Unternehmer besucht Brasilien Bolsonaro lobt Musks Twitter-Übernahme als »Hauch von Hoffnung«

Erst spricht sich Elon Musk für die US-Republikaner aus, nun reist er zum Rechtspopulisten Jair Bolsonaro. Der freut sich über den Besuch des Tech-Unternehmers – nicht nur, weil dieser Internet für den Amazonas plant.
Jair Bolsonaro am Rande des Besuchs von Tech-Unternehmer Elon Musk in Porto Feliz nahe São Paulo

Jair Bolsonaro am Rande des Besuchs von Tech-Unternehmer Elon Musk in Porto Feliz nahe São Paulo

Foto: FILIPE ARAUJO / AFP

In einem Luxushotel in Porto Feliz nahe São Paulo hat sich der US-Milliardär Elon Musk am Vormittag mit Jair Bolsonaro getroffen. Der rechtspopulistische Präsident Brasiliens bezeichnete die geplante Übernahme von Twitter  durch Musk als »Hauch von Hoffnung«. Der Politiker nutzt das Medium selbst intensiv, um seine Botschaften zu verbreiten.

Er hoffe, dass der US-Milliardär dazu beitragen werde, die »Lügen« über seine weithin kritisierte Amazonaspolitik zu beenden, sagte Bolsonaro, der kritisierte, dass die großen Social-Media-Plattformen inzwischen konsequenter gegen Beiträge vorgehen, die Desinformation sind. So hatte Facebook etwa bereits einen Kommentar von Bolsonaro selbst gelöscht, in dem dieser 2021 fälschlicherweise behauptet hatte, Menschen in Großbritannien, die vollständig gegen Covid-19 geimpft sind, seien anfällig für AIDS.

Tesla-Chef Musk wiederum hatte sich in den vergangenen Tagen als Hüter der Freiheit inszeniert und auf Twitter geschworen, das Recht auf freie Meinungsäußerung zu verteidigen. Dafür gab es nun Lob von Bolsonaro. Musk sei eine »Legende der Freiheit«, sagte er. Er postete auch gleich ein Bild der beiden auf Twitter. Inhaltlich sei es etwa um Investitionen, Innovation und den Einsatz von Technologie insbesondere im Amazonasgebiet gegangen.

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Bolsonaro wird indes weltweit für sein Eintreten für mehr Bergbau und Landwirtschaft im Amazonasgebiet kritisiert. Jüngste Satellitendaten zeigen, dass die oft illegale Abholzung unter anderem durch Farmer im brasilianischen Amazonasgebiet in seiner Amtszeit auf ein 15-Jahres-Hoch angestiegen ist. Umweltschützer kritisieren, dass Bolsonaro dies zulasse.

Satellitentechnologie für den Amazonas

Beim Treffen mit Musk in dem Hotel scheinen die Vorwürfe weit weg gewesen zu sein. »Für uns hier war es wie ein Hauch von Hoffnung«, sagte Bolsonaro. Mit dem Tech-Unternehmer, der geschäftlich zuletzt vor allem durch sein Raketenprogramm SpaceX auffiel, sprachen brasilianische Regierungsvertreter über die Nutzung des Starlink-Satellitennetzes im Amazonasgebiet. Das Ziel: Internet in ländliche Schulen zu bringen und den Regenwald besser überwachen zu können.

»Da wir das Amazonasgebiet anbinden werden, haben wir einen der größten Unternehmer der Welt hierher gebracht, um uns bei dieser Mission zu helfen«, teilte der brasilianische Kommunikationsminister Fábio Faria zu Musks Besuch mit. An der Veranstaltung nahmen auch Wirtschaftsführer wie der Vorstandsvorsitzende von Telecom Italia, Pietro Labriola, und der Vorsitzende der Banco BTG Pactual, André Esteves, teil.

Musk twitterte zu dem Besuch: »Ich freue mich sehr, in Brasilien zu sein, um Starlink für 19.000 nicht verbundene Schulen in ländlichen Gebieten und die Umweltüberwachung des Amazonas in Gang zu bringen.« Sein SpaceX-Unternehmen verfügt mittlerweile über zahlreiche Starlink-Satelliten im Weltraum, die abgelegene Regionen mit schnellem Internet versorgen können.

Welche Verbesserungen es durch das Starlink-System genau geben soll, ist bislang jedoch unklar. Auch die brasilianische Weltraumbehörde INPE überwacht den Amazonas bereits aus dem All. Für Bolsonaro dürfte der Besuch auch weltpolitisch bedeutsam gewesen sein. Schließlich ist er zuletzt besonders wegen seiner wohlwollenden Haltung gegenüber dem russischen Präsidenten Wladmir Putin international zunehmend isoliert.

Nachdem er mit Donald Trump einen Verbündeten im Weißen Haus verloren hat, spricht Bolsonaro nun mit Musk, der zuletzt ebenfalls Sympathien für die Republikanische Partei hatte erkennen lassen. Mit Joe Biden hat der brasilianische Präsident dagegen auch knapp eineinhalb Jahre nach Übernahme der Amtsgeschäfte des neuen US-Präsidenten noch nicht gesprochen.

apr/Reuters