Verbandsstudie Britische Fischer fürchten Brexit-Kosten von 300 Millionen Pfund

Fischer gehörten zu den größten Unterstützern des Brexits. Mittlerweile erwarten sie laut einer Studie dreistellige Millionenverluste durch den EU-Austritt – falls die britische Regierung nicht höhere Fangquoten heraushandelt.
Fischer beim Protest gegen das Brexit-Abkommen im April 2018: empfindliche Einbußen

Fischer beim Protest gegen das Brexit-Abkommen im April 2018: empfindliche Einbußen

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Chris J Ratcliffe/ Getty Images

Der Brexit könnte britische Fischer einer Branchenstudie zufolge in den kommenden Jahren Einbußen von rund 300 Millionen Pfund (knapp 350 Millionen Euro) bescheren. Wenn die britische Regierung nicht in Verhandlungen mit internationalen Partnern mehr Rechte heraushandele, seien bis 2026 Verluste von 64 Millionen Pfund pro Jahr zu erwarten, teilte der Verbund der britischen Fischereiorganisationen (NFFO) mit. Dies stehe in starker Diskrepanz zur Ankündigung der Regierung, dass die Branche bis 2026 dank des Brexits 148 Millionen Pfund mehr einnehmen werde.

Fischerei war eines der emotionalsten Themen bei den Brexit-Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU. Bis zuletzt stritten beide Seiten um eine Quotenregelung, mit der EU-Fischer weiterhin in britischen Gewässern fischen könnten. Wegen des Versprechens, dass Großbritannien nach einem EU-Austritt die Kontrolle über seine Gewässer zurückerlangen werde, hatten viele Fischer für den Brexit geworben und gestimmt.

Ein Dreivierteljahr nach dem endgültigen Austritt aus der EU zeigte sich die Branche nun desillusioniert. »Die beste Gelegenheit seit einer Generation, die Fischereiindustrie des Vereinigten Königreichs wiederzubeleben und unsere Küstengemeinden zu unterstützen, wurde vertan«, sagte Barrie Deas, der Chef der NFFO.

Die Fischer kritisieren auch die Quotenregelung: Zwar habe Großbritannien auf dem Papier hier zugelegt, hieß es in der Studie. Allerdings handele es sich dabei vor allem um Fische, die aus verschiedenen Gründen gar nicht gefischt würden. Fehlende Abkommen mit Norwegen sowie den Färöer-Inseln und Grönland, die beide zu Dänemark gehören, hätten zudem die Fangmöglichkeiten für große Teile der britischen Flotte reduziert.

dab/mic/dpa