Abgasskandal Bosch rückt ins Zentrum der Dieselaffäre

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart prüft nach SPIEGEL-Informationen, ihre Ermittlungen im Fall Bosch auszuweiten. Womöglich war der Zulieferer stärker in den Abgasskandal verwickelt als bislang bekannt.
Bosch-Zentrale in Stuttgart

Bosch-Zentrale in Stuttgart

Foto: Marijan Murat/ picture alliance / dpa

Die Staatsanwaltschaft in Stuttgart hegt den Verdacht, dass der Zulieferer Bosch auch die Autohersteller Fiat, Ford, General Motors und Hyundai mit illegaler Motorsteuersoftware ausgestattet haben könnte. Nach SPIEGEL-Informationen prüft die Behörde entsprechende Hinweise in einem Vorermittlungsverfahren.

Bislang führt die Staatsanwaltschaft bereits vier Ermittlungsverfahren gegen den Stuttgarter Zulieferer: Es besteht der Verdacht, dass Bosch den Autoherstellern Volkswagen, Audi, Daimler und Chrysler Beihilfe zum Betrug geleistet hat. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Darüber hinaus liegen dem SPIEGEL Informationen vor, wonach Bosch womöglich deutlich tiefer in die Abgasaffäre verstrickt ist als bislang bekannt. Internen Protokollen und E-Mails aus den Jahren 2006 und 2007 zufolge haben Techniker von Bosch sich mit deutschen Autoherstellern wie VW, Daimler und BMW minutiös über mögliche Manipulationsfunktionen in der Steuerungssoftware ausgetauscht und abgestimmt. Konkret ging es darum, wie sich die Menge des eingespritzten Harnstoffgemischs AdBlue unbemerkt von den Behörden reduzieren ließ. Die Autos sollten so präpariert werden, dass sie die niedrigen Grenzwerte auf dem Prüfstand einhielten, nicht zwingend auch auf der Straße.

Im Graubereich

Als US-Behörden 2006 die Anforderungen für Dieselfahrzeuge verschärften, erkannten die Autohersteller demnach, dass sie ohne teure Eingriffe in die Produktion ihr Versprechen nicht einhalten konnten, die Abgase mithilfe von AdBlue gesetzeskonform zu reinigen. So ersannen die Techniker von Bosch gemeinsam mit den Autoherstellern Tricks, wie sie die Menge des eingespritzten AdBlue reduzieren konnten - möglichst unbemerkt von den Behörden.

Aufgabe der Bosch-Ingenieure war es, solche Funktionen in die Software einzuarbeiten. Auch Spuren sollten die Bosch-Ingenieure offenbar beseitigen. Die internen E-Mails zeigen: Allen Beteiligten war offenbar klar, dass sie zumindest in Graubereichen arbeiteten. Im Januar 2007 hielt ein Autohersteller beispielsweise in einem Protokoll fest: Während der AdBlue-Dosierung werde aktuell die Diagnoseeinheit ausgeschaltet. Dies könne aber nicht den Behörden vermittelt werden.

Bosch erklärt zu den Vorwürfen, man äußere sich grundsätzlich nicht zu den Details strafrechtlicher Ermittlungsverfahren und Zivilgerichtsverfahren. Das Unternehmen unterstütze die laufenden Ermittlungen und kooperiere "uneingeschränkt und vollumfänglich" mit den zuständigen Behörden. BMW hat eine Manipulation stets bestritten. VW und Daimler wollen die Informationen wegen der Ermittlungen nicht kommentieren. Die von einer möglichen Ausweitung der staatsanwaltlichen Ermittlungen betroffenen Autohersteller Fiat Chrysler und Ford bestreiten, eine illegale Motorsteuersoftware eingesetzt zu haben. Hyundai und General Motors äußerten sich nicht.