Börse nach der US-Wahl Warum Trumps Sieg Anleger jubeln lässt

Wenn Trump gewinnt, kommt der Crash - hieß es. Doch der große Schock blieb aus. Viele Börsen notieren sogar im Plus. Ist Trump etwa gar nicht so schlecht für Anleger?

Ein Händler an der Börse Chicago (Archivfoto).
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Ein Händler an der Börse Chicago (Archivfoto).

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Die Angst vor Donald Trump war groß an den Finanzmärkten. Nichts anderes als ein Crash war erwartet worden, falls der als unberechenbar geltende Unternehmer gewinnen sollte. Experten sprachen vor der Wahl von einem möglichen "Trump-Schock" und rechneten mit einem "Brexit hoch 5". Die Frage war nur, wie stark die Kurse an den Weltbörsen einbrechen würden.

Doch nichts dergleichen geschah. Zwar sackte der Dax am Mittwoch auf den tiefsten Kurs seit drei Monaten, drehte dann aber sogar ins Plus. Auch einen Tag nach der Wahl ist die Stimmung an den Börsen gut: Der Dow-Jones-Index kletterte gar auf ein neues Rekordhoch.

Experten begründen die ausgebliebene Panik an den Märkten vor allem mit Trumps Auftritt kurz nach seiner Wahl in New York. "In der Rede haben wir einen Unterschied zwischen dem Kandidaten Trump und dem Präsidenten Trump gesehen", sagte Private-Equity-Unternehmer Thomas Barrack, der zu den Beratern Trumps zählt, "er war reflektiert, ruhig, versöhnlich und berechenbar." Investoren zeigten sich beruhigt, weil sie hofften, dass der neue US-Präsident seine im Wahlkampf verkündeten Pläne letztlich abmildert.

"Es wird alles halb so heiß gegessen, wie es gekocht wird", fasste Vermögensverwalter Georg Graf von Wallwitz seine Eindrücke von Trumps Rede zusammen.

Nicht nur die Panik blieb aus, Investoren griffen bei US-amerikanischen Aktien sogar beherzt zu. Die Aktien von Banken, Stahlunternehmen und Pharmafirmen stiegen zum Beispiel stark. Ist Trump also gar nicht so schlecht für die Wirtschaft wie gedacht?

Trump kündigte in seiner Rede an, in Infrastruktur zu investieren. Marode Straßen und Gebäude könnten in den USA saniert werden. Zudem kündigte er geringere Steuern für Unternehmensgewinne an.

Und mit diesen Vorhaben meint er es offenbar ernst. Wirtschaftsberater von Trump bestätigten der "Financial Times", dass ein staatlich finanziertes Konjunkturprogramm geplant sei, um die Wirtschaft anzukurbeln. Bereits im Mai sprach Trump in einem Interview mit dem Fernsehsender CNN über diese Pläne: Auf die Frage, wie er denn gedenke mit den Schulden der USA umzugehen, antwortete er: "You print the money". Die Zentralbank soll das Geld also einfach drucken.

Diese klare Botschaft wird von den Märkten verstanden. Schon ist an den Börsen von einem möglichen "Trump-Boom" die Rede. "Solch eine Investitionspolitik dürfte sich unmittelbar stimulierend auf die US-Firmen auswirken", sagt Ökonom Daniel Stelter. Kein Wunder also, dass der Dow Jones einen Tag nach der Wahl auf ein Rekordhoch stieg.

Trumps Plan: Durch höhere Staatsausgaben könnte die Inflation deutlich anziehen, und damit real die Schuldenlast des Staates entwerten. Die Folge wäre ein schwächerer Dollar, was die Nachfrage nach US-amerikanischen Produkten im Ausland zusätzlich anregt.

"Unabhängig davon, wie man grundsätzlich zu solcher Politik steht, dürfte Trumps Politik unmittelbar positive Effekte für die US-Wirtschaft haben", sagt Stelter. Und nichts anderes als diese kurzfristige Sicht haben die Finanzmärkte bewertet - deshalb steigen die Kurse.

Klar ist aber auch: Die Unsicherheit bleibt hoch. Niemand weiß derzeit, welche Maßnahmen Trump wirklich umsetzen wird. Nach einem kurzfristigen Wirtschaftsaufschwung - getrieben von Steuersenkungen - könnte die Konjunktur abkühlen. "Die positiven Aspekte könnten durch die negativen Folgen globaler Handelskriege und durch anhaltende geopolitische Unsicherheit überschattet werden", sagt Léon Cornelissen, Chefökonom des Vermögensverwalters Robeco.

Für Privatanleger bleibt aber der Rat, kurzfristig die Nerven zu behalten und abzuwarten, wie sich die Dinge tatsächlich entwickeln. "Cool bleiben ist meistens das Richtige an den Finanzmärkten", sagt Fondsmanager von Wallwitz. Anleger sollten auch mit Trump als US-Präsidenten nicht hektisch an ihrer langfristigen Anlagestrategie zweifeln. Denn ständig auf Schwankungen zu reagieren, bringt nichts und verursacht für den Anleger nur beträchtliche Handelskosten.

Zudem haben Anleger weltweit gar keine andere Wahl als in Aktien zu investieren, wenn sie langfristig Rendite einfahren wollen. Finanzexperten sprechen vom "Tina-Prinzip": There is no alternative. Zur Aktie gibt es keine Alternative. Daran hat auch Trumps Wahlsieg nichts geändert.

Ohnehin sollte man kurzfristigen Reaktionen der Finanzmärkte auf Wahlergebnisse nicht allzu viel Bedeutung beimessen. Das zeigt die Vergangenheit: Als Barack Obama 2008 und 2012 zum Präsidenten gewählt wurde, waren die Ausschläge an den Aktienmärkten negativ. Die US-Börsen rauschten damals um fünf beziehungsweise um zwei Prozent ins Minus - bevor sie dann die größte Rallye ihrer Geschichte starteten.

Zusammengefasst: Wenn Trump gewinnt, kommt es zu einem Crash an den Börsen, hieß es. Doch der große Schock blieb aus. Viele Börsen notieren sogar im Plus. Der Grund: Trump gab sich in seiner Rede versöhnlich. Zudem kündigte er ein staatlich finanziertes Konjunkturprogramm an. Das dürfte sich stimulierend auf US-Firmen auswirken. Unabhängig davon sollten Privatanleger die Nerven behalten und abwarten. Auch mit Trump als US-Präsidenten gibt es keinen Grund an der langfristigen Anlagestrategie zu zweifeln.



insgesamt 26 Beiträge
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Seite 1
upalatus 10.11.2016
1.
Wenn einer der ihren so einen Posten ergattert? Na sowas aber auch, dass dieses Establishsystem sich freut. Mit Trump geht das Höchstprofitrausholen natürlich weiter, wohl in noch gefeilterer Form. Was hat sich der kleine ausgequetschte Mann und Wähler denn sonst ausgemalt?
Creedo! 10.11.2016
2.
Der DAX ist leicht im Minus und der MDax verliert fast 1% ... obwohl der DJ im Plus notiert. Sieht so aus, als ob die Märkte die Wahl Trumps zum US Präsidenten für die US Wirtschaft positiv sehen, aber für die EU eher nicht. Europas Börsen notieren im Minus. Bis auf die schweizer und die russische Börse und die gehören nicht zur EU. Auch der FTSE ist gefallen. EU-Austrittsabsichten alleine reichen da wohl nicht. Für die EU schaut die Zukunft wohl nicht so rosig.
zeichenkette 10.11.2016
3. Tja
Steuern für Unternehmen senken, Inflation produzieren... ob das seinen Wählern so gefallen wird? Die haben ja keine Unternehmen und ihr Geld wird weniger wert. Das mit "Brexit hoch fünf" haben übrigens nicht Experten gesagt, das hat Trump selber gesagt. Letztlich werden die Amerikaner jetzt wahrscheinlich einfach von anderen Reichen ausgesaugt. Tja, sie wollten es nicht anders.
Bueckstueck 10.11.2016
4.
Zitat von Creedo!Der DAX ist leicht im Minus und der MDax verliert fast 1% ... obwohl der DJ im Plus notiert. Sieht so aus, als ob die Märkte die Wahl Trumps zum US Präsidenten für die US Wirtschaft positiv sehen, aber für die EU eher nicht. Europas Börsen notieren im Minus. Bis auf die schweizer und die russische Börse und die gehören nicht zur EU. Auch der FTSE ist gefallen. EU-Austrittsabsichten alleine reichen da wohl nicht. Für die EU schaut die Zukunft wohl nicht so rosig.
Ach was. Wenn Trump wie versprochen die Banken-Zocker wieder von der Leine lässt, dann brummt das Börsen-Casino wieder! Und zwar auch für europäische Banken, die allesamt ihre Stinkefinger in der Wallstreetsuppe stecken haben. Man denke nur an die Deutsche Bank und ihre Führungsrolle in der Finanzkrise durch tatkräftiges aufblasen und platzen lassen der Immobilienblase. Und weil Banken ja das wichtigste überhaupt sind, werden die Börsen-Casinos in allen Ländern, die diese Banken beherbergen, in Partystimmung verfallen: Kursrekorde Ahoi! Es sei denn natürlich Pinocchio... ähh... Donald kassiert auch dieses Wahlversprechen in den kommenden Stunden. Dann kommts vielleicht anders. Es sei denn er kassiert auch die Versprechen bzgl. Steuern runter und Ausgaben rauf... Soviel zur vermeintlich neu entdeckten Schein-Berechenbarkeit des Trumps. Und wenn das einsickert, dann drehen wieder alle am Rad. Am Ende bleibt die erste Erkenntnis, dass keiner weiss wofür dieser akerl wirklich steht.
Darwins Affe 10.11.2016
5.
Zitat von upalatusWenn einer der ihren so einen Posten ergattert? Na sowas aber auch, dass dieses Establishsystem sich freut. Mit Trump geht das Höchstprofitrausholen natürlich weiter, wohl in noch gefeilterer Form. Was hat sich der kleine ausgequetschte Mann und Wähler denn sonst ausgemalt?
Na, da könnte sich mancher Finanzhai vielleicht in die Finger beissen. Trump ist nicht (wie Clinton) abhängig von der Wallstreet. Der Egomane will als grosser Präsident in die Geschichte eingehen. Ob seine Rezepte (von denen wir nix wissen) aufgehen, bleibt abzuwarten.
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