Autozulieferer Bosch will wegen der Dieselkrise weitere Stellen abbauen

Die Nachfrage nach Diesel-Autos sinkt. Das wird beim Autozulieferer Bosch in diesem Jahr zu einem weiteren Stellenabbau führen. Das Unternehmen investiert zugleich kräftig in den Klimaschutz - und will schon 2020 klimaneutral produzieren.

Bosch-Forschungszentrum in Renningen
Sebastian Gollnow/dpa

Bosch-Forschungszentrum in Renningen


Wer von sich sagen kann, er schaffe "beim Daimler" oder "beim Bosch", dem wurde in Schwaben lange die höchste gesellschaftliche Anerkennung zuteil. Durch den Dieselskandal hat dieser Status Kratzer bekommen. Beim Automobilzulieferer Bosch sind dadurch sogar weiterhin Arbeitsplätze bedroht. "Es wird auch dieses Jahr zu Anpassungen kommen", sagte Bosch-Chef Volkmar Denner bei der Jahrespressekonferenz in Renningen bei Stuttgart.

Erst im März waren Tausende Beschäftigte gegen weiteren Stellenabbau bei Bosch auf die Straße gegangen. Im vergangenen Jahr waren in Deutschland bei Bosch etwa 600 Stellen durch Altersteilzeit oder das Auslaufen befristeter Verträge abgebaut worden. Unterdessen bemüht sich der Stiftungskonzern um Alternativen für die drei großen Dieselstandorte in Homburg/Saar, Stuttgart und Bamberg - zum Beispiel durch neue Produkte wie Brennstoffzellen.

"Unser Ziel ist, die Anpassung sozialverträglich durchzuführen", sagte Denner. Man versuche, ohne betriebsbedingte Kündigungen auszukommen. Beim weltgrößten Autozulieferer arbeiten insgesamt rund 50.000 Mitarbeiter in der Dieselsparte, in Deutschland etwa 15.000. Weltweit hat Bosch insgesamt 410.000 Mitarbeiter.

Die Nachfrage nach Diesel-Pkw ist rückläufig. Nachdem es zu Jahresbeginn eine Stabilisierung gegeben hatte, sinkt der Anteil laut Denner weiter. Der Selbstzünder wird angesichts von Diesel-Fahrverboten in Städten zur Luftreinhaltung immer unbeliebter.

Zwei Drittel der Umsätze mit Fahrzeugtechnik

Unterdessen investiert Bosch trotz schwächelnder Konjunktur im Autogeschäft zwei Milliarden Euro in den Klimaschutz: Der Konzern will schon 2020 an allen Standorten weltweit CO2-neutral arbeiten - und damit zehn Jahre früher als geplant.

"Jahr für Jahr werden wir also unseren Verbrauch bis 2030 um ein bis zwei Prozent senken", sagte Denner. Jährlich müssten 3,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Ausstoß des Industriekonzerns an mehr als 400 Standorten neutralisiert werden. Was nicht eingespart werden könne, solle über Zahlungen an Umweltprojekte kompensiert werden. Langfristig sollen durch die Maßnahmen bis 2030 auch eine Milliarde Euro jährlich eingespart werden.

Volkmar Denner bei der Pressekonferenz
RONALD WITTEK/EPA-EFE/REX

Volkmar Denner bei der Pressekonferenz

Im vergangenen Jahr hat Bosch seinen Umsatz auf 78,5 Milliarden Euro erhöht und rechnet auch für dieses Jahr mit einem leichten Plus. Nach Steuern verdiente der Konzern 2018 etwa 3,6 Milliarden Euro - nach 3,3 Milliarden Euro im Vorjahr. Bosch erwirtschaftet fast zwei Drittel seiner Umsätze mit Fahrzeugtechnik, den Diesel-Anteil daran weist Bosch nicht gesondert aus.

Im Skandal um manipulierte Diesel bei Volkswagen spielt Bosch eine bedeutende Rolle. Das Unternehmen hatte Komponenten für VW-Diesel geliefert und ist deshalb in zahlreiche Rechtsstreitigkeiten verwickelt.

In den USA hatte Bosch Klagen mit millionenschweren Vergleichen beigelegt, in Deutschland ermittelt die Staatsanwaltschaft noch. 1,2 Milliarden Euro hat das Unternehmen bislang für Rechtsrisiken zurückgelegt - der überwiegende Teil ist für Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit dem Dieselskandal gedacht.

apr/dpa/Reuters



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