Brexit-Abstimmung May-Drama lässt die Börsen kalt - vorerst

Die Abstimmung im britischen Unterhaus war dramatisch, die Erschütterung der Finanzmärkte hält sich allerdings in Grenzen. Im Gegenteil: Investmentbanker halten nun sogar einen glimpflichen Brexit-Ausgang für möglich.

London (Archiv)
REUTERS

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Die harsche Ablehnung des Austrittsabkommens mit der EU durch das britische Parlament hat die Finanzmärkte zur Wochenmitte erst einmal kalt gelassen. "Die Märkte bleiben ruhig. Es hat den Anschein, als seien Händler und Investoren gut vorbereitet gewesen", sagte Chefstratege Michael McCarthy vom Broker CMC Markets. Der Broker IG taxierte den Dax knapp zwei Stunden vor Handelsstart 0,15 Prozent höher auf 10.908 Punkte. Der britische Leitindex FTSE 100 veränderte sich kaum.

Auch an der Börse in Tokio blieb es - trotz der Turbulenzen im britischen Parlament - bemerkenswert ruhig. Der Leitindex Nikkei verlor bis Mittag zwar knapp ein Prozent, allerdings hatte das offenbar mehr mit Gewinnmitnahmen zu tun, als mit Theresa Mays krachender Niederlage.

An der Wall Street hatten die großen Börsenindizes am Vorabend mit Gewinnen geschlossen. Der Preis für das als Krisenanlage beliebte Gold stieg lediglich leicht. Grund für die verhaltene Reaktion sind offenbar bei Ökonomen verbreitete Einschätzungen, mit Mays klarer Niederlage steige die Wahrscheinlichkeit für einen insgesamt deutlich "softeren" Brexit.

Stellvertretend äußerte diese Meinung Adrian Paul, Europa-Ökonom der Investmentbank Goldman Sachs: "Wir denken, die Aussicht auf einen ungeordneten 'No-Deal'-Brexit verblasst weiter."

Größere Schwankungen gab es vor und nach der Abstimmung vor allem beim britischen Pfund. Mittlerweile hat sich die Lage aber auch hier beruhigt. Die britische Währung notiert zum US-Dollar in etwa wieder auf dem Stand von vor dem Brexit-Votum. "Das zeigt, wie unsicher der Austrittsprozess bleibt und wie wenig mit der gestrigen Entscheidung erreicht worden ist", sagte Analyst Craig Erlam vom Broker Oanda.

beb/dpa/Reuters



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