Ungewisse Regierung Britische Bankaktien gehen auf Talfahrt

Die drohende Hängepartie im britischen Parlament lässt nicht nur das Pfund fallen. Auch die Aktienkurse von Banken und Tourismusunternehmen sinken - andere Branchen profitieren.

Wertpapierhändlerin in London
AFP

Wertpapierhändlerin in London


Banken sind von Stabilität und Freizügigkeit besonders abhängig. Der Brexit würde diesen wichtigsten Wirtschaftszweig des Landes stark treffen. Und so hat die drohende politische Hängepartie im Unterhaus bei ihnen zu teils kräftigen Kursverlusten geführt.

Die Aktie von Lloyds lag am Mittag mit mehr als einem Prozent im Minus. Die Kurse der Royal Bank of Scotland und der Metro Bank sanken gar um mehr als drei beziehungsweise mehr als vier Prozent.

Auch in der Tourismus- und Freizeitbranche rutschten zahlreiche Aktien ab. Der Reisekonzern Thomas Cook lag vier Prozent niedriger, die Fluggesellschaft Easyjet verlor mehr als drei Prozent. Die Brauerei Greene King, JD Wetherspoon und die Kaffeehauskette Whitbread lagen am Mittag ebenfalls im Minus. Auch die Papiere der British-Airways-Mutter IAG fielen - die der europäischen Konkurrenten Lufthansa Chart zeigen und Air France-KLM stiegen dagegen auf ihre höchsten Stände seit drei Jahren.

Moodys will Kreditwürdigkeit Großbritanniens überprüfen

Insgesamt reagierte die Börse in London dagegen abwartend auf die ungewissen Folgen der Parlamentswahl in Großbritannien. Viele Unternehmen konnten zunächst vom Wertverlust des britischen Pfunds profitieren. Der FTSE 100 Chart zeigen-Index startete mit leichten Gewinnen und notierte nach Handelsbeginn 0,6 Prozent im Plus. Auch der Deutsche Aktienindex (Dax Chart zeigen) verbuchte in Frankfurt zum Mittag leichte Gewinne. Die Unsicherheiten um den Sterling seien "gute Nachrichten für den FTSE 100 und die Kapitalmärkte", sagte Analyst James Hughes vom Handelshaus GKFX. Die Währung war am Morgen um rund zwei Prozent gefallen.

Bei der britischen Unterhauswahl haben die Konservativen von Premierministerin Theresa May laut Hochrechnungen ihre bisherige absolute Mehrheit verloren. Die oppositionelle Labour-Partei legte deutlich zu. Allerdings blieb sie hinter den Konservativen zurück, sodass die Mehrheitsverhältnisse für eine Regierungsbildung zunächst unklar sind und keine Partei aus eigener Kraft regieren kann.

Die Ratingagentur Moodys kündigte an, die Kreditwürdigkeit des Landes zu gegebener Zeit zu überprüfen. Der Ausgang der Brexit-Verhandlungen und die Haushaltsentwicklung spielten für die Agentur dabei eine entscheidende Rolle. Die Wirtschaft befürchtet angesichts der unklaren Regierungsbildung längere Verhandlungen über den EU-Austritt Großbritanniens.

apr/AFP/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.