt schlimm? Sitzt meine Schmincke nicht? Richtig interessant zuzusehen wie eine gehirngewaschene Menschenmasse als Schaf gegen eine Betonmauer rast und sich dabei zusieht, jedoch unfähig ist zu realisieren was passiert.
Es ist doch nicht die "gehirngewaschene Menschenmasse", die, nennen wir es, Absturz verursacht haben. Es gibt in Deutschland nur noch 3,5mio Aktionäre. Von einer "Masse" kann man daher in keinster Weise reden. Vielmehr ist es die Angst der Aktionäre ihr Geld zu verlieren. Denn wer ist denn am geizigsten? Richtig. Die, die am meisten Geld haben. Nun noch eine Frage. Was passiert denn ihrer Meinung nach. Lassen sie uns doch mal teilhaben an Ihrer Meinung. Danke.
Schweijk 11.08.2011
5. und
schon gehts weiter gen Süden. Wir werden erst bei ca 3900 Punkten zum stehen kommen in den nächsten 2-3 Wochen, dann entscheidet sich obs weiter abwärts geht oder beruhigung eintritt. Schade das ich kein Cash mehr habe:-((
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.