Brexit-Folge Nissan baut neuen SUV in Japan statt England

Autobauer Nissan verlagert einen Teil seiner Produktion aus Großbritannien nach Japan. Einer der Gründe: der bevorstehende Brexit.
Arbeiter im Nissan-Werk in Sunderland (Archivbild)

Arbeiter im Nissan-Werk in Sunderland (Archivbild)

Foto: Nigel Roddis/ REUTERS

Vier Monate nach dem Brexit-Referendum hatte Autobauer Nissan noch bestätigt, dass es seinen neuen X-Trail im nordenglischen Sunderland fertigen lassen würde. Jetzt gab das Unternehmen bekannt, das neue SUV-Modell werde stattdessen in Japan produziert. Das liegt nicht nur, aber auch, am bevorstehenden Brexit.

"Wir haben die Entscheidung zwar aus wirtschaftlichen Gründen getroffen. Doch die andauernde Unsicherheit über die zukünftigen Verbindungen zwischen Großbritannien und der EU helfen Unternehmen nicht, für die Zukunft zu planen", sagte der Europa-Chef von Nissan, Gianluca de Ficchy. Das Unternehmen plane jedoch weiterhin, die nächsten Juke- und Qashqai-Modelle in Sunderland fertigen zu lassen.

Im Nissan-Werk in Sunderland werden mehr als eine halbe Million Autos pro Jahr produziert, das entspricht rund einem Drittel der gesamten Produktion Großbritanniens. Circa 7000 Menschen arbeiten in dem Werk.

Bereits im vergangenen Jahr gab es hier Kürzungen, Hunderte Menschen verloren ihren Job, weil die Nachfrage nach Dieselmodellen gesunken war.

Wichtige Branche

Für Großbritannien ist die Autoindustrie sehr wichtig, mehr als 850.000 Menschen arbeiten in der Branche. Doch sowohl für die Produktion als auch für den Verkauf ist der freie Handel zwischen den EU-Staaten eine wichtige Voraussetzung.

Bauteile kommen aus der ganzen Welt, Lieferketten laufen quer durch die EU. Grenzkontrollen könnten Lieferungen verzögern, Zölle würden sie teurer machen.

Ähnlich sieht es mit dem Handel aus. "Der Grund dafür, dass viele Hersteller in Großbritannien sind, ist, dass sie auf den europäischen Markt zollfrei exportieren konnten", sagte der Europachef von Toyota im vergangenen Oktober.

Der Chef des britischen Branchenverbands SMMT, Mike Hawes, sagte erst kürzlich, die Branche "befindet sich in Alarmstufe Rot". "Die Unsicherheit rund um den Brexit hat bereits enormen Schaden bei der Produktion, den Investitionen und den Arbeitsplätzen angerichtet." Dies sei aber nichts im Vergleich zu dem, was bei einem ungeordneten Brexit auf die Branche zukomme.

wbr/rtr/AP