Brexit Britische Industrie erwartet Auftragsboom

Der EU-Austritt Großbritanniens lässt die Industrie des Landes frohlocken. Die Produktionserwartungen liegen einer Umfrage zufolge auf dem höchsten Stand seit 22 Jahren. Aber auch die Sorgen steigen.

Fabrik in England
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Fabrik in England


Die britische Industrie blickt kurz vor dem EU-Austrittsantrag so zuversichtlich in die Zukunft wie seit 22 Jahren nicht mehr. Das Barometer für die Erwartungen an die Produktion in den kommenden drei Monaten stieg im März um drei Punkte auf 36 Zähler, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Firmenumfrage des Industrieverbands CBI hervorgeht.

Vor allem die Exportbranche hat demnach Grund zum Optimismus: Die Bestellungen aus dem Ausland legten der Erhebung zufolge so kräftig zu wie seit Dezember 2013 nicht mehr. "Die Pfund-Talfahrt scheint letztlich die Auslandsnachfrage nach britischen Industriegütern gestützt zu haben", erläuterte CBI-Expertin Anna Leach die Umfrageergebnisse.

Die durch das Anti-EU-Referendum vom Juni 2016 ausgelöste Abwertung der Landeswährung sorgt dafür, dass britische Produzenten ihre Güter im Ausland günstiger anbieten können.

Andererseits hat die Pfund-Schwäche auch zu dem jüngsten Inflationsschub auf der Insel beigetragen. Die Lebenshaltungskosten stiegen im Februar um 2,3 Prozent. Auch die Industriefirmen stellen sich laut CBI auf einen steigenden Kostendruck ein: Die Firmen erwarten einen kräftigen Anstieg der Erzeugerpreise in den kommenden Monaten.

Premierministerin Theresa May will am Mittwoch der kommenden Woche den Brexit-Antrag in Brüssel stellen. Damit beginnt die Frist von zwei Jahren, während der die Austrittsverhandlungen abgeschlossen werden müssen. Großbritannien soll nach Mays Willen 2019 nicht mehr Teil des EU-Binnenmarkts sein und auch aus der Zollunion ausscheiden.

Nach der Austrittserklärung kommen die anderen EU-Staats- und Regierungschefs am 29. April zu einem Sondergipfel zusammen. Dabei sollen die "Richtlinien für die Brexit-Gespräche" verabschiedet werden, wie EU-Ratspräsident Donald Tusk in Brüssel mitteilte.

nck/Reuters



insgesamt 152 Beiträge
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nestor01 21.03.2017
1. Widersprüchliche Entwicklungen
Einerseits beflügelt der Brexit über einen niedrigen Pfundkurs die exportierende Industrie (die nächsten Monate). Andererseits wird es in 2 Jahren, nach vollzogenem Brexit, keinen freien Handel mehr zwischen der EU und GB geben. Und mit welchen Staaten außerhalb der EU dann noch ungehinderter Warenaustausch möglich sein wird, weiß niemand.
Kit Kerber 21.03.2017
2.
Ganz so hart wird der Aufprall der britischen Wirtschaft scheinbar doch nicht werden. Der Untergang des Königreichs scheint fürs Erste auszubleiben. Für die Glaubwürdigkeit der EU kann das noch ein ganz harter Brocken werden. Ich erinnere mich an viele Brexit-Debatten vor fast einem Jahr, als die EU-Befürworter den Wählern partout Angst einjagen wollten. Farage und andere aus dem Brexit-Lager hielten dagegen, es werde vielleicht ein paar Börsenturbulenzen geben, aber die Wirtschaft werde durch ein Leave-Votum keinen nachhaltigen Schaden erleiden.
frankfurtbeat 21.03.2017
3. irgendwie ...
irgendwie doch nachvollziehbar das mit abgewerteter Währung die Produkte für andere Länder günstiger werden und daher gegebenenfalls auch eine höhere Nachfrage generieren ... letztendlich kommt weniger Geld an den Produzenten zurück und es stellt sich die Frage wie lange das gut geht ohne das man an den anderen Stellschrauben dreht ...
guka-le. 21.03.2017
4.
Wissen die Briten denn noch wie Produktion, Marketing, Vertrieb im größeren Maßstab professionell funktioniert?
eckawol 21.03.2017
5. Welche Produkte stellt GB nachhaltig her,
die auf den internationalen Märkten einen größeren Absatz finden, befördert durch eine Schwäche des britischen Pfundes
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