Vor dem Brexit Finanzfirmen ziehen 1,2 Billionen Dollar aus Großbritannien ab

Großbritanniens Finanzbranche bereitet sich auf den Brexit vor: Immer mehr Unternehmen verlagern Firmenteile und Vermögen ins EU-Ausland. Ein Profiteur ist Frankfurt.
Londons Finanzdistrikt (Archivbild)

Londons Finanzdistrikt (Archivbild)

Foto: NIKLAS HALLEN/ AFP

Der Finanzplatz London ist vom geplanten EU-Austritt Großbritanniens einer Studie zufolge besonders stark betroffen: Mehr als 275 Finanzfirmen ziehen der Denkfabrik New Financial zufolge Vermögenswerte von umgerechnet insgesamt 1,2 Billionen Dollar aus Großbritannien in die EU ab.

Demnach verschieben zehn große Banken und Investmentbanken 800 Milliarden Pfund beziehungsweise fast zehn Prozent der Vermögenswerte des Landes in die EU. Dazu kommen unter anderem Vermögensgegenstände von Versicherern in Höhe von 35 Milliarden Pfund und von Anlageverwaltern in Höhe von 65 Milliarden Pfund.

Mehr als 250 Firmen errichten der Studie zufolge neue Zentralen auf dem Kontinent, mehr als 210 haben neue Rechtsgebilde angeregt oder sich für neue Banklizenzen beworben. Durch den Brexit ziehen 5000 Beschäftigte um oder werden an den neuen Standorten eingestellt, wie die Autoren errechneten. Diese Zahl werde in den kommenden Jahren weiter steigen. Die Umzugskosten wurden auf zusammen drei bis vier Milliarden Dollar beziffert.

Diese Entwicklung werde sich auch noch verschärfen, sagte William Wright, Chef von New Financial. "Das wird Großbritanniens Einfluss in der europäischen Finanz- und Bankenbranche verringern, die Steuereinnahmen aus dem Wirtschaftszweig verringern und die Finanzdienstleistungsausfuhren in die EU verringern", sagte Wright.

Die stärkste Anziehungskraft hat Dublin. Hierhin zählten die Experten 100 Umzüge. Vor allem Vermögensverwalter wählten Irlands Hauptstadt. Es folgen Luxemburg mit 60 Umzügen, Paris mit 41, Frankfurt mit 40 und Amsterdam mit 32. Für Frankfurt entschieden sich insbesondere Banken, für Amsterdam Handelsplattformen und Handelshäuser.

Am Dienstag soll das britische Parlament erneut über einen Austrittsvertrag aus der EU abstimmen. Viele deutsche Unternehmen bereiten sich auf einen harten Brexit ohne Abkommen vor. Unklar ist außerdem, ob es bei dem 29. März als Austrittsdatum bleibt oder ob der Brexit verschoben wird.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels war von 1,2 Billionen Pfund die Rede. Es handelt sich aber um Dollar. Wir haben das korrigiert.

kko/Reuters
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