Großbritannien DIHK warnt vor milliardenschweren Folgen des Brexit-Streits

Der sich zuspitzende Brexit-Streit alarmiert den Deutschen Industrie- und Handelskammertag. Bei einem harten Bruch könnte demnach allein die Autoindustrie um zwei Milliarden Euro einbrechen.
Containerhafen in Hamburg: Die Exporte nach Großbritannien leiden jetzt schon

Containerhafen in Hamburg: Die Exporte nach Großbritannien leiden jetzt schon

Foto: DPA

Der zuletzt verschärfte Brext-Streit könnte die deutsche Wirtschaft Milliarden kosten, warnt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Allein der Automobilbranche drohten ohne Handelsabkommen mit Großbritannien Zölle in Höhe von mindestens zwei Milliarden Euro, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der "Augsburger Allgemeinen".

Das Automobilgeschäft stellt nach seinen Angaben den größten Anteil am Handelsvolumen zwischen Deutschland und Großbritannien. Die Zölle würden Fahrzeuge verteuern und zu einem Nachfragerückgang führen, durch den die Produktion von rund drei Millionen Fahrzeugen in den kommenden fünf Jahren eingestellt werden müsse, teilten 23 EU-Verbände der Autoindustrie in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Johnson will Brexit-Vertrag ändern

"In der Wirtschaft wächst die Sorge vor einem Scheitern der Brexit-Verhandlungen", sagte Wansleben. Es gebe eine "neue Unsicherheit". Die Regierung des britischen Premierministers Boris Johnson hatte vor einigen Tagen überraschend angekündigt, einseitig den im Januar mit der EU verabschiedeten Brexit-Vertrag ändern zu wollen. Dabei geht es unter anderem um die Aussetzung von Zollregelungen im Warenhandel für die Provinz Nordirland.

London und Brüssel können sich derzeit nicht auf die konkrete Umsetzung des Austrittsabkommens und einen Vertrag über die wirtschaftlichen Beziehungen ab 2021 einigen. Bei einem harten Bruch seien abbrechende Lieferketten und lange Wartezeiten an den Grenzen zu befürchten, da es auf britischer Seite noch immer keine funktionierende Infrastruktur für die Zollabwicklung gebe, sagte Wansleben.

Großbritannien war am 31. Januar aus der Europäischen Union ausgetreten. Derzeit läuft aber noch eine Übergangsphase bis Jahresende, in der die künftigen Beziehungen geregelt werden sollen. Ohne Handelsabkommen droht ein chaotischer Brexit mit der Errichtung von Zoll- und anderen Barrieren.

10 Milliarden Euro weniger deutsche Exporte nach Großbritannien seit Brexit-Referendum

Wansleben sagte, bereits die Brexit-Unsicherheiten der Vergangenheit hätten "deutliche Spuren" in den Wirtschaftsbeziehungen hinterlassen. Seit dem Brexit-Referendum 2016 seien die deutschen Exporte nach Großbritannien merklich gesunken - von 89 Milliarden Euro im Jahr 2015 auf 79 Milliarden Euro 2019. Dadurch sei das Vereinigte Königreich von Rang drei auf Rang fünf der wichtigsten Exportmärkte Deutschlands abgerutscht.

Der Trend setze sich in diesem Jahr fort und werde durch die Coronakrise noch zusätzlich verschärft, sagte der DIHK-Hauptgeschäftsführer. So seien die deutschen Exporte nach Großbritannien zwischen Januar und Juli um fast 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken.

Auch einige Parteikollegen lehnen Johnsons Kurs ab

Für die Unternehmen sei es umso wichtiger, dass die künftigen Beziehungen zwischen der EU und Großbritannien mit klaren Prioritäten geregelt werden: "EU-Binnenmarkt zusammenhalten, Zölle vermeiden, Transportwege aufrechterhalten und die Bürokratie beim Warenaustausch so gering wie möglich halten", forderte Wansleben. 

Das Unterhaus in London beginnt an diesem Montag mit Beratungen über das Vorhaben der Regierung, den Brexit-Vertrag vom Januar einseitig zu ändern. Die Debatte über den entsprechenden Gesetzentwurf dürfte hitzig werden, da auch einige Abgeordnete von Johnsons konservativen Tories dieses Vorgehen ablehnen.

caw/AFP/Reuters
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