Euro-Gipfel Wall Street stimmt in Börsen-Jubel mit ein

Von London bis New York: Europas Finanzmärkte und die Wall Street feiern die Ergebnisse des Euro-Gipfels. Analysten warnen jedoch, die Euphorie könnte schnell nachlassen, wenn die Risiken der Beschlüsse deutlicher werden

Endlich mal wieder was zu lachen: Börsenhändler in Frankfurt
DPA

Endlich mal wieder was zu lachen: Börsenhändler in Frankfurt


Hamburg - Die politischen Bewertungen des jüngsten Euro-Gipfel sind gespalten: Während Südeuropa die Beschlüsse bejubelt, sind viele deutsche Politiker entsetzt. Die Tendenz der Anleger war eindeutiger: An den Börsen sorgten die Ergebnisse am Freitag für deutliche Kursgewinne.

Der Euro Chart zeigen stieg um mehr als zwei US-Cent auf 1,2674 Dollar. Der Dax Chart zeigen schloss mit einem Plus von 4,3 Prozent auf 6416,28 Punkte und gewann damit auf Wochensicht 2,4 Prozent. Auch der EuroStoxx 50 Chart zeigen ging um 4,7 Prozent auf 2259 Zähler nach oben. Die Börse in Paris machte ihren größten Sprung in diesem Jahr und schloss mit 4,75 Prozent im Plus. Am Londoner Handelsplatz gewann der FTSE Chart zeigen-Index 1,42 Prozent.

Noch deutlicher legten mit 6,6 und 5,7 Prozent die Leitindizes von Italien und Spanien zu. Beiden Ländern winken dank der Gipfelbeschlüsse Finanzhilfen ohne harte Reformauflagen und direkte Bankenhilfen durch den Rettungsschirm ESM. "Die Banken können sich nun leichter in der Krise rekapitalisieren, als das bisher der Fall war", sagte Oliver Roth, Kapitalmarktstratege bei Close Brothers.

Die Erleichterung darüber zeigte sich auch bei Staatsanleihen, deren Renditen zurückgingen. Spanische Papiere wurden statt mit 6,92 nur noch mit 6,34 Prozent verzinst. Die Renditen ihrer italienischen Pendants fielen sogar deutlich unter die Sechs-Prozent-Marke. Auch die Kosten der Kreditausfallversicherungen für Anleihen der beiden Euro-Länder verringerten sich.

Deutsche Banken im Aufwind

Auch deutsche Bankaktien profitierten deutlich. Papiere von Deutscher Bank Chart zeigenund Commerzbank Chart zeigen verteuerten sich um 5,9 und 6,2 Prozent. Der europäische Bankenindex rückte um 4,1 Prozent vor. In Spanien schnellten BBVA Chart zeigen und Bankinter Chart zeigen um neun und sieben Prozent nach oben, in Italien Unicredit Chart zeigen und Banco Popolare Chart zeigen um rund 14 beziehungsweise elf Prozent. "Da den Banken ja nun direkt ohne den Umweg über den Staat geholfen werden kann, scheint auch der Abschreibebedarf auf Staatsanleihen gesunken zu sein", sagte ein Händler. "Das nimmt ordentlich Druck aus dem Kessel."

Die Ergebnisse des EU-Krisengipfels haben auch die Stimmung an der Wall Street deutlich aufgehellt - und dem Dow Jones Chart zeigenam Freitag den zweitgrößten Tagesgewinn des Jahres beschert. Er gewann 2,20 Prozent hinzu und lag zu Handelsschluss bei 12.880,09 Punkten. Auf Wochensicht bedeutete dies einen Anstieg von 1,89 Prozent. Das Monatsplus von fast 4 Prozent war der größte Zugewinn seit Oktober 2011.

Schon am Donnerstagabend hatte die Wall Street nach einem Schlussspurt im Plus geschlossen, und auch die asiatischen Börsen beendeten den Handel mit einem kräftigen Aufschlag. Gerade als sich viele auf einen ruhigen Wochenausklang eingestellt hatten, hätten positive Aussagen aus Brüssel die Märkte wieder aufgeweckt, sagte Analyst Cameron Peacock von IG Markets.

Analysten gingen allerdings nicht davon aus, dass die Euphorie an den Märkten lange anhält. "Viele Anleger bejubeln die überraschende Aktivität der Regierungschefs. Schließlich war nicht viel erwartet worden", schrieb Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann in einem Kommentar. "Nur muss man sich auch klarmachen, dass die Beschlüsse mittel- bis langfristig problematisch sind."

So könne etwa die direkte Banken-Rekapitalisierung zu einer Vergemeinschaftung der Staatsschulden durch die Hintertür führen, schrieb Leuchtmann. Börsianer mahnten zudem zur Vorsicht, da die Gipfelbeschlüsse noch den parlamentarischen Prozess in den Mitgliedsländern durchlaufen müssen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte in der Nacht zu Freitag auf dem EU-Gipfel unter dem Druck von Italien und Spanien Zugeständnisse beim Einsatz der Euro-Rettungsfonds gemacht. Künftig sollen nach Einrichtung einer europäischen Bankenaufsicht nicht nur direkte Bankenhilfen möglich sein, sondern auch ein Aufkauf von Staatsanleihen reformwilliger Mitgliedsländer durch die Rettungsfonds EFSF und ESM. Im Gegenzug stimmten Rom und Madrid einem EU-Wachstumspakt in Höhe von 120 Milliarden Euro zu.

dab/dpa/Reuters/AFP

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eulenspiegel_neu 29.06.2012
1. Euro-Gipfel beschert Börsen einen Jubeltag
Wenn die Börsen aufgrund von Gipfel-Entscheidungen der EU-Regierungen jubilieren, haben die Regierungen etwas falsch gemacht! Den Bänkern müßten die Tr#nen fließen, aber ihre Geldsäcke werden ja wieder gefüllt. Die Crux in der Finanzkrise liegt u. a. darin, dass die früheren Nationalstaaten mit eigener Währung Schulden in beliebiger Höhe machen konnten (die berühmten Politikergeschenke nach dem Motto: "Koste es, was es wolle") und danach, wenn die Schulden zu hoch waren, einen (meist kalten) Währungsschnitt machten, um die Welt auf Kosten der Bürger wieder in Ordnung zu bringen. In der EU-Gemeinschaft mit Euro-Wirtschaft ist dieser Weg versperrt und die Politiker haben es bei ihren "Volksgeschenken" nicht bedacht. So stehen nun alle vor einem Dilemma. Alle Schulden für die EU-Gemeinschaft, damit den Volksbetrug niemand bemerken soll? Im Übrigen mussten die Schuldenmacherstaaten das Geld bei ihren Banken aufnehmen, die sehr gut daran verdienten. Die Banken selbst haben das ihnen zur Verfügung gestellte Geld in der Hoffnung auf größtmögliche Rendite dann auf den Weltbörsen verzockt. Deswegen arbeiten Politiker und Banken (gegen den Bürger) eng zusammen, um ihre gemeinsam geschaffene Krise zu lösen. Nur so geht es eben nicht. Die Staaten mit den großen Schulden müssen ihr EU-Mandat ruhen lassen und aus dem Euro aussteigen, nicht aber aus der EU. Diesen Unterschied muss man bei den Lösungen beachten. Die Staaten müssen zurück in eine eigene 'Zwischenwährung', die Währungsschnitt durchführen und bei "Null" wieder anfangen. Erst wenn die Wirtschaftsrelationen den EU-Regelungen entsprechen, kann eine Rückkehr in den Euro zu einem bestimmten Kurs stattfinden. Eine Schuldenübernahme durch die "guten" Länder der EU muss unbedingt vermieden, da ansonsten der einzelne Bürger in den entsprechenden guten Nationalstaaten hoch belastet wird (über mehrere Generationen!). Zudem muss die EU-Ratsherrschaft und die Führung der einzelnen EU-Mitgliedsländer einen Weg finden, um eine politische Basis für die Schuldenwirtschaft zu finden und die EU im Ganzen politisch zu stärken. Bislang zeigt sich, dass die EU-Politik im Grunde genommen handlungsunfähig ist. Frau Merkel handelt derzeit hinsichtlich der Schuldenhaftung der EU-Gemeinschaft richtig, es geht nicht an, dass Schuldnerstaaten von ihren Schulden freigesprochen werden und andere diese tragen müssen, wo verkommen wir sonst hin. Die US-amerikanischen Banker waren samt Regierungsparteien etwas schlauer. Sie pushten ihre Ratinggesellschaften an die Welt-Spitze, so dass sogar die Regulierungsbehörden (Bankenaufsicht) in Deutschland Ratinggesellschaften bzw. deren Bewertungskatalog in ihre Regularien schrieben (!). Diese von US-Banken und anderen maßgeblichen US-Wirtschaftseinheiten beherrschten Ratinggesellschaften werteten die europäischen Staaten und Banken – nach welchen Regeln auch immer – ab und damit griffen sie den Euro an. Somit wird die dem Dollar gegenüberstehende Währung samt der EU-Gemeinschaft abgewertet und die amerikanische Wirtschaft – obwohl sie schlimmer dran ist, als die EURO-Staaten – kann so tun, als ob es ihr gut gehe. Diese verlogenen US-Politiker samt US-Wirtschaftlern haben somit großen Einfluss auf den europäischen Konkurrenten und nutzen diesen über ihre Zocker bestens aus. Es wird Zeit, dass das Weltwirtschaftssystem und die EU neu gestaltet werden, doch wo sind diese Kräfte? Müssen erst die Bürger nachhelfen, bis die Politiker aufwachen? Die ruhige Lage kann sich sehr schnell drehen, wenn keine Lösung in absehbarer Zeit gefunden wird!
antizins 29.06.2012
2. Leider berichtet...
Zitat von sysopDPAVon London bis Madrid: Europas Finanzmärkte feiern die Ergebnisse des Euro-Gipfels. Analysten warnen jedoch, die Euphorie könnte schnell nachlassen, wenn die Risiken der Beschlüsse deutlicher werden http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,841812,00.html
...der Spiegel ueber so etwas: Alles Schall und Rauch: LIBOR-Skandal zeigt wie korrupt Banken sind (http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2012/06/libor-skandal-zeigt-wie-korrupt-banken.html) nicht. Warum eigentlich nicht?
littlegirl 29.06.2012
3. Man o Männer
erklärt mir mal, wie der Kurs von Aktien zustande kommt. Bisher war ich der Meinung, man könnte ihn aus Rendite, KGV und dem Geschäftsmodell in etwa abschätzen... Jetzt steigt der Kurs von Technolgieaktien, nur weil sich sich mediterrane Pleitbanken billig aus dem Schuldendesaster schmugglen können. Börsianer, wie denkt ihr?
Palmstroem 29.06.2012
4. Jubetag nach Trauerjahr
Zitat von sysopDPAVon London bis Madrid: Europas Finanzmärkte feiern die Ergebnisse des Euro-Gipfels. Analysten warnen jedoch, die Euphorie könnte schnell nachlassen, wenn die Risiken der Beschlüsse deutlicher werden http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,841812,00.html
Echt Wahnsinn! Da fällt der Dax seit Ende März von 7.000 auf fast 6.000! Und jetzt diese irre Ralley auf 6.400. Wem da nicht das Herz aufgeht ist wirklich kein Optimist! Leute - kauft Aktien!
DerKritische 29.06.2012
5. ...
Zitat von littlegirlerklärt mir mal, wie der Kurs von Aktien zustande kommt. Bisher war ich der Meinung, man könnte ihn aus Rendite, KGV und dem Geschäftsmodell in etwa abschätzen... Jetzt steigt der Kurs von Technolgieaktien, nur weil sich sich mediterrane Pleitbanken billig aus dem Schuldendesaster schmugglen können. Börsianer, wie denkt ihr?
Mir fehlen auch die Worte. Hab aber lange schon auf Sachwerte und Aktien gesetzt, die von solchen Nachrichten unbeeindruckt bleiben.
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