Lkw-Demo nahe der Downing Street Britische Fischer protestieren gegen Brexit-Bürokratie

Britische Fischer haben nahe dem Amtssitz des britischen Premiers gegen ausufernde Exportregularien protestiert. Sie fuhren mit mehr als 20 Lieferwagen und Protestparolen ins Regierungsviertel.
Lkw mit der Aufschrift eines wütenden Fischers: Keiner habe mit solch einer Bürokratie gerechnet

Lkw mit der Aufschrift eines wütenden Fischers: Keiner habe mit solch einer Bürokratie gerechnet

Foto: Alastair Grant / AP

Weil es nach Ende der Brexit-Übergangsfrist zu massiven Problemen bei Fisch-Exporten nach Europa kam, haben rund 20 Fischer mit ihren Lkw in der Nähe der Londoner Downing Street demonstriert. Die Protestslogans, mit denen die Spediteure ins Londoner Regierungsviertel fuhren, fielen wütend aus: »Inkompetente Regierung zerstört die Meeresfrüchte-Industrie« war auf einem der Laster zu lesen, »Brexit-Fracht« auf einem anderen. Es herrsche Angst, dass das System zusammenbrechen könnte, sagte Gary Hodgson vom Krabben-Exporteur Venture Seafoods.

Wegen tagelanger Verzögerungen an den Häfen beklagen Fischereibetriebe hohe Verluste. Durch den Brexit sind seit Anfang des Jahres bei der Einfuhr von Lebensmitteln in die EU aufwendige Gesundheits- und Zollkontrollen notwendig. Dem Hafenverband British Ports Association zufolge dauert die Reise auf den Kontinent für britische Fischereiunternehmen derzeit oft vier Tage anstatt nur einen.

400 Seiten Dokumente für einen Transport

Viele Fischergemeinden hätten für den Austritt aus der Europäischen Union gestimmt, aber keiner habe mit solchen Einschränkungen durch die neue Bürokratie gerechnet, sagte Hodgson. So habe ein Exporteur zuletzt 400 Seiten Exportdokumente für einen Fährtransport in die EU benötigt.

Die britischen Fischer wollen auf das Ausmaß der Probleme aufmerksam machen. Sie beklagen einen Mangel an zuständigen Zollbeamten auf beiden Seiten des Ärmelkanals. Wegen bürokratischer Hürden haben bereits zahlreiche schottische Fischer den Export in die EU gestoppt. Sie kritisieren, dass es trotz Handelsabkommens zu Verzögerungen kommt und die Transporte deutlich teurer werden. Zuletzt hatten auch Probleme mit Holzpaletten für Schlagzeilen gesorgt – diese müssen für den Handel mit Großbritannien ab sofort speziell behandelt sein.

Premier Boris Johnson tat die Probleme an den Häfen bislang als »Kinderkrankheiten« ab, die sich bald erledigt haben dürften. Experten zufolge müssen sich jedoch beide Seiten darauf einstellen, dass Prozesse in Zukunft länger dauerten.

apr/dpa/Reuters