Britische Unternehmer zu Brexit-Verschiebung "Wirtschaftskrise konnte verhindert werden"

Die Wirtschaft in Großbritannien ist erleichtert über die Verschiebung des Brexits bis spätestens Ende Oktober. Doch die Unsicherheit bleibt.

Näherinnen in Großbritannien (Archiv)
Jack Taylor / Getty Images

Näherinnen in Großbritannien (Archiv)


Unternehmen in Großbritannien haben mit Erleichterung darauf reagiert, dass es an diesem Freitag nicht zu einem ungeregelten Austritt ihres Landes aus der EU kommen wird. "Diese neue Verlängerung bedeutet, dass eine unmittelbar drohende Wirtschaftskrise verhindert werden konnte", twitterte die Geschäftsführerin des Industrieverbandes CBI, Carolyn Fairbairn.

Nötig sei nun ein Neustart: Zum Wohle der Arbeitsplätze und Gemeinden müssten jetzt "alle politischen Anführer die Zeit gut nutzen", schrieb Fairbairn. Es brauche eine "ernsthafte überparteiliche Zusammenarbeit, um dieses Chaos zu beenden".

Großbritannien und die EU hatten sich nur 48 Stunden vor einem drohenden Brexit ohne Abkommen auf eine bis zu sechsmonatige Verschiebung des Austrittsdatums geeinigt. Beide Seiten legten bei einem Sondergipfel in Brüssel in der Nacht als neuen spätesten Brexit-Termin den 31. Oktober fest. Großbritannien kann bei dieser "flexiblen" Verlängerung aber auch früher aus der Europäischen Union austreten oder den Brexit wieder rückgängig machen.

CBI-Präsident John Allan sagte dem Radiosender BBC 4, wenn die Politiker nicht gemeinsam handelten, wäre die einzige weitere Option, erneut auf das Volk zurückzukommen und ein zweites Referendum abzuhalten.

Deutsche Exporteure kritisieren anhaltende Unsicherheit

Der Branchenverband der deutschen Exporteure (BGA) sieht die Verschiebung als das "kleinere Übel". "Mit Chaos wäre niemandem gedient", sagte BGA-Präsident Holger Bingmann. "Der wirtschaftliche Preis dafür ist, dass die Unternehmen dies- und jenseits des Kanals in den kommenden Monaten weiter in der Luft hängen, was die Ausgestaltung der künftigen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen betrifft." Diese lähmende Ungewissheit trübe die Stimmung und hinterlasse konjunkturelle Spuren auf beiden Seiten des Kanals.

Der deutsche Privatbankenverband begrüßt die Verschiebung. "Die europäischen Staats- und Regierungschefs haben in dieser schwierigen Situation verantwortungsvoll gehandelt. Wäre das Vereinigte Königreich auf die harte Tour aus der EU ausgeschieden, hätte das die zukünftige Zusammenarbeit erheblich erschwert", sagte BdB-Hauptgeschäftsführer Andreas Krautscheid. Eine Ratifizierung des Austrittsabkommens noch vor der Europawahl Ende Mai wäre nun die bevorzugte Lösung.

Die Finanzmärkte reagierten wenig überrascht auf die Verschiebung, die an den Börsen bereits erwartet worden war. Das britische Pfund, das in der Nacht gegenüber dem Dollar leicht zugelegt hatte, stabilisierte sich am Donnerstagvormittag.

"Doch auch wenn das Pfund die Entwicklungen der vergangenen Nacht ignoriert hat, wird die Aussicht auf sechs weitere Monate Unsicherheit für die britische Wirtschaft spürbar sein", sagte Analyst Jasper Lawler von der London Capital Group. Die Widerstandskraft des Pfundes könne sich als nicht von Dauer erweisen.

kko/AFP/Reuters



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