Wegen Brexit Deutsche Bank zieht wohl Milliarden aus London ab

Die EZB fordert von europäischen Geschäftsbanken, sicherheitshalber Kapital aus ihren Londoner Zweigstellen auf den Kontinent zu transferieren. Allein bei der Deutschen Bank geht es um Hunderte Milliarden Euro.
London (Archiv)

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Foto: Jonathan Brady/ picture alliance / Jonathan Brad

Die Deutsche Bank will Finanzkreisen zufolge nach dem Brexit einen großen Teil ihrer Bilanz von Großbritannien nach Deutschland verlagern. Die Bank steuert derzeit von London aus vor allem große Bereiche des Investmentbanking. Sie komme mit der Verlagerung Forderungen der Europäischen Zentralbank (EZB) nach, sagte eine mit den Plänen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Größe und Komplexität des britischen Geschäfts sollen verringert werden.

Die Bankenaufseher der EZB fürchten, dass sie nach einem Austritt Großbritanniens aus der EU nicht mehr ausreichend Kontrolle über das Kapital und die Liquidität des Instituts dort hätten. Nach einem Bericht der "Financial Times" könnte die Bank rund drei Viertel der 600 Milliarden Euro, die sie derzeit in London liegen hat, nach Frankfurt transferieren. Das könnte drei bis fünf Jahre oder sogar noch länger dauern. Möglicherweise würde das Geschäft der britischen Niederlassung damit kleiner als das der US-Holding, die 145 Milliarden Dollar auf der Bilanz habe, hieß es in dem Bericht. Die Deutsche Bank hat in London aber - anders als in den USA - keine eigene Tochter, sondern nur eine Niederlassung, die keine eigene Bilanz aufstellt.

Das soll nach den Vorstellungen der Deutschen Bank auch so bleiben, wie ein Sprecher betonte. Er dementierte Informationen der "FT", wonach das Geldhaus in London eine eigene Tochter für das Geschäft mit kleineren Firmenkunden aufbauen will, die von der Finanzaufsicht in London beaufsichtigt wird. Diese müsste nach den britischen Regularien vom Investmentbanking abgeschirmt werden. Noch sei aber unklar, unter welchen Rahmenbedingungen die Bank in Großbritannien und der EU nach dem Brexit agieren könne, sagte der Sprecher. Dem Bericht zufolge könnte sie die Gründung einer eigenen Gesellschaft in London Hunderte Millionen Euro kosten.

Die Deutsche Bank hat wegen des Brexit bereits größere Teile des britischen Geschäfts nach Frankfurt verlagert, unter anderem einen Teil des Clearing-Neugeschäfts mit der Abrechnung und Abwicklung von Wertpapiergeschäften.

la/beb/Reuters
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