Gestopptes Joint Venture in Bolivien Deutsches Lithium-Unternehmen ruft Altmaier zu Hilfe

Für Elektroautos ist Lithium extrem wichtig - in Bolivien sollte ein deutsches Unternehmen erstmals Zugang zu dem Rohstoff bekommen. Doch das Projekt wurde gestoppt. Nun fordert der Firmenchef Unterstützung von der Politik.

Das deutsche Unternehmen ACI Systems Alemania (ACISA) will das von Boliviens Regierung angekündigte Ende des Gemeinschaftsprojekts zur Lithium-Gewinnung nicht hinnehmen. "Wir geben dieses Projekt nicht einfach auf", sagte ACISA-Chef Wolfgang Schmutz dem SPIEGEL. "Jetzt werden Lösungen gesucht und gefunden. Dazu brauchen wir auch die Unterstützung der Politik."

Hilfe erhofft sich Schmutz vor allem von Peter Altmaier. Der Bundeswirtschaftsminister hatte sich immer wieder eingesetzt für das Projekt des baden-württembergischen Mittelständlers mit dem bolivianischen Staatskonzern Yacimientos de Litio Bolivianos (YLB).

Das Joint Venture, an dem die ACISA 49 Prozent hält, sollte erstmals einem deutschen Unternehmen den direkten Zugriff auf Lithium ermöglichen - und die Versorgung der deutschen Wirtschaft mit dem Rohstoff sichern. Lithium ist ein unentbehrlicher Bestandteil von Akkus und Batteriezellen für Elektrofahrzeuge.

Vertragsunterzeichnung 2018 mit ACISA-Chef Schmutz (u.l.) und Wirtschaftsminister Altmaier (oben, 2.v.r.)

Vertragsunterzeichnung 2018 mit ACISA-Chef Schmutz (u.l.) und Wirtschaftsminister Altmaier (oben, 2.v.r.)

Foto: Gregor Fischer/ DPA

Am Sonntag hatte Boliviens Staatspräsident Evo Morales per Dekret erklärt, das erst im Oktober 2019 gegründete Joint Venture zu annullieren. Zuvor hatten sich nahe der geplanten Förderstätte am Salzsee von Uyuni die Streiks und Proteste gegen das Projekt gehäuft; auch Boliviens Opposition hatte sich dagegen positioniert. Die Kritiker warnten vor Umweltschäden, prangerten die ihnen zufolge viel zu niedrigen Lizenzabgaben durch das Unternehmen an und forderten teilweise auch, das Joint Venture aufzulösen. Morales, der das Projekt lange unterstützte, geriet im Präsidentschaftswahlkampf unter Druck.

"Wir wollen nicht vor Gericht"

Seine Kehrtwende hat die Deutschen kalt erwischt. "Ich habe am Montagmorgen um halb sieben in meinem Badezimmer in den Radionachrichten gehört, dass das Projekt gestoppt werden soll. Da dachte ich zuerst, ich höre nicht recht", sagte Schmutz dem SPIEGEL. "Bis jetzt haben wir keine offizielle Stellungnahme gekriegt. Niemand von der bolivianischen Regierung hat sich bei mir gemeldet", sagte Schmutz am Dienstag. Nun bittet er seine Partner von YLB um Aufklärung.

Arbeiter in Bolivien mit Lithiumcarbonat

Arbeiter in Bolivien mit Lithiumcarbonat

Foto: Pablo COZZAGLIO / AFP

"Wir haben Verträge und rechtsverbindliche Vereinbarungen", sagte der Manager. "Aber wir wollen nicht vor Gericht, sondern lieber einvernehmliche, konstruktive Lösungen finden, die allen helfen - vor allem den Menschen vor Ort." So sei die Einrichtung einer Stiftung denkbar, die vom Joint Venture finanziert werde und lokale Institutionen wie Kindergärten oder Schulen mitfinanzieren könnte.

Schmutz sagte, er werde die Bundesregierung und die Stuttgarter Landesregierung um Hilfe bitten. "Wir sind in eine schwierige Situation gekommen. Es ist wichtig, dass die Politiker, die uns damals unterstützt haben, jetzt nicht abtauchen, sondern für uns weiter eintreten." Das sei auch in ihrem eigenen Interesse: "Elektromobilität und Energiewende sind Riesenthemen in der deutschen Wirtschaft. Der Rohstoff Lithium ist die existenzielle Grundlage dafür."

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