Brexit-Folgen Die Schotten haben Angst um ihren Whisky

Eine EU-Regel schützt schottischen Whisky vor Kopien aus dem Ausland. Aber was kommt nach dem Brexit? Die Regierung in Edinburgh will das Gesetz auf jeden Fall behalten und macht das nun in London deutlich.

Ein Glas Whisky vor der Diageo Claive Scotch Whisky Sammlung in Edinburgh, Schottland
AP

Ein Glas Whisky vor der Diageo Claive Scotch Whisky Sammlung in Edinburgh, Schottland


Der schottische Wirtschaftsminister Keith Brown hat die Regierung in London aufgefordert, schottischen Whisky auch nach dem Brexit vor Nachahmern zu schützen. "Die EU-Gesetze müssen nach dem Brexit garantiert sein", sagte Brown. Andernfalls sei die Branche im Land nach dem EU-Ausstieg in Gefahr.

Bisher regelt eine EU-Verordnung, dass nur Whisky aus Schottland die Bezeichnung "Scotch Whisky" tragen darf. Ebenso geschützt sind zum Beispiel "Münsterländer Korn" aus Deutschland, "Grappa" aus Italien oder "Calvados" aus Frankreich. Auch ist klar geregelt, welche Anforderungen ein Schnaps erfüllen muss, um Whisky genannt zu werden. So muss das Getränk das "Aroma und den Geschmack der Ausgangsstoffe" aufweisen und mindestens drei Jahre lang in einem Holzfass gereift sein.

Die Schotten sorgen sich um ihr Traditionsgetränk, insbesondere seit Großbritannien mit den USA über ein mögliches Freihandelsabkommen spricht. Der britische Handelsminister Liam Fox hatte dazu in dieser Woche die Vereinigten Staaten besucht. Die USA sollen dabei Interesse bekundet haben, die Vorschriften für Whisky aufzuweichen.

Dies gefährde jedoch den Wert und den Ruf schottischer Produkte, sagte Brown. Eine Aufweichung öffne den Markt für Produkte, die nicht dem aktuellen Standard entsprächen.

Der Minister und auch die schottische Whisky-Industrie argumentieren, dass der Schnaps ein wichtiges Exportprodukt für das Land sei. Jedes Jahr verkauft das Land Hochprozentiges im Wert von rund 4,5 Milliarden Euro ins Ausland. Je nach Schätzung hängen zwischen 20.000 und 40.000 schottische Arbeitsplätze an dem goldenen Getränk.

sep/AP



insgesamt 31 Beiträge
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miobri 30.07.2017
1. Entweder er schmeckt oder er schmeckt nicht...
Wie Suntory gezeigt hat, muss ein guter Single Malt nicht aus Schottland kommen. Und wenn bei einerm Blindtasting ein Yamazaki gewinnt, wo ist das Problem, bitte?
smilesuomi 30.07.2017
2. Das Problem...
...ist, dass Sie nicht den Artikel gelesen haben...es sollen Qualitätsvorschriften gesenkt werden...nach ihrer Logik bedarf es bei Lebensmitteln/lebensmitteln keinerlei Vorschriften...Hauptsache es schmeckt...na dann Prost...
torflut 30.07.2017
3. lasst den Schotten den Scotch Whisky
Natürlich können Japaner, Franzosen und Andere auch einen ordentlichen Single Malt herstellen. Ich persönlich würde aber gerne auch in Zukunft das Original erkennen- und erwerben wollen!
emobil 30.07.2017
4.
Zitat von miobriWie Suntory gezeigt hat, muss ein guter Single Malt nicht aus Schottland kommen. Und wenn bei einerm Blindtasting ein Yamazaki gewinnt, wo ist das Problem, bitte?
Für den Whisky-Trinker kein Problem. Für den schottischen Hersteller schon.
hup 30.07.2017
5. So lange die Schotten selbst dicht sind
und ihre Standards nicht aufweichen weiss ich auch in Zukunft wenn ich Whisky von einer schottischen Distillery kaufe, dass dieser nach den Scotch Whisky Regulations von 2009 produziert wurde. Ob Whisky aus Bangladesch, Mexiko oder der Ukraine sich in Zukunft "Scotch" nennt oder nicht ändert ja nichts daran, dass er in der EU nach der tatsächlichen Herkunft gekennzeichnet sein muss und ich ihn so oder so nicht kaufen werde. Die einzigen die den Scotch kaputt machen können sind die Schotten selbst, in dem sie ihre Qualitätsstandards oberhalb der Mindeststandards (Aus Getreidemaische, 3 Jahre in Schottland in Holzfässern gelagert, nicht mehr als 95% Alkohol während der Lagerung und mindestens 40% abgefüllt) weiter aufweichen, z.B. mit immer mehr zusammengepanschten NAS-Mist mit fünferlei Finishes, selten älter als 5 Jahre, aber dafür mit bombastischem Fantasienamen und gleich mal zu Preisen deutlich über 40 Euro, die bisher nur bei über 12 Jährigen fällig waren. Da sehe ich das größere Risiko für den Niedergang des Qualitätsimages.
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