"Zu gelassen" EZB-Ratsmitglied warnt Finanzmärkte vor Brexit

Wie stark trifft Großbritanniens EU-Austritt die Finanzmärkte? Der finnische Notenbankchef und EZB-Ratsmitglied Olli Rehn warnt vor unterschätzten Gefahren des Brexits - und geschönten chinesischen Wachstumszahlen.
Olli Rehn

Olli Rehn

Foto: Ints Kalnins/ REUTERS

Der finnische Notenbankpräsident Olli Rehn hat Investoren angesichts des britischen EU-Austritts zu mehr Vorsicht gemahnt. "Kurzfristig ist sicherlich der Brexit die größte Gefahr. Die Finanzmärkte scheinen da zu gelassen zu sein und das Risiko zu unterschätzen", sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) der "Welt".

Die EZB hat Rehn zufolge aber mit der Bank of England Vorkehrungen getroffen, um sicherzustellen, dass es im Falle eines ungeordneten Brexits nicht zu Turbulenzen kommt. Eine sogenannte Liquiditätsvereinbarung habe auch in der Finanzkrise 2008 mit der US-Notenbank Fed gut funktioniert.

Mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung in der Eurozone sagte Rehn: "Tatsächlich hat sich das Wachstum deutlich abgeschwächt, und wir müssen uns Sorgen um die Konjunktur machen." Das liege allen voran an den Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Handelsstreit zwischen den USA und China. In der Volksrepublik habe sich die Konjunktur schon kräftig abgekühlt. "Unsere Berechnungen zeigen, dass die offiziellen Wachstumszahlen der Kommunistischen Partei geschönt sind."

China sei zu einem wichtigen globalen Wirtschaftsspieler geworden, so Rehn. Was dort konjunkturell passiere, betreffe auch Europa. "Dennoch rechne ich nicht mit einer Rezession in der Eurozone." Die EU habe in ihren eigenen Handelskonflikten ihre Karten bisher gut gespielt, größere Verwerfungen mit China und den USA verhindert und mit Japan sogar ein neues Abkommen geschlossen.

Rehn gilt als einer der möglichen Nachfolger von EZB-Präsident Mario Draghi. Dessen Amtszeit läuft Ende Oktober nach acht Jahren aus.

dab/Reuters
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