Brexit Finanzminister Osborne versucht, Investoren zu beruhigen

Der britische Finanzminister rechnet nach dem Brexit-Votum mit weiteren Turbulenzen an den Märkten. Dennoch gibt sich George Osborne zuversichtlich: Sein Land werde die Herausforderung meistern.
Großbritanniens Finanzminister Osborne

Großbritanniens Finanzminister Osborne

Foto: STEFAN WERMUTH/ REUTERS
Der schnelle Überblick

Das ist passiert:• 51,9 Prozent der britischen Wähler haben für den Austritt des Landes aus der Europäischen Union gestimmt. Die Wahlbeteiligung lag bei mehr als 70 Prozent.

• Premier David Cameron hat seinen Rücktritt für Oktober angekündigt.

• Politiker aus Schottland und Nordirland wollen in der EU bleiben.

• Das Pfund verliert dramatisch an Wert, Aktienkurse weltweit stürzten ab.

• Rechtspopulisten in ganz Europa freuen sich und fordern nun ebenfalls Volksabstimmungen über die EU.

Kurz vor Handelsbeginn hat sich Großbritanniens Finanzminister George Osborne erstmals öffentlich zum Brexit-Votum geäußert. Er rechne mit anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten. Zudem sehe er Investitionen in Gefahr: "Es ist bereits offensichtlich, dass einige Unternehmen damit weitermachen, Entscheidungen über Investitionen und neue Jobs zu pausieren", sagte Osborne.

Gleichwohl gab sich der Minister zuversichtlich und versuchte, die Märkte zu beruhigen. "Unsere Wirtschaft ist so stark wie nötig, um sich der Herausforderung zu stellen, die auf unser Land jetzt zukommt", sagte Osborne.

Die Regierung habe Maßnahmen vorbereitet, um damit fertig zu werden. Nun gehe es darum, sich mit den EU-Ländern auf ein möglichst vorteilhaftes Handelsabkommen zu einigen. Er wolle dabei eine aktive Rolle spielen, sagte Osborne, der sich vor dem Referendum für einen Verbleib in der EU starkgemacht hatte. Über seine eigene Zukunft wolle er in den kommenden Tagen entscheiden.

Osborne schloss sich damit der Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) an. Christine Lagarde hatte zuvor gesagt, es habe keine Panik an den Märkten gegeben, die Notenbanken seien gut vorbereitet gewesen. Allerdings hätten die Märkte das Referendum "erheblich unterschätzt".

Weltweit waren Freitag nach Bekanntwerden der ersten Abstimmungsergebnisse innerhalb weniger Stunden Börsenkurse eingebrochen. Die britische Währung fiel zeitweise auf den tiefsten Stand seit 1985. Am Montag verlor das Pfund Sterling erneut: Es gab um mehr als zwei Prozent auf 1,3350 Dollar nach. Befürchtet wird unter anderem, dass Großbritannien nun in eine Rezession schlittern könnte.

SPIEGEL ONLINE
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.