Boni trotz Verlusten SPD schimpft über "goldene Nasen" bei der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank schreibt rote Zahlen, Mitarbeiter kassieren dennoch hohe Zusatzzahlungen. SPD-Politiker kritisieren dieses Vorgehen scharf - und wollen bei den GroKo-Verhandlungen darauf reagieren.
Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt am Main

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt am Main

Foto: Arne Dedert/ dpa

Für 2017 wird die Deutsche Bank wohl den dritten Jahresverlust in Folge verkünden. Mitarbeiter und Manager des Kreditinstituts dürfen laut Berichten dennoch mit Boni von mehr als einer Milliarde Euro rechnen. Das sorgt bei Politikern für Empörung. "Überall schließen Bankfilialen, Kunden verlieren ihre Berater, Berater ihre Jobs. Wenn in dieser Situation Boni in Höhe von einer Milliarde Euro ausgeschüttet werden, dann verliert ein Unternehmen nicht nur an Ansehen. Das schadet insgesamt unserer Solidargemeinschaft", sagte SPD-Chef Martin Schulz der "Bild"-Zeitung.

Der stellvertretende SPD-Vorsitzende, Thorsten Schäfer-Gümbel, sagte der Zeitung, Millionen-Boni trotz Verlusten widersprächen jeglichem Gerechtigkeitsempfinden. "Einerseits Arbeitsplatzabbau, andererseits goldene Nasen in der Führungsetage - das kann man niemandem erklären", kritisierte er. Die SPD wolle deshalb in den Koalitionsverhandlungen mit der Union die steuerliche Absetzbarkeit von Bonuszahlungen begrenzen.

Auch der CDU-Sozialexperte Matthias Zimmer sieht angesichts der schwierigen Lage der Bank die Bonuszahlungen kritisch. Diese seien "eine eigenwillige Interpretation des Grundsatzes, dass sich Leistung lohnen soll", sagte Zimmer. "Man kann die Legitimität einer Wirtschaftsordnung durch solche Praktiken gefährden."

Nach zwei Milliardenverlusten in Folge hat die Deutsche Bank   laut vorläufigen Ergebnissen auch 2017 rote Zahlen geschrieben. Deutschlands größtes Kreditinstitut wird derzeit unter der Führung von John Cryan umgebaut. Die beiden stellvertretenden Vorstandschefs der Bank hatten Bonuszahlungen trotz schlechter Zahlen erst kürzlich verteidigt. Ihr Argument: Nur so könne das Institut gute Leute halten.

mmq/dpa-AFX
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