Britische Autobauer "Unsere globale Wettbewerbsfähigkeit ist bedroht"

Die Brexit-Unsicherheit und eine sinkende Nachfrage im Inland belasten die britische Autoindustrie, die Produktion sinkt stetig. Nun fordert der Verband Zusicherungen für die Zeit nach dem Ausstieg.

Nissan-Arbeiter in Sunderland: Produktion in 16 von 17 Monaten gesunken
REUTERS

Nissan-Arbeiter in Sunderland: Produktion in 16 von 17 Monaten gesunken


Sinkende Produktionszahlen, schwindendes Vertrauen im Inland, nahender Brexit: Die britische Autoindustrie sorgt sich um ihre Zukunft und schlägt Alarm. "Unsere globale Wettbewerbsfähigkeit ist bedroht", sagte der Chef des Autoverbands SMMT, Mike Hawes. Er forderte für Großbritannien auch nach dem Brexit eine enge Handelsbeziehung mit der EU. Die künftige Regierung müsse "reibungslosen Handel, frei von Zöllen, regulatorischen Angleichungen und ununterbrochenen Zugang zu Talenten" gewährleisten.

Großbritannien wählt am 12. Dezember ein neues Parlament. Der konservative Premierminister Boris Johnson hofft auf eine Mehrheit im Unterhaus, damit Großbritannien möglichst bald aus der EU austritt.

Die britische Autoproduktion ist auch wegen des Brexits in 16 der jüngsten 17 Monate gesunken. Im Oktober verzeichnete der Autoverband ein Minus von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Bereits knapp 15 Prozent Produktionsrückgang

Dabei schlugen dem SMMT zufolge vor allem das schwindende Vertrauen von Verbrauchern wie Unternehmen im Inland auf die Produktion durch. "Ein weiterer Monat mit rückläufiger Autoproduktion sorgt für äußerst beunruhigende Zeiten für die Branche", sagte Hawes. Für das Gesamtjahr liegt der Rückgang bisher sogar bei 14,4 Prozent.

Der Verband mahnt daher ein weitreichendes Freihandelsabkommen mit der EU und anderen Märkten nach dem Brexit an. Zölle würden die britische Autoproduktion mit zusätzlichen Kosten von 3,2 Milliarden Pfund, umgerechnet etwa 3,76 Milliarden Euro, pro Jahr belasten. Dadurch könnten bis 2024 insgesamt 1,5 Millionen Fahrzeuge im Wert von 42,7 Milliarden Pfund weniger gebaut werden.

Rund 80 Prozent der britischen Autoproduktion gehen in den Export, die mit Abstand meisten Autos landen in der EU. Mehrere Autobauer drohen bereits damit, ihre Produktion von Großbritannien in andere Teile der Welt zu verlegen. Der SMMT hatte im Juli mitgeteilt, dass Auslandsinvestitionen in die Branche "praktisch gestoppt wurden". Zwischen Januar und Juni sanken sie um 70 Prozent auf 90 Millionen Pfund.

kko/dpa

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Leser00815 01.12.2019
1. Die Lösung liegt auf der Hand
Keine Zölle, freier Zugang zu Talenten, enge Handelsbeziehungen zur EU - alles was sich die britische Autoindustrie wünscht, gibt es - in der EU. Die Lösung des Problems liegt also auf der Hand: der Wiedereintritt in die EU.
ex2012 01.12.2019
2. Äh... Nein! (Unverschämtheit)
Entweder man ist in der EU (dann hat man eine offene Grenze) oder man ist nicht in der EU (dann ist die Grenze halt nicht offen). Die Mehrheit der Briten hat u.a. deswegen für den Brexit gestimmt, weil sie geschlossene Grenzen haben wollte (keine Ausländer im Land aus Rassismus, Fremdenhass oder weil man auf den Populismus der Rassisten rein fiel). Nun ist die Konsequenz, dass die Briten ihre Grenzen auf eigenen Wunsch schließen. Blöde wenn man dann halt bemerkt, dass das für die Industrie schlecht ist. Aber auch hier gilt: Erst informieren und denken, dann wählen. Zu meinen, man käme damit durch, Rosinen zu picken, ist unverschämt. Für die britischen Autobauer gibt es eine einfache Lösung: Kommt in die EU. Viele EU-Staaten würden sich über Arbeitsplätze freuen. Vielen Briten sind diese ja offensichtlich ohnehin nicht wichtig.
ex2012 01.12.2019
3. 3,2 Milliarden, kein Problem, Boris zahlt die
Boris Johnson hat doch, als er für den Brexit warb, sinngemäß versprochen, täglich würden Milliarden Pfund durch die Briten an die EU überwiesen werden. Von diesen Milliarden kann man sicherlich locker 3,2 Milliarden der Autoindustrie geben. Einfach Boris fragen, der weiß da Rat.
robert.hammer 01.12.2019
4.
globale Wettbewerbsfähigkeit - die überschätzen sich etwas. Range Rover vielleicht, Jaguar und Rolls ist eher kein Massenprodukt mit dem man das BruttoInlandsProdukt aufpoliert sind z.T. eh in deutscher Hand.
robeuten 01.12.2019
5. Frage:
Was sind denn bitte sehr "Britische Autobauer"? Selbst Lotus ist schon lange nicht mehr britisch - Sie meinen wohl "in UK produzierende, global agierende Hersteller?
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