Gehaltsspirale Bonus-Obergrenze treibt Löhne von Londons Bankern

Die EU will Gehalts-Exzesse in Banken stoppen - in Großbritannien klappt das kaum: Laut einer Umfrage haben dort zwei Drittel der Finanzdienstleister die Löhne massiv erhöht, um die anstehende Deckelung von Bonuszahlungen zu kompensieren.
Bankentürme in London: Gehaltsspirale durch Boni-Deckel

Bankentürme in London: Gehaltsspirale durch Boni-Deckel

Foto: Andy Rain/ picture alliance / dpa

London - Die Gehaltserhöhungen sind kräftig. Um 20 Prozent sind die Löhne in vielen Londoner Banken im Schnitt erhöht worden - rechtzeitig bevor die Bonusobergrenze in der Europäischen Union in Kraft tritt. Das ergibt eine Umfrage unter den größten Finanzdienstleistern. Bei zwei Dritteln der Institute wurden demnach die Löhne erhöht.

Die Banken fürchteten, dass ihnen ausländische Konkurrenten sonst Mitarbeiter abspenstig machten, gaben 93 Prozent der befragten Unternehmen in der am Montag veröffentlichten Umfrage von Robert Half Financial Services an. Das Unternehmen ist Spezialist für die Vermittlung von Fach- und Führungskräften im Finanzsektor.

Zugleich zeigten sich die Banken besorgt, dass die steigenden Fixgehälter zu einer ungesunden Struktur der Personalkosten führen könnten, hieß es weiter. Experten stimmen dem zu: Sie warnen, dass die Banken mit höheren Fixgehältern weniger flexibel reagieren könnten, wenn sie in schlechten Zeiten weniger verdienten.

Ab 2014 dürfen Banker, die mehr als 500.000 Euro im Jahr verdienen, erfolgsabhängige Zahlungen nur noch in Höhe ihres Grundgehalts bekommen. Mit Zustimmung der Aktionäre können sie ihr Grundgehalt mit den Sonderzahlungen verdreifachen.

Grund für den Deckel waren die exzessiven Boni, die einigen Investmentbankern in guten Jahren hohe zweistellige Millionengehälter bescherten. Die hohen Boni gelten als ein Auslöser der Finanzkrise - da durch sie kurzfristiges Streben nach Gewinnen belohnt wird. Die kann dazu führen, dass Banken zu hohe Risiken eingehen, was das Finanzsystem destabilisiert.

ssu/Reuters
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