OECD-Berechnung Brexit würde jeden Briten ein Monatsgehalt kosten

Nach Angela Merkel und Barack Obama warnt jetzt auch die OECD vor einem Austritt Großbritanniens aus der EU. Das Argument der Organisation: Ein Brexit würde jeden Briten ärmer machen.

Stoßzeit in Londons Finanzviertel
REUTERS

Stoßzeit in Londons Finanzviertel


Am 23. Juni entscheiden die Briten über den EU-Verbleib ihres Landes. Sollten sie dafür stimmen, die EU zu verlassen, könnte dies bis 2020 jeden einzelnen Briten ein Monatsgehalt kosten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

"Wir haben eine ganze Reihe von Berechnungen unternommen, und wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der Brexit einer Steuer gleichkommt", sagte OECD-Generalsekretär Angel Gurria der BBC. "Es entspricht ungefähr dem Verlust eines Monatsgehalts innerhalb von vier Jahren. Anschließend geht es genauso weiter. Es gibt einen konstanten Verlust."

Gurria warf den Befürwortern eines EU-Austritts "Wunschdenken" vor. Großbritannien stünde bei Handelsabkommen besser da, wenn es sie gemeinsam mit seinen europäischen Partnern abschlösse. Die Befürworter eines Austritts, allen voran Londons Bürgermeister Boris Johnson, halten einen Austritt für wirtschaftlich vorteilhaft: Großbritannien könne sich im Falle eines Brexits von zahlreichen EU-Regulierungen befreien und seine eigenen Handelsabkommen aushandeln.

Knapp zwei Monate vor dem Referendum liegen Gegner und Befürworter des EU-Austritts in Umfragen in etwa gleichauf.

Vor der OECD hatte schon der Internationale Währungsfond (IWF) vor den wirtschaftlichen Folgen eines Austritts gewarnt. Der Brexit wäre demnach ein harter Schlag für die Weltwirtschaft.

Auch das britische Finanzministerium kam bei seinen Berechnungen zu einem ähnlichen Ergebnis wie die OECD. Danach stünden im Falle eines Brexits jedem Haushalt auf der Insel bis 2030 etwa 4300 Pfund (5540 Euro) im Jahr weniger zur Verfügung.

US-Präsident Barack Obama warnte Großbritannien in der vergangenen Woche vor einem Austritt. Sollten die Briten für den Brexit stimmen, würden sie sich bei Verhandlungen über Handelsabkommen mit den USA "hinten anstellen" müssen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte in der Vergangenheit für einen EU-Verbleib geworben.

asa/Reuters



insgesamt 276 Beiträge
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Monkeyshoulder 27.04.2016
1. Ein Monatsgehalt ?
Woher zum Teufel weiß der Spiegel das ? Das Geschäft mit der Angst, wie immer. Alles ist alternativlos.Einfach immer selbst frei entscheiden, sonst ändert sich nie was.
wo_st 27.04.2016
2. Na und?
Jahrelang wurde der Rest der EU von den Britten erpresset und jetzt müssen sie dafür zahlen
monolithos 27.04.2016
3. Lasst sie gehen
Jetzt macht den Briten doch den Ausstieg nicht madig! Wenn sie gehen wollen, lasst sie gehen! Ich nehme lieber die Türkei in der EU an die Kandare und begrüße nach dem nächsten Referendum Schottland als neues EU-Mitglied, als mich mit den englischen Extrawürsten rumärgern zu müssen. Die kosten uns jetzt mehr als ein Monatsgehalt. Schließlich verschwindet Geld nicht. Was der Ausstieg die Briten kostet, werden wir gewinnen.
MurkselsOpfer 27.04.2016
4. Nur ein Gehalt?
Wohin kann man überweisen. Die EU, die jeden Menschen jeden Tag ein bisschen ärmer macht, die Arbeit entwertet, die Wohlstand und Freiheit nimmt und nur an Politeliten und die Wirtschaft gibt, kann man mit so wenig Geld los werden? Im Vergleich um dem, was es jeden Menschen in Europa jeden Tag kostset, dass diese undemokratische Vereinigung unfreier Länder zu finanzieren, ist das ein Schnäppchen.
arrache-coeur 27.04.2016
5.
"Sollten sie dafür stimmen, die EU zu verlassen, könnte dies bis 2020 jeden einzelnen Briten ein Monatsgehalt kosten." - Ja und? Die Obama-Merkel-Show in Hannover führte zu stundenlangen Staus im Berufsverkehr, und der mehrtägige Einsatz von Tausenden Polizisten zur Sicherung und Sperrung der potenziellen Routen kostete wahrscheinlich ebenfalls Millionen.
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