Handel nach EU-Austritt Britische Exporteure hadern mit Brexitregeln

Die britischen Ausfuhren in die EU brachen zu Jahresbeginn um fast 60 Prozent ein. Laut einem Bericht für das Oberhaus sind die neuen Exportregeln nach dem Brexit für viele Unternehmer ein Problem.
Lkw-Abfertigung in Dover (Archiv): Gesundheitszertifikate und Zollgebühren erschweren die Exporte

Lkw-Abfertigung in Dover (Archiv): Gesundheitszertifikate und Zollgebühren erschweren die Exporte

Foto: Gareth Fuller / dpa

Für die Lage an der britischen Grenze kennt die englische Sprache ein geflügeltes Wort: »A gift that keeps on giving«, ein ungeliebtes Geschenk, das bleibt und bleibt. Auch rund zweieinhalb Monate nach dem endgültigen Brexit kämpfen britische Unternehmen nämlich noch immer mit den neuen Exportregeln.

Es gebe weiterhin erhebliche Hemmnisse für den Handel mit der Europäischen Union, hat nun auch ganz offiziell ein Bericht festgestellt, den ein Ausschuss des Oberhauses in London veröffentlichte. »Das mit der EU geschlossene Brexit-Handelsabkommen hat zwar den Albtraum eines No-Deals für Großbritannien verhindert, aber es gibt nach wie vor viele unvollendete Punkte zwischen den beiden Seiten«, sagte die Ausschussvorsitzende Sandip Verma. Besonders kleine und mittlere Unternehmen spürten den Druck.

»Komplizierte Mehrwertsteuerregeln« in der EU beklagt

Der Bericht warnte, vor allem die Kontrollen von tierischen und pflanzlichen Produkten könnten zu dauerhaften Problemen zu werden. Fleischprodukte und lebende Schalentiere seien besonders stark betroffen . Insgesamt brach der Warenhandel aus Großbritannien in die EU im Januar um fast 60 Prozent ein, wie die Statistikbehörde Eurostat jüngst errechnete. Die EU-Exporte nach Großbritannien sanken demgegenüber um 27,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.

Großbritannien war zum 1. Januar 2021 aus dem EU-Binnenmarkt und der Zollunion ausgetreten und hatte damit den Brexit vollendet. Seitdem müssen britische Exporteure für Ausfuhren in die EU für jedes tierische und pflanzliche Produkt ein Gesundheitszertifikat vorlegen. Hinzu kommen Zollgebühren. Mehrere Branchen klagen über einen deutlichen Einbruch ihres Exportgeschäfts.

»Das Handels- und Kooperationsabkommen sollte als Beginn und nicht als Endpunkt der neuen Beziehung des Vereinigten Königreichs mit der EU angesehen werden«, sagte Verma. Sie forderte: »Die Regierung muss einen ehrgeizigen Ansatz für die Handelsbeziehungen mit der EU verfolgen.« Nach Ansicht des Ausschusses zählen »komplizierte und unterschiedliche Mehrwertsteuerregeln« in der EU zu den größten Herausforderungen für Unternehmen.

Die britische Statistikbehörde hatte die Lage zuletzt zumindest etwas weniger dramatisch dargestellt als Eurostat – und bezifferte den Einbruch der Exporte in die EU auf 41 Prozent und den der Importe auf 29 Prozent. Die Unterschiede erklären sich durch die Methodik: Wegen der Brexit-Sonderregelung für Nordirland erfasst Eurostat den Handel mit der britischen Provinz nach eigenen Angaben anders als mit dem Rest des Vereinigten Königreichs.

apr/dpa