Brexit Finanzminister Osborne versucht, Investoren zu beruhigen

Der britische Finanzminister rechnet nach dem Brexit-Votum mit weiteren Turbulenzen an den Märkten. Dennoch gibt sich George Osborne zuversichtlich: Sein Land werde die Herausforderung meistern.

Großbritanniens Finanzminister Osborne
REUTERS

Großbritanniens Finanzminister Osborne


Der schnelle Überblick
    Das ist passiert:
  • • 51,9 Prozent der britischen Wähler haben für den Austritt des Landes aus der Europäischen Union gestimmt. Die Wahlbeteiligung lag bei mehr als 70 Prozent.

  • • Premier David Cameron hat seinen Rücktritt für Oktober angekündigt.

  • • Politiker aus Schottland und Nordirland wollen in der EU bleiben.

  • • Das Pfund verliert dramatisch an Wert, Aktienkurse weltweit stürzten ab.

• Rechtspopulisten in ganz Europa freuen sich und fordern nun ebenfalls Volksabstimmungen über die EU.

Kurz vor Handelsbeginn hat sich Großbritanniens Finanzminister George Osborne erstmals öffentlich zum Brexit-Votum geäußert. Er rechne mit anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten. Zudem sehe er Investitionen in Gefahr: "Es ist bereits offensichtlich, dass einige Unternehmen damit weitermachen, Entscheidungen über Investitionen und neue Jobs zu pausieren", sagte Osborne.

Gleichwohl gab sich der Minister zuversichtlich und versuchte, die Märkte zu beruhigen. "Unsere Wirtschaft ist so stark wie nötig, um sich der Herausforderung zu stellen, die auf unser Land jetzt zukommt", sagte Osborne.

Die Regierung habe Maßnahmen vorbereitet, um damit fertig zu werden. Nun gehe es darum, sich mit den EU-Ländern auf ein möglichst vorteilhaftes Handelsabkommen zu einigen. Er wolle dabei eine aktive Rolle spielen, sagte Osborne, der sich vor dem Referendum für einen Verbleib in der EU starkgemacht hatte. Über seine eigene Zukunft wolle er in den kommenden Tagen entscheiden.

Osborne schloss sich damit der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) an. Christine Lagarde hatte zuvor gesagt, es habe keine Panik an den Märkten gegeben, die Notenbanken seien gut vorbereitet gewesen. Allerdings hätten die Märkte das Referendum "erheblich unterschätzt".

Weltweit waren Freitag nach Bekanntwerden der ersten Abstimmungsergebnisse innerhalb weniger Stunden Börsenkurse eingebrochen. Die britische Währung fiel zeitweise auf den tiefsten Stand seit 1985. Am Montag verlor das Pfund Sterling erneut: Es gab um mehr als zwei Prozent auf 1,3350 Dollar nach. Befürchtet wird unter anderem, dass Großbritannien nun in eine Rezession schlittern könnte.

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Freidenker10 27.06.2016
1. Sturm im Wasserglas
Bin jetzt kein Wirtschaftsfachmann, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass BMW, Tata usw. und auch die Banken nun GB den Rücken zukehren. GB ist ein riesiger Absatzmarkt, warum sollten die Investoren sich zurückziehen? Auch GB hat kein Interesse daran, dass die Firmen abwandern, weil sie Arbeitsplätze und Steuereinnahmen versprechen. Speziell deutsche Firmen machen doch blendende Geschäfte mit GB. Vielleicht spekulieren die Amerikaner darauf die europäischen Firmen zu ersetzen, aber ernshaft, wer will schon amerikanische Autos. Ich halte das ganze Theater für einen Sturm im Wasserglas, zumal die Briten wahrscheinlich gar nicht austreten werden. In den Hinterzimmern wird doch bereits geklüngelt wie man das Referendum ignorieren könnte...
bert1966 27.06.2016
2. Vermutungen
Vermutlich haben die Befürworter des Brexit geglaubt, es existiere irgendwo so etwas wie ein umfassender Plan, ein Konzept, wie es mit Großbritannien nach der Abstimmung weitergehen werde (eine ähnliche Vorstellung haben im Übrigen womöglich auch die EU-Verteidiger). Jetzt wird langsam klar: so ein Plan muß erst geboren werden (wenn es überhaupt eine vernunftbegabte Lösung der nun haufenweise anstehenden Probleme gibt) und die "Protagonisten" des Brexit bereiten sich bereits sachte und dabei jede Verantwortung für die Tat und deren Folgen ablehnend auf ihr leises Abtauchen in der Versenkung vor. Zurück bleiben Leute wie Osborne oder auf der anderen Seite Schulz oder Junker, die sich und anderen durch lautes Pfeifen im Walde Mut zusprechen, ohne selbst konkret zu wissen, wo die Reise eigentlich hingeht. Leidtragende sind die Vertrauensseligen und Naiven, sie werden den Verlust ihres Arbeitsplatzes, die Abwertung ihrer Rentenansprüche, den Verlust des Wertes ihrer Ersparnisse schmerzhaft erleben, wenn die Berufspolitiker bereits längst ihre Pensionen verzehren.
spon_3308703 27.06.2016
3. Möglichst vorteilhaftes Handelsabkommen
erstmal austreten und dann sieht man weiter und wie blöd ist der denn sein Verhandlungsziel schon vorher auszuposaunen?
xvxxx 27.06.2016
4.
*Im Wald pfeif* Tja, aus dem Versuch, die EU mit 52% Ablehnung des Brexit zu Zugeständnissen erpressen ist ja nun nichts geworden, und die internen Machtkämpfe sind auch ordentlich in die Hose gegangen. Aber keine Angst, wir retten das Vereinigte Restkönigreich von England und Wales. Schottland und Nordirland stehen ja bereits vor dem Ausstieg...
bert1966 27.06.2016
5.
Zitat von Freidenker10Bin jetzt kein Wirtschaftsfachmann, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass BMW, Tata usw. und auch die Banken nun GB den Rücken zukehren. GB ist ein riesiger Absatzmarkt, warum sollten die Investoren sich zurückziehen? Auch GB hat kein Interesse daran, dass die Firmen abwandern, weil sie Arbeitsplätze und Steuereinnahmen versprechen. Speziell deutsche Firmen machen doch blendende Geschäfte mit GB. Vielleicht spekulieren die Amerikaner darauf die europäischen Firmen zu ersetzen, aber ernshaft, wer will schon amerikanische Autos. Ich halte das ganze Theater für einen Sturm im Wasserglas, zumal die Briten wahrscheinlich gar nicht austreten werden. In den Hinterzimmern wird doch bereits geklüngelt wie man das Referendum ignorieren könnte...
Eine sehr merkantil geprägte Denkweise und vom Prinzip ja auch vernünftig, aber Vernunft wird bei diesem Ausstieg (wenn er denn nicht z. B. wegen drohendem Zerfall des UK doch noch abgewendet wird) nicht regieren. Pöstchenpfleger der EU und als europafreundlich getarnte Grundsatzsozialisten werden eine finanziell vorteilhafte Assoziation der Briten mit Sonderstatus nicht dulden und mit dieser revanchistischen Haltung leider auch federführenden in die Verhandlungen eingreifen. Schlimmstenfalls wird es zu hohen Zollbarrieren kommen und spätestens bei der Ahnung, daß das passiert (und natürlich werden die Wirtschaftslobbyisten gefragt oder zumindest informiert werden) wandern die Unternehmen auf den europäischen Binnenmarkt ab oder verändern zumindest ihr Geschäft in Richtung Parkmodus. Die Reaktionen der Börsen kommen doch nicht von ungefähr: Unsicherheit schreckt Kapital ab.
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