Expansion in Großbritannien Aldi und Lidl profitieren vom Brexit

Die Brexit-Unsicherheit und Sorge vor einer Wirtschaftskrise verhagelt Einzelhändlern in Großbritannien das Geschäft - mit Ausnahme deutscher Discounter. Die bauen ihren Marktanteil deutlich aus.
Lidl-Kunde in London

Lidl-Kunde in London

Foto: JUSTIN TALLIS/ AFP

Verunsicherung der Kunden ist schlecht fürs Geschäft, das gilt für die meisten Wirtschaftsbereiche. Eine Ausnahme sind Discounter: Wenn Bürger ihr Geld zusammenhalten, bieten sich für dieses Segment des Lebensmitteleinzelhandels Chancen.

Zu beobachten ist das gerade am Beispiel Großbritanniens. Dort machen die Brexit-Turbulenzen vielen Einzelhändlern zu schaffen, weil die Wirtschaftslage schlechter ist und viele Kunden vorsichtig geworden sind. Vier von fünf Briten sorgen sich, dass die Preise für Lebensmittel und Getränke nach dem Brexit weiter steigen. Laut dem Forschungsinstitut Kantar gebe es "kaum Zweifel unter Einzelhändlern, Herstellern und Landwirten, dass der Brexit zu einer erheblichen Störung der britischen Lebensmittelversorgung führen wird".

Keine guten Aussichten eigentlich - doch genau das spielt zwei deutschen Firmen in die Hände: den Discountern Aldi und Lidl.

Im Gegensatz zur Konkurrenz wächst deren Geschäft kräftig. Einer Kantar-Studie zufolge konnten die deutschen Unternehmen ihren Marktanteil deutlich auf mittlerweile insgesamt 14 Prozent ausbauen. "Das Plus ist fast eine Milliarde Pfund (1,16 Milliarde Euro) jährlich wert", so das Institut. Aldi UK lockte zwischen Juli und Oktober 689.000 neue Kunden an und damit mehr als alle andere Ketten, in der Liste der beliebtesten Supermärkte liegt das Unternehmen auf Rang zwei. Lidl UK kündigte jüngst eine Investitionsoffensive über 15 Milliarden Pfund in den kommenden fünf Jahren an. Beide Ketten wollen Dutzende neue Filialen im Land eröffnen und Tausende Jobs schaffen.

Die britische Konkurrenz kommt nicht zur Ruhe

Dass die niedrigen Preise und hohe Infrastrukturkosten auf den Gewinn drücken, ficht Aldi-UK-Chef Giles Hurley nicht an. Das Unternehmen blicke nicht auf kurzfristige Profite, sagte er jüngst. "Unser Fokus liegt auf Wachstum; auf Verkäufen, Filialen und Kundenzahlen."

Nachdem der von Premierminister Boris Johnson wiederholt versprochene Austrittstermin am 31. Oktober nicht eingehalten wurde, soll Großbritannien die EU nun spätestens am 31. Januar 2020 verlassen. Die genauen Umstände sind aber weiter unklar, viele Kunden haushalten deswegen. Das drückt bei den britischen Einzelhändlern auf die Stimmung.

Beispiel Asda: Der drittgrößte britische Einzelhändler hat Tarifärger mit den Beschäftigten, Umsatz und Marktanteil gingen zuletzt zurück, die Wettbewerbsbehörde verbot die Fusion mit Konkurrent Sainsbury 's. Die anderen Branchengrößen plagen ähnliche Probleme, selbst Marktführer Tesco kommt nicht zur Ruhe. Erst vor Kurzem kündigte überraschend Chef Dave Lewis seinen Rücktritt an. Nicht nur bei Lebensmitteln sind die Probleme groß - wenn der Einzelhandelsriese Marks & Spencer seine Halbjahreszahlen vorlegt, erwarten Analysten ein "Blutbad", vor allem in den Segmenten Bekleidung und Haushaltswaren.

Vorteil Aldi und Lidl: Die Discounter gelten als gut gerüstet für ein mögliches Chaos nach dem EU-Austritt. Außerdem, so betonte es Aldi-Chef Hurley, biete das Unternehmen eine kleinere Produktpalette als die Konkurrenz. Drei Viertel des Angebots stammten von Herstellern und Lieferanten aus Großbritannien. Das ist ein deutlicher Unterschied zum Gesamtmarkt - denn laut Kantar werden 62 Prozent aller Lebensmittel importiert, der Großteil aus der EU. Ein Aldi-UK-Sprecher kündigte an, das Unternehmen werde weiterhin die niedrigsten möglichen Preise anbieten - "was auch immer die Zukunft bereithält".

beb/dpa
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