Unternehmensverlagerung nach dem Brexit Irland meldet Dutzende Anfragen aus London

Seit dem Brexit-Votum suchen viele britische Firmen neue Standorte - offenbar besonders gern in Irland. Die dortige Wirtschaftsförderungsagentur berichtet von Dutzenden Anfragen allein aus der Finanzbranche.
Dublin

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Foto: © Clodagh Kilcoyne / Reuters/ REUTERS

Seit dem Brexit-Votum spekulieren mehrere EU-Staaten darauf, dass britische Unternehmen ihre Firmensitze dorthin verlagern könnten. Jetzt meldet sich die irische Wirtschaftsförderungsagentur IDA mit Zahlen. Demnach sollen sich insgesamt bereits mehr als hundert britische Unternehmen darüber informiert haben, unter welchen Bedingungen sie sich nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union in Irland niederlassen könnten. Das sagte der Chef der irischen Industrieentwicklungsagentur (IDA), Martin Shanahan, dem britischen "Guardian ".

Die überwältigende Mehrheit der Anfragen kommt demnach von Banken und Finanzinstituten. Viele der Unternehmen, die an einem Umzug interessiert seien, hätten ihre Zentralen derzeit in London.

Auch Deutschland spekuliert auf die Ansiedlung britischer Unternehmen. Das Bundesfinanzministerium erklärte im November, britische Banken und Unternehmen würden schon bald damit beginnen, Geschäfte nach Deutschland zu verlagern. Im Ministerium gebe es vermehrt Anfragen von Firmen, die ihren Sitz oder Geschäfte nach Kontinentaleuropa verlegen wollten. Einer Umfrage zufolge erwägen gut drei Viertel der britischen Firmenchefs nach dem Brexit-Votum die Verlagerung von Geschäftsteilen ins Ausland.

Irland sei für Briten besonders attraktiv

IDA-Chef Shanahan betonte gegenüber der Zeitung, dass Irland zwar versuche, aus der Entscheidung der Briten für einen Austritt aus der EU Kapital zu schlagen. Der Brexit sei aber keinesfalls das Ergebnis, das er oder irgendjemand anderes in Irland favorisiert hätte, sagte er dem "Guardian" weiter.

Ziel der IDA ist es, bis 2019 80.000 neue Jobs im Land zu schaffen. Interessant für ausländische Firmen ist die niedrige irische Körperschaftsteuer in Höhe von 12,5 Prozent, an der es aus anderen EU-Staaten - wie etwa Frankreich - durchaus Kritik gibt. Doch laut Shanahan gibt es weder jetzt noch für die Zukunft Pläne, den Satz zu ändern. Zudem wird Irland das letzte englischsprachige Land in der EU nach dem Brexit sein.

"Die Branche der Finanzdienstleister benötigt Zugang zum europäischen Markt, und sie braucht eine Rechtsprechung, in der das möglich ist", sagte Shanahan weiter. Deshalb sei Irland für die Briten extrem attraktiv: "Wir sprechen Englisch, haben ein gemeinsames Rechtssystem und sind Nachbarn der Briten."

ler
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