Nach EU-Austritt Großbritanniens Britische Autoindustrie verlangt Hilfe der Regierung

Der Brexit-Trubel belastet die britische Autoproduktion. Der Branchenverband drängt London deshalb zu einem Vertrag mit Brüssel. Aston Martin verkündete hundert Millionen Pfund Verlust.
Foto: Bloomberg/ Bloomberg via Getty Images

Das Bild von Aston Martin ist nach außen hin stets kraftstrotzend. Doch im vergangenen Jahr hat der Hersteller der Luxussportwagen aus James-Bond-Filmen stark geschwächelt. 2019 habe das Unternehmen einen Verlust von 104,3 Millionen Pfund vor Steuern gemacht, teilte der Autohersteller mit. Finanzchef Mark Wilson werde spätestens zum 30. April von seiner Funktion zurücktreten. Im Jahr zuvor hatte der mit Ferrari und Porsche konkurrierende britische Hersteller noch einen Vorsteuerverlust von 68 Millionen Pfund ausgewiesen. Die Auslieferungen schrumpften um neun Prozent auf 5862 Fahrzeuge.

Auch insgesamt geht die britische Autoproduktion dem Branchenverband SMMT zufolge  im Januar im Vergleich zum Vormonat erneut zurück. Die Inlandsnachfrage sank zweistellig um 23,9 Prozent, auch ein starker Anstieg der Exporte konnte dies nicht ausgleichen: Unterm Strich blieb ein Minus von 2,1 Prozent. Die Fabriken in dem Land produzierten insgesamt noch 118.314 Autos - im Vergleich zu 120.890 im Januar 2019.

Verband: "Anhaltende Unsicherheit beenden"

Großbritanniens Automobilindustrie hat die Regierung in London nach dem Brexit deshalb um Hilfe gebeten. Im anstehenden Haushalt müssten konkrete Schritte unternommen werden, um den Markt anzukurbeln, forderte SMMT. Zudem müsse ein Freihandelsvertrag mit der Europäischen Union geschlossen werden.

"Der bevorstehende Haushalt ist eine Gelegenheit für die Regierung, unterstützende Maßnahmen zur Stimulierung des Marktes zu ergreifen, aber der größte Impuls wäre die Vereinbarung eines ehrgeizigen Freihandelsabkommens mit Europa", sagte SMMT-Geschäftsführer Mike Hawes. "Dies würde die anhaltende Unsicherheit beenden und Großbritannien helfen, seinen hart erkämpften Ruf als ein großartiger Ort für Investitionen in die Automobilindustrie zurückzugewinnen."

Großbritannien hatte die EU Ende Januar verlassen, bis zum 31. Dezember 2020 gilt eine Übergangsfrist, in der das Verhältnis beider Seiten wirtschaftlich gleich bleibt. Die künftigen Handelsbeziehungen wollen London und Brüssel im Lauf des Jahres aushandeln. Die Industrie drängt auf eine möglichst enge Beziehung, um die bestehenden Produktionsprozesse nicht zu gefährden.

Aston Martin hat derweil auch eigene Pläne, um die Nachfrage wieder anzukurbeln: Im laufenden Jahr will sich das Unternehmen stärker dem Verkauf von SUV zuwenden, von denen die Rivalen schon länger profitieren. Den Anfang macht der DBX, das erste Modell dieser Bauart von Aston Martin.

apr/Reuters
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