Furcht vor Rezession Bank of England senkt Leitzins

Das Brexit-Votum belastet die Konjunktur in Großbritannien schwer, jetzt steuert die Bank of England gegen. Sie senkt den Leitzins, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Bank of England
imago

Bank of England


Die britische Notenbank reagiert auf den Brexit-Entscheid und senkt den Leitzins. Der Schlüsselsatz sank von 0,5 auf 0,25 Prozent. Er liegt damit so niedrig wie noch nie.

Es war das erste Mal seit 2009, dass der Leitzins gesenkt wurde. Die Zentralbank reagiert auf Sorgen, die britische Wirtschaft könnte nach dem Votum für einen Ausstieg Großbritanniens aus der EU abstürzen. Negativzinsen schloss Notenbankchef Mark Carney aus. Bei künftigen Zinsentscheidungen werde die Untergrenze über Null liegen, sagte er.

Das Land steuert derzeit auf den stärksten Konjunktureinbruch seit sieben Jahren zu. Es herrscht Unsicherheit, ob Großbritannien künftig noch Zugang zum EU-Binnenmarkt haben wird. Indikatoren hatten zuletzt auf einen Wirtschaftseinbruch hingedeutet.

So schließt das Londoner Forschungsinstitut Markit aus seinen Umfragedaten unter Einkaufsmanagern großer Firmen, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde im dritten Quartal um 0,4 Prozent schrumpfen. Einen solchen Rückgang hat es in dem zuletzt boomenden Land seit mehr als sieben Jahren nicht mehr gegeben.

Notenbank rechnet nicht mit Rezession

Neben der Senkung des Leitzins verkündete die britische Zentralbank weitere Schritte gegen die drohende Krise. Sie weitet überraschend ihr Wertpapierkaufprogramm aus. Die Währungshüter erhöhen das angepeilte Gesamtvolumen von derzeit 375 Milliarden Pfund auf 435 Milliarden Pfund. Das bedeutet, die Notenbank wird nun wieder Wertpapiere kaufen. Das bisherige Gesamtvolumen war bereits ausgeschöpft gewesen. Marktbeobachter hatten nicht mit einer Veränderung des Volumens gerechnet.

Darüber hinaus wird die Bank of England künftig direkt Unternehmensanleihen kaufen. Über 18 Monate sollen Papiere im Wert von bis zu zehn Milliarden Pfund erworben werden.

Dennoch: Trotz des Brexit-Votums rechnet die Notenbank nicht damit, dass die britische Wirtschaft in eine Rezession abrutschen wird. Vielmehr geht die Zentralbank davon aus, dass die Wirtschaft nach einem starken ersten Halbjahr in der zweiten Jahreshälfte etwas wachsen werde.

beb/brk/dpa



insgesamt 80 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
VirusXX 04.08.2016
1. Brexit
Das haben jetzt die Engländer davon, wahr doch keine gute Idee mit den Brexit. GB vor dem Zerfall.......
spon_2999637 04.08.2016
2. Irgendwann...
...muss es doch mal klappen damit, dass der gesenkte Leitzins die Wirtschaft ankurbelt. Wurde ja oft genug probiert. Diesmal klappt es. Ganz sicher. Bestimmt. Irgendwie.
Olaf Köhler 04.08.2016
3. Das wird nicht klappen!
Hat irgendwo schonmal die Senkung des Leitzinses die Wirtschaft "angekurbelt"? Ich glaube nein.
jamguy 04.08.2016
4.
Zitat von VirusXXDas haben jetzt die Engländer davon, wahr doch keine gute Idee mit den Brexit. GB vor dem Zerfall.......
das sind die Folgen der EU Mitgliedschaft ,schau doch mal in der EU den Bankensektor an eine einzige Blase.
aleamas 04.08.2016
5. Jetzt kann der versammelte Sachverstand...
...aus Olgino, aus der Schweiz und aus "Alternative-Deutschland" darüber sinnieren, wie hervorragend die Briten mit diesem Schritt uns Europäern eins auswischen. Und warum das alles ganz fantastisch für die Wirtschaft dort ist, und warum SPON so böse, böse ist, das aus lauter Rachsucht auch noch zu melden... Ich dagegen nehme es mit Genugtuung zu Kenntnis. Heute Morgen hat der Guardian übrigens empfohlen, den Leuten lieber gleich Bargeld zu überweisen. Weil der Zinsschnitt nichts nützen wird...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.