Bosch über deutsche Mangelwirtschaft E-Bike-Hersteller könnten noch lange unter Lieferengpässen leiden

Die Fahrrad- und E-Bike-Branche wird durch den anhaltenden Materialmangel gelähmt. Selbst einfache mechanische Teile wie Rahmen, Gabel oder Bremsen sind laut Bosch knapp. Ein Ende der Engpässe sei nicht absehbar.
E-Bikes: »Die Fahrradhersteller kämpfen um jedes Rad, das sie bauen können«

E-Bikes: »Die Fahrradhersteller kämpfen um jedes Rad, das sie bauen können«

Foto:

Sebastian Gollnow / dpa

E-Bike und Fahrrad gelten als wichtige Bausteine klimafreundlicher Mobilität – doch wer ein neues kaufen oder sein altes reparieren lassen will, hat derzeit mitunter das Nachsehen. Diese Lage könnte nach Ansicht des Geschäftsleiters von Bosch eBike Systems, Claus Fleischer, noch länger anhalten. Denn die boomende Fahrradbranche drohe auf absehbare Zeit weiter durch Lieferengpässe ausgebremst zu werden.

Der Verband des Deutschen Zweiradhandels beklagte ebenfalls Lieferprobleme. Manche Räder könnten erst mit monatelanger Verspätung ausgeliefert werden. Fleischer sagte der Nachrichtenagentur dpa vor der an diesem Mittwoch in Friedrichshafen beginnenden Fahrradmesse Eurobike: »Wir sehen im Moment vor allem eine Verknappung von mechanischen Komponenten: Rahmen, Gabel und Bremsen. Die Fahrradhersteller kämpfen um jedes Rad, das sie bauen können, weil immer wieder Komponenten fehlen.« Wegen der Coronapandemie sei es zu großen Ausfällen bei Lieferanten aus Asien gekommen.

Komplexe Produktion

Knapp seien allerdings auch die elektronischen Bauteile, auf die Bosch angewiesen ist. Das liege aber nicht nur an Engpässen bei den Lieferanten, sondern auch am gestiegenen Bedarf. »In jedem Auto werden immer mehr Steuergeräte verbaut, mehr Kameras für die Fahrerassistenzsysteme und zur Vorbereitung auf das autonome Fahren. In jedem Handy stecken mittlerweile drei Kameras. Früher war es eine.«

Die Nachfrage nach sogenannten Mikrocontrollern – das sind Halbleiterchips, die einen Prozessor und auch Peripheriefunktionen enthalten – sei viel höher als noch vor drei, vier Jahren, sagte Fleischer. »Die Produktion kommt nicht hinterher, weil der Aufbau einer Waferfabrik und der nachgeschalteten Prozesse eine lange Zeit in Anspruch nimmt, bis die Produktion so weit ist.«

Nicht nur die Industrie, sondern auch viele Handwerker beklagen seit Monaten, dass dringend benötigte Rohstoffe und Vorprodukte fehlen oder verzögert geliefert werden: Chips für Auto-Bordcomputer genauso wie Dämmstoffe für Baustellen oder Holz für Möbel. Die Knappheit bremst Experten zufolge bereits die Erholung der deutschen Wirtschaft nach der Coronapandemie – und könnte auch das private Konsumverhalten nachhaltig ändern.

In der Fahrradindustrie habe Bosch Kunden trotz der Umstände beliefern können, sagte Fischer. Wegen der Knappheit an Bauteilen könne man aber derzeit keine Aufrüstungssets für das System Nyon an den Fachhandel liefern, weil die Belieferung der Hersteller Vorrang habe.

Bosch produziert selbst keine Fahrräder, ist mit seinen Komponenten für E-Bikes aber der führende europäische Systemhersteller für Pedelecs. Knapp 100 Fahrradmarken weltweit bedienen sich aus dem Bosch-System: Dazu gehören neben dem elektrischen Motor auch die Steuerungselektronik, Displays und Apps.

apr/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.