Handelskonflikte und Brexit-Angst Britische Autoproduktion bricht weiter ein

Der bevorstehende Brexit stürzt die britische Autobranche in eine heftige Krise. Die Produktion geht den 14. Monat in Folge zurück. Ein Industrievertreter spricht von "Gegenwind aus aller Welt".

Mini-Werk in Oxford: Rückgang sei "ernster Grund zur Sorge"
Geoff CADDICK / AFP

Mini-Werk in Oxford: Rückgang sei "ernster Grund zur Sorge"


Bis zum geplanten EU-Austritt Großbritanniens sind es nur noch gut zwei Monate hin. Diese hierüber herrschende Unsicherheit und die weltweiten Handelsspannungen belasten die Autoherstellung in Großbritannien weiterhin erheblich.

Im Juli sackte die Produktion im Vergleich zum Vormonat um elf Prozent ab. Dies war laut dem britischen Branchenverband SMMT (Society of Motor Manufacturers and Traders) der 14. Monat mit Rückgängen in Folge. Seit Jahresbeginn kommt die Branche mit knapp 775.000 produzierten Autos auf ein Minus von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

"Ein weiterer Monat mit Rückgängen für die britische Autoproduktion ist ein ernster Grund zur Sorge", wird Verbandschef Mike Hawes in der Mitteilung zitiert. Der Gegenwind sei stark, der der britischen Branche aus aller Welt entgegenschlage. "Die Handelsspannungen eskalieren, die Nachfrage schwächt sich weiter ab, und wir sehen große technologische Umwälzungen." Auch anstehende Modellwechsel bei einigen wichtigen Fabrikaten hätten die Zahlen einbrechen lassen.

"Wir brauchen schnell einen Brexit-Deal"

Der britische Autobau lebt zum größten Teil von den Exporten, acht von zehn produzierten Fahrzeuge bleiben nicht im Land. Im vergangenen Monat ging die Produktion für den Export um 14,6 Prozent zurück, seit Jahresbeginn sogar um gut ein Fünftel. Die Opel-Schwestermarke Vauxhall hat bereits mit Wegzug aus Großbritannien gedroht. Ford schloss diesen Schritt zuletzt ebenfalls nicht aus.

"Die weltweite Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, war noch nie so wichtig gewesen wie heute", sagte Hawes. "Deshalb brauchen wir - schnell - einen Brexit-Deal, um Investitionen anzukurbeln und den Sektor auch auf lange Sicht zu schützen."

In Großbritannien tobt derzeit ein Kampf zwischen Regierung und Opposition um den nun für den 31. Oktober festgesetzten Austritt aus der Europäischen Union (EU). Die Opposition will einen No-Deal-Brexit per Gesetz verhindern. Premierminister Boris Johnson erwirkte daraufhin eine Zwangspause des Parlaments. Dieser unerwartete Schritt löste einen Sturm der Empörung aus.

hej/apr/dpa



insgesamt 15 Beiträge
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HardiJ 29.08.2019
1. Die Queen hat ja politisch nichts zu sagen...
...dan müssen die Briten sich halt an BJ halten. So einfach ist das !
c.PAF 29.08.2019
2.
Wo sind die Brexiteers? Hier mal eine Schönrechnung für Euch: gemessen an der Gesamtproduktionszahl der Fahrzeuge seit Januar 19 ist der Anteil der Fahrzeuge, die in GB geblieben sind prozentual höher als im Vorjahr. Offensichtlich ist die Nachfrage gestiegen, da der Abrosia bringende Brexit immer näher kommt... Ja, man kann sich alles schönrechnen. Den Knall möchte ich (nicht) sehen, wenn der ungeregelte Brexit da ist. Bin gespannt, welche Firma am 01.11. als erstes erklärt, GB den Rücken kehren zu wollen.
k70-ingo 29.08.2019
3. Bevor hier wieder obskure Angaben herbeigerumpelt werden:
Ford wird nicht -wie kürzlich hier behauptet- die Nutzfahrzeugproduktion in GB konzentrieren. Weil es außer den (seit 2013 in der Türkei gebauten) Transportern Transit und Connect in Europa keine Ford Nutzfahrzeuge mehr gibt. In GB seit 1993 (Cargo), bzw. 1984 (Transcontinental), in Deutschland schon seit 1962 (FK 4500) nicht mehr. Traktoren werden von Ford seit 1993 nicht mehr gebaut. Ach ja, in GB fertigt Ford seit 2013 keine Fahrzeuge mehr, nur noch Motoren m Werk Bridgend in Wales - was mittelfristig geschlossen wird.
Supra Renin 29.08.2019
4. most car-making regions voted Leave
Offensichtlich haben die Autoarbeiter ja genau das herbeigesehnt. https://www.thisismoney.co.uk/money/cars/article-6682917/Almost-UK-car-making-region-voted-leave-Brexit-referendum.html?ito=email_share_article-masthead
chb_74 29.08.2019
5. Interessant...
Tritt jetzt etwa ein, was rational analysierende Menschen recht genau vorhergesagt hatten, was aber von verblendeten Brexiteers steif und fest, wider den Verstand, geleugnet wurde, zugunsten der Propaganda für das genaue Gegenteil? Entweder sind das die Ansichten von propagandistischen Manipulateuren oder von Menschen, die wirklich nicht verstehen, wie in der Industrie gearbeitet wird und was für Faktoren positive oder negative Einflüsse auf Produktion und nachfrage haben.
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