Brexit-Folge Bank of America verlegt Europasitz nach Dublin

Frankfurt, Dublin oder Paris: Wer mausert sich mit dem EU-Austritt Großbritanniens zur neuen Bankenmetropole innerhalb der Union? Die Bank of America hat sich entschieden.
Bank of America-Logo (Archiv)

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Foto: STEPHANIE KEITH/ REUTERS

Die US-Großbank Bank of America   verlegt wegen des britischen EU-Austritts ihren Europasitz von London nach Dublin. Das teilte Bankchef Brian Moynihan mit. In der irischen Hauptstadt hat das Geldhaus bereits eine Niederlassung mit 700 Mitarbeitern. Wie viele Mitarbeiter von London nach Dublin wechseln, sagte Moynihan nicht - in Unternehmenskreisen ist aber nur von einer "kleinen Zahl" die Rede. Die Bank of America beschäftigt in London etwa 4500 Menschen.

Wegen des Brexits sucht eine Reihe von Finanzinstituten nach alternativen Standorten, um weiter problemlos Geschäfte in der Europäischen Union abwickeln zu können. Als Favorit hatte sich zuletzt Frankfurt am Main abgezeichnet - unter anderem wollen die US-Banken Morgan Stanley und Citigroup sowie das japanische Geldinstitut Nomura ihre Präsenz am Main ausbauen.

Auch die Deutsche Bank   plant die Verlagerung von Jobs von London an ihren Sitz in Frankfurt, wie der Vorstandsvorsitzende John Cryan der Belegschaft in einer Videobotschaft mitgeteilt hatte. Cryan äußerte sich nicht zum Umfang des Personalumzugs, laut "Frankfurter Allgemeiner Zeitung" ist in dem Unternehmen von bis zu 4000 Stellen die Rede. Die britische Großbank HSBC   will dagegen rund tausend Jobs nach Paris verlagern, während Barclays   voraussichtlich in die irische Hauptstadt Dublin ausweichen wird.

Großbritannien will Ende März 2019 aus der EU austreten. In London tätige Banken brauchen danach eine Gesellschaft mit EU-Banklizenz, wenn sie weiter Produkte und Dienstleistungen in den verbleibenden 27 Mitgliedstaaten der Union anbieten wollen. Viele Geldhäuser prüfen deshalb die Verlagerung von Geschäften. Es kann bis zu 18 Monate dauern, um die nötigen Banklizenzen zu erhalten. Außerdem müssen Büros angemietet und Beschäftigte versetzt werden.

Deutsche-Bank-Chef Cryan hatte gesagt, dass die genauen Auswirkungen des Brexits noch nicht abzusehen seien. Um mögliche Störungen abzufedern, werde die Deutsche Bank, die in London mit 9000 Mitarbeitern derzeit rund ein Zehntel ihrer Belegschaft beschäftigt, für eine Übergangszeit Doppelstrukturen unterhalten. Einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY zufolge hatten bereits bis Ende Juni 59 der 222 größten Finanzunternehmen mit bedeutsamen Geschäftsaktivitäten in Großbritannien angekündigt, Personal und Geschäftsbereiche ins Ausland zu verlagern.

apr/AFP/AP/Reuters
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