Brief vom neuen Chef Mehdorn stimmt Air Berlin auf harte Zeiten ein

Hartmut Mehdorn fackelt nicht lang: Schon an seinem ersten Tag als neuer Air-Berlin-Chef kündigt er in einen Brief an 9000 Mitarbeiter weitreichende Veränderungen an. Flotte und Flugnetz kommen auf den Prüfstand - auch ein Stellenabbau sei möglich.

Hartmut Mehdorn: Sparprogramm bei Air Berlin
dapd

Hartmut Mehdorn: Sparprogramm bei Air Berlin


Berlin - Er wurde als Sanierer eingesetzt - und geht seine Aufgabe sofort an: Hartmut Mehdorn will Air Berlin umfassend umbauen. Das kündigt der neue Interimschef der verlustreichen Fluggesellschaft laut "Financial Times Deutschland" in einem Brief an die 9000 Mitarbeiter an.

Das Geschäftsmodell solle überprüft und angepasst werden, ebenso wie das Flugnetz und die Flotte. Auch einen Stellenabbau bei der Fluglinie schließt Mehdorn nicht aus: "Seien Sie versichert, dass wir das Instrument des Personalabbaus, sofern wir dieses einsetzen müssen, mit besonderer Sorgfalt und hoher Verantwortung und auch nur dort anwenden werden, wo es unabdingbar notwendig ist und wir keine andere verkraftbare Lösung finden", heißt es demnach in dem Schreiben.

Aus Sicht der Gewerkschaft Ver.di war der Brief problematisch formuliert. "Die Ankündigung führt bei den Beschäftigten zu Verunsicherung und nicht zu Beruhigung, weil sie sehr unkonkret ist", sagte Ver.di-Sprecher Jan Jurczyk.

Mehdorn ist seit Donnerstag Interimschef der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft. Sein Vorgänger Joachim Hunold war Mitte August zurückgetreten. Air Berlin schreibt seit 2008 unterm Strich rote Zahlen. Das Unternehmen hat bereits angekündigt, Strecken zu streichen und einige Flugzeuge aus dem Betrieb zu nehmen.

Eine Woche vor seinem Start als - Air-Berlin-Chef hatte Mehdorn für mehr als 300.000 Euro Aktien der angeschlagenen Airline gekauft - als Zeichen seiner Vertrauens in die Fluglinie.

Firmengründer Joachim Hunold war kürzlich überraschend zurückgetreten. Er hatte Air Berlin zur zweigrößten Fluglinie aufgebaut, bei seiner Expansion aber zusehends den Fokus verloren und zuletzt nach wachsenden Verlusten ein Sparprogramm aufgelegt. Mehdorn muss das Programm jetzt umsetzen. Wie lange der 69-jährige den neuen Job machen wird, ist unklar. Mehdorn gehörte bereits dem Verwaltungsrat (Board of Directors) von Air Berlin an.

ssu/dpa-AFX



insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
meisterschlau 02.09.2011
1. ...
deswegen hat mehdorn auch vorher schnell ein paar airberlin-aktien gekauft. der wird airberlin kaputtsparen, der kurs steigt kurzfristig und dann nix wie weg.
Der Meyer Klaus 02.09.2011
2. Auf Thema antworten
Zitat von meisterschlaudeswegen hat mehdorn auch vorher schnell ein paar airberlin-aktien gekauft. der wird airberlin kaputtsparen, der kurs steigt kurzfristig und dann nix wie weg.
Nein, nicht doch. Der feine Herr macht das einfach so, dem geht es nicht ums Geld. Niemanden in dem Bereich, in solch einer Position geht es um das Geld. Überhaupt, niemand arbeitet des Geldes wegen. Oder kauft Aktien um Gewinn zu machen.
christafaust 02.09.2011
3. Herr Mehdorn wird sich wundern
wenn seine Sanierung nichts bringt, weil die Buchungszahlen drastisch sinken werden. Wer hat nach der Bahn noch Lust sich freiwillig in ein Flugzeug zu setzen, wo Sparmaßnahmen die Sicherheit bestimmen ? Außerdem ist seine Person abschreckend.
747-flyer 02.09.2011
4. Hoffentlich geht das gut...
Ich mache mir auch Sorgen um Air Berlin... es mag sicherlich richtig sein, dass Mehdorn aus wirtschaftlicher Sicht die Bahn saniert und zu einem erfolgreichen Unternehmen geführt hat... aber zu welchem Preis? Stellenstreichungen, unzufriedene Mitarbeiter, defekte Züge, Verlängerung der Wartungsintervalle... Man muss kein Prophet sein, dass er versuchen wird, mit den gleichen Instrumenten auch Air Berlin zu sanieren. Ich fände es sehr schade, wenn eine erfolgreiche und recht renommierte Airline auf diesem Wege "kaputtgespart" wird. Bleibt nur zu hoffen, dass lediglich eine "Gesundschrumpfung" stattfindet... Fokussierung auf rentable Strecken und punktuelle Streichung unwirtschaftlicher Verbindungen. Aber ich bezweifle, dass dies passieren wird. Schwarze Zahlen reichen heute in einem Markt nicht, der von Expansion und Gewinnmaximierung geprägt ist.
prüfling 02.09.2011
5. Der harte Mehdorn wirds schon richten
Wenn er es genauso anpackt, wie bei der Bahn, werden die Flieger bald ohne Klimaanlage fliegen, kein Flug wird pünktlich abheben und die GDF (Gewerkschaft der Flugkapitäne) wird sich weigern, wg. techn. Mängel die Jets zu fliegen. Mit Air-Berlin muß es schon ganz schön schlimm stehen.
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