Deutsche Exporte Außenhandel hat bereits Milliardenschaden durch Brexit

Das deutsche Exportgeschäft mit Großbritannien ist laut Außenhandelspräsident Holger Bingmann schon um mehr als 3,5 Milliarden Euro eingebrochen - und das ganze Ausmaß ist noch nicht zu erkennen.

Lastwagen im Fährhafen von Dover
Andrew Matthews/PA Wire/DPA

Lastwagen im Fährhafen von Dover


Der nahende Brexit belastet die deutschen Exporte nach Großbritannien laut Holger Bingmann, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Dienstleistungen, Außenhandel (BGA), bereits jetzt deutlich: Allein im ersten Halbjahr habe sich das deutsche Exportgeschäft mit Großbritannien auf das Jahr hochgerechnet in Höhe von mehr als 3,5 Milliarden Euro in Luft "aufgelöst", sagte Bingmann der "Rheinischen Post". "Großbritannien ist in der Rangfolge unserer Handelspartner von Platz fünf im Jahr 2016 auf aktuell Platz 13 abgerutscht und liegt hinter Polen."

Das wahre Schadensausmaß dürfte dem Außenhandelspräsidenten zufolge aber "noch deutlich größer sein und erst in einigen Monaten sichtbar werden", da viele Unternehmen ihre Lager im Vereinigten Königreich aufgefüllt hätten, um Unterbrechungen der Lieferkette vorzubeugen.

Bingmann hat deshalb die Bundesregierung und die übrigen EU-Staaten eindringlich vor einem harten Brexit Ende Oktober gewarnt: "Ein ungeregelter Austritt der Briten aus der EU ist wahrscheinlicher denn je. Ein harter Brexit aber hätte katastrophale Folgen für den deutschen Außenhandel."

Lesen Sie auf : Wer bei einem harten Brexit verliert

Er sagte weiter: Würde Großbritannien nach einem ungeregelten Austritt zum Drittstaat, drohe Unternehmen, die regelmäßig Waren dorthin exportieren oder von der Insel einführen, "immenser Mehraufwand im Bereich Zoll und bei der Bewältigung von Bürokratie in den Bereichen Logistik, Transport, Datenschutz und Steuern, die sie nur schwer oder mit hohem Kosten- und Zeitaufwand bewältigen können."

Anmerkung: Der BGA hat im Nachhinein ergänzt, dass der Exporteinbruch in Höhe von 3,5 Milliarden Euro auf das Jahr hochgerechnet ist. Wir haben die Stelle im Text aktualisiert.

kko/AFP

insgesamt 28 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
intrasat 07.10.2019
1. Gut für den Arbeitsmarkt..
...wenn zur Bewältigung neuer Aufgaben neue Mitarbeiter eingestellt werden müssen ;-)
kup66095 07.10.2019
2.
Ich kann es echt nicht mehr hören.... Entgangener Gewinn oder Umsatz ist KEIN Schaden oder Verlust!
alau 07.10.2019
3.
ich freue mich ja auf das Absacken der Börsen. Warte schon die ganze Zeit auf eine Konsolidierung, um ein wenig mehr Geld in Wertpapiere zu stecken. Und Krisen sind immer auch Chancen. Der Brite wird sich ein paar Jahre einschränken müssen, aber dennoch wird es kein Weltuntergang sein. Und seitens der EU sehe ich bis auf vllt ein paar Spezialisten, die nur mit UK handeln, auch keine großen Verwerfungen.
Mr. Swiss 07.10.2019
4. Warnendes Beispiel
Diese Umsatzrückgang sollte ein warnendes Beispiel für alle Nationalromantiker und Populisten sein. Durch Abschottung und Rückbesinnung auf alte Vorstellungen von Nationen werden verlieren unter dem Strick alle Beteiligten. Der Brexit wird (hoffentlich) zum Auseinanderbrechen von Great Britain führen. Dann dürften der Betrug von Populisten Johnson endlich allen Wählern in Great Britain klar vor Augen geführten werden.
helgeHB 07.10.2019
5. falscher Adressat für Herrn Bingmann
hier entscheidet nicht die Bundesregierung, sondern die EU und Großbritanien. Auf der Insel wird das Chaos weiter regieren. Die EU hatte angekündigt, einer Verschiebung des Brexit nur aus triftigen Gründen zuzustimmen. Vielleicht sind Chaos und Konzeptlosigkeit der britischen Regierung ja triftige Gründe. Ich hoffe nicht...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.