Monsanto-Debakel Bayer-Aktie auf Talfahrt

Die Übernahme des Glyphosat-Herstellers Monsanto wird für Bayer zum Desaster. Inzwischen sind beide Unternehmen zusammen weniger wert als der US-Konzern allein zum Zeitpunkt der Übernahme.
Bayer-Zentrale

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Oliver Berg/ DPA

Bayer-Aktien haben ihren Fall an diesem Dienstag mit einem weiteren Minus von rund zwei Prozent fortgesetzt. Am Montagnachmittag war bekannt geworden, dass sich die Leverkusener in den USA mit den Klägern wegen möglicher Gesundheitsschäden durch den Blutgerinnungshemmer Xarelto auf einen Vergleich geeinigt haben.

Damit ist der Börsenwert des Chemie- und Agrokonzerns mittlerweile geringer als die Summe, die Bayer im vergangenen Jahr für den US-Konzern Monsanto bezahlt hat. Bayer kommt derzeit auf eine Marktkapitalisierung von rund 53 Milliarden Euro - für Monsanto hatte Bayer 63 Milliarden Dollar gezahlt.

Bayers Börsenwert ist damit seit der Monsanto-Übernahme um mehr als 30 Milliarden Euro gesunken. Mit jedem weiteren Rückschlag wächst die Gefahr, dass aktivistische Fonds Unternehmensanteile aufkaufen und den Traditionskonzern zerschlagen, um seine Einzelteile mit Gewinn zu verkaufen.

Analyst Peter Verdult von der Citigroup sieht im Fall von Xarelto Parallelen zu den aktuellen Rechtsstreitigkeiten über den glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup. Wie bei Xarelto sehe sich der Konzern auch hier im Recht und halte die Klagen für haltlos, zahle aber letztlich, so der Experte. Basierend auf der Vergleichssumme von 775 Millionen Dollar koste jeder Streitfall im Schnitt 30.000 Dollar.

Trotz des Vergleichs gibt sich Bayer weiter überzeugt, dass die Klagen jeglicher Grundlage entbehrten, betonte der Konzern. Der Vergleich bedeute deshalb auch nicht die Anerkennung einer entsprechenden Rechtspflicht. Alle sechs bisher verhandelten Verfahren seien zugunsten von Bayer und Janssen ausgegangen. Doch ermögliche der Vergleich, Ablenkungen und hohe Kosten zu vermeiden, die durch einen Fortgang der Rechtsstreitigkeiten entstehen würden.

Bislang weigern sich die Bayer-Manager, die Verantwortung für das Desaster zu übernehmen . Sie hoffen, dass sich der Kauf von Monsanto langfristig als lohnende Investition für den Konzern erweisen wird.

hej/dpa-AFX
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