Brexit-Angst Ausland hat Investitionen in britische Autoindustrie "praktisch gestoppt"

Der bevorstehende Brexit stürzt die britische Autobranche in eine schwere Krise. Die Produktion sinkt, Investitionen aus dem Ausland gehen dramatisch zurück. Ein Industrievertreter spricht von "Furcht".

Mini-Produktion von BMW in Oxford: Werksferien vorverlegt
MAXPPP / picture alliance/ dpa

Mini-Produktion von BMW in Oxford: Werksferien vorverlegt


Drei Monate vor dem geplanten Brexit setzt die britische Autobranche ihre Talfahrt fort. Im Juni sank die Herstellung von Autos den dreizehnten Monat in Folge und fiel gegenüber dem Vorjahresmonat um 15,2 Prozent, teilte der britische Branchenverband SMMT in London mit. In den ersten sechs Monaten des Jahres verzeichnen die Fertigungswerke in Großbritannien mit 666.521 produzierten Autos damit einen Rückgang von gut einem Fünftel.

Zugleich zeigen neue Zahlen dem Verband zufolge, dass Auslandsinvestitionen in die Branche "praktisch gestoppt wurden". Zwischen Januar und Juni sanken sie um 70 Prozent auf 90 Millionen Pfund.

"Die Zahlen von heute sind das Resultat einer weltweiten Instabilität verstärkt durch die anhaltende Furcht vor einem Brexit ohne Abkommen", sagte SMMT-Chef Mike Hawes. Die Branchenunternehmen auf der Insel hätten bereits mindestens 330 Millionen britische Pfund ausgegeben, um sich für einen solchen Fall zu wappnen.

Die meisten Autos gehen in die EU

Rund 80 Prozent der britischen Autoproduktion gehen in den Export, die mit Abstand meisten Autos landen in der EU. Die Branche fordert seit Langem ein festes Regelwerk für den Fall eines Brexits.

Verantwortlich für den Rückgang ist laut SMMT eine sinkende Nachfrage in den Schlüsselmärkten - darunter auch dem Vereinigten Königreich selbst - aber auch vorgezogene Werksferien wegen des ehemals für März angesetzten Austritts des Landes aus der Europäischen Union.

Unter anderem hatte BMW Chart zeigen die Werksferien in den April vorverlegt, um mögliche Engpässe in der Lieferkette besser abfedern zu können. Die größten Produzenten im Land waren im Vorjahr Jaguar Land Rover aus dem Tata-Konzern, Nissan Chart zeigen, BMW mit der Kleinwagenmarke Mini, Toyota Chart zeigen und Honda Chart zeigen sowie der PSA-Konzern Chart zeigen mit der Opel-Schwestermarke Vauxhall.

dab/dpa

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willibaldus 31.07.2019
1.
Nicht überraschend, aber sehr deutlich. Ob die Zulieferer auch schon gewechselt werden, weg von der Insel auf den Kontinent? Ich wette, die Firmen haben sich schon ihre Alternativen in die Schublade gelegt.
peter-11 31.07.2019
2. einfach logisch
Unternehmen müssen planen. Wenn 80% in die EU exportiert werden und Zölle immer wahrscheinlicher werden, investiert kein normaler Mensch in diesem Bereich. wenn dieser Umsatz dermaßen einbricht, verlässt man als globales Unternehmen die Insel. Aber B. Johnson wird es mit D. Trump schon richten. Wahrscheinlich wird B. Johnson der EU die Schuld geben ... was mir persönlich ziemlich egal ist.
mimas101 31.07.2019
3. Hmm Tja
... und die in GB nicht investierten Gelder fließen dann auf den Kontinent und dort werden die neuen Investments getätigt. Sprich die britische Kfz-Industrie wird auf Dauer abgehängt. Ich vermute mal in anderen Industriebereichen wirds nicht viel besser aussehen. Also Pustekuchen mit einem wiedererstarkten global agierendem GB das sich frank und frei seine Freihandelspartner aussuchen kann denen BoJo dann die für GB vorteilhaften Freihandelsverträge überstülpen will. Immer vorausgesetzt das GB dem Big Brother jenseits des Atlantiks dabei nicht in die Quere kommt.
w.diverso 31.07.2019
4. Ach, die Briten
brauchen sich doch keine Sorgen machen. Boris at doch versichert, dass es ihnen in 30 Jahren, also 2050, wieder wunderbar geht. Hat er diese Jahreszahl genommen weil er sie so offensichtlich verarschen wollt, dass es auch die dümmsten begreifen? Aber vielleicht wertet der Pfund so weit ab, dass die Produktion in GB, wenn es das dann noch gibt, wieder interessant wird. Dumm ist dann nur, dass alle Importe dann unendlich teuer werden. Aber BoJo wird das schon richten.
derleibhaftige 31.07.2019
5. Aha - soso ...!
Ich wusste ehrlich gesagt nicht, dass GB eine eigene Autoindustrie hat ! GB besitzt einige Fertigungsstandorte von Ford, BMW oder von PSA aber eine eigenständige Industrie gibt es dort seit über 30 Jahren nicht mehr. Und diese letzten Fertigungsstandorte müssen jetzt von der Insel geholt werden, wenn sich die Produktion und die Logistik über den Kanal nicht mehr lohnen. Das wäre allerdings auch ohne den Brexit in den nächsten Jahren passiert, man nutzt nur diesen Brexit jetzt als willkommene Ausrede.
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