Ölleck Brasilien klagt erneut gegen Ölkonzern Chevron

Die brasilianische Staatsanwaltschaft knöpft sich erneut die Ölkonzerne Chevron und Transocean vor: Wegen eines zweiten Öllecks vor der Küste verklagt das Land die Unternehmen erneut und verdoppelt den Umfang der ersten Klage auf insgesamt rund 22 Milliarden Dollar.

Ankläger Eduardo Santos de Oliveira: 22 Milliarden Dollar Schadenersatz
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Ankläger Eduardo Santos de Oliveira: 22 Milliarden Dollar Schadenersatz


Rio de Janeiro - Chevron und Transocean bekommen es schon wieder mit der brasilianischen Staatsanwaltschaft zu tun: Nachdem Anfang März ein neues Ölleck auf dem Chevron-Feld Frade vor der brasilianischen Küste entdeckt wurde, reichte der Staatsanwalt Eduardo Santos de Oliveira erneut Klage gegen den Ölkonzern und das Bohrunternehmen Transocean ein - insgesamt fordert Brasilien jetzt fast 22 Milliarden Dollar.

Die neue Klage soll laut Mitteilung der Staatsanwaltschaft Chevron und Transocean auch daran hindern, weiter in Brasilien tätig zu sein und Gewinne ins Ausland zu transferieren. Das zweite Leck ist nach Ansicht von Staatsanwalt Santos de Oliveira mindestens so groß, wie das erste, das im November entdeckt wurde. Deshalb sei die Klagesumme auch ähnlich hoch. Der Staatsanwalt bezeichnete das Ölleck als eine der schlimmsten ökologischen Katastrophen aller Zeiten in Brasilien.

Politiker warnen vor zu hohen Forderungen

Chevron widerspricht dem vehement: Im November seien weniger als 0,1 Prozent der Menge ausgetreten, die bei der Deepwater-Horizon-Katastrophe im Golf von Mexiko freigesetzt wurde. Im März seien es sogar nur etwa zwei Fässer Öl gewesen, also rund 320 Liter. Anders als im Golf von Mexiko, sei kein Chevron-Öl auch nur in die Nähe der Küste gekommen. Zudem sei die Forderung von mehr als zwanzig Milliarden Dollar willkürlich und entbehre jeder rechtlichen Grundlage.

Tatsächlich hat die Höhe der Forderungen auch die Aufmerksamkeit von regierungsnahen Politikern erregt. So kritisierte der wichtigste Umweltschützer des Landes, Jorge Viana, die Schadenersatzforderungen seien "unverantwortlich". Würden diese Maßstäbe an alle Unternehmen, die im Land arbeiten, angelegt, müsste die brasilianische Öl-Industrie dichtmachen.

Die Branche erwirtschaftet einen Umsatz von mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts des Landes, der weltweit sechstgrößten Volkswirtschaft. Chevron ist nach Marktwert der zweitgrößte US-Ölkonzern.

nck/Reuters



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edmond_d._berggraf-christ 04.04.2012
1. Das Ende des Ölzeitalters naht: Aus dem Boden wird der Rest gequetscht
Die jüngsten Meldungen von wundersamen Öl- und Gasfunden lassen einen doch etwas stutzig werden, besonders wenn man sich die neuen Fördertechniken so ansieht; so hat man nun die Unsitte aufgebracht Schiefergestein mit Sand, Wasser und dubiosen Chemikalien aufzubrechen, damit das darin enthaltene ungewöhnliche Öl und Gas gefördert werden kann und in Kanada beginnt man damit Wälder und Tundra in eine lebensfeindliche Öllandschaft zu verwandeln, um das schwarze Gold zu fördern. Vorher waren solche Fördermethoden unrentabel, aber der hohe Preis hat dies nun geändert, wenn auch zu befürchten ist, daß der Preis, den man für diese kurzfristige Erhöhung der Ölförderung zu bezahlen hat, sehr viel höher sein wird als der Gewinn. In absehbarer Zeit dürfte also das Autofahren und Fliegen für jedermann ein jähes Ende finden, da es die Luftfahrt- und Autoindustrie wohl versäumt hat sich rechtzeitig eine Ausweichenergiequelle zu verschaffen und ihre Kundschaft nun bald auf dem trockenen sitzen wird.
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