British Airways Streik könnte Sparpläne ad absurdum führen

Zu deutlichen Einschränkungen im Flugverkehr führt am Wochenende der Streik des Kabinenpersonals der British Airways. Für die Fluggesellschaft wird die Sache teuer: Die Ausgleichsmaßnahmen könnten mehr kosten, als BA ursprünglich einsparen wollte.

British-Airways-Maschinen: Größere Ausfälle durch Streik vor allem auf Kurzstrecken
AFP

British-Airways-Maschinen: Größere Ausfälle durch Streik vor allem auf Kurzstrecken


London - Der Streik der Flugbegleiter bei British Airways hat zwar zu deutlichen Beeinträchtigungen im Flugverkehr geführt, nach Angaben der Fluggesellschaft konnten aber mehr Flüge als erwartet starten. Da etliche Flugbegleiter den Streikaufruf der Gewerkschaft ignoriert hätten, seien noch weitere Maschinen in Betrieb genommen worden. Alle Langstreckenflüge seien wie geplant am Sonntagmorgen in London gelandet, erklärte BA.

Um die Auswirkungen des Streiks möglichst gering zu halten, hat die Fluggesellschaft Maschinen von Konkurrenten gechartert, in anderen Abteilungen Freiwillige als Ersatz für das Kabinenpersonal organisiert und Reisende auf andere Flüge umgebucht. Am Samstag und Sonntag sollten jeweils 49.000 Passagiere abgefertigt werden. An einem durchschnittlichen März-Wochenende sind es pro Tag 75.000.

Größere Ausfälle bei den Flügen wurden vor allem auf den Kurzstrecken erwartet. Der Ausstand soll nach den Plänen der Gewerkschaft bis einschließlich Montag dauern, Auswirkungen dürfte er aber auch noch in den Folgetagen haben. Am 27. März soll ein viertägiger Streik folgen, der erhebliche Auswirkungen auf den Osterreiseverkehr haben würde. Beide Streiks zusammen könnten BA Schätzungen zufolge mehr als die 63 Millionen Pfund (70 Millionen Euro) kosten, die das Unternehmen mit den geplanten umstrittenen Maßnahmen einsparen will.

Firmenchef im Pulli bei YouTube

Nach Gewerkschaftsangaben starteten Dutzende Maschinen nicht. 10.000 Beschäftigte hätten sich am Samstag, dem ersten Streiktag, an dem Ausstand beteiligt. Das Kabinenpersonal wehrt sich gegen einen geplanten Stopp von Lohnerhöhungen in diesem Jahr, die Einführung von Teilzeitarbeit für 3000 Beschäftigte und eine Reduzierung der Flugteams von 15 auf 14 Personen bei Langstreckenflügen. Die Geschäftsleitung hat die Maßnahmen als überlebenswichtig bezeichnet.

Am Freitag scheiterte ein letzter Versuch, den Streik der rund 12.000 Beschäftigten abzuwenden. BA-Chef Willie Walsh begleitet die für sein Unternehmen unangenehmen Ereignisse mit einer Serie von YouTube-Videos: Mit Pullover und offenem Hemdkragen setzt sich der CEO persönlich vor die Kamera und kommentiert das Geschehen. Walsh entschuldigte sich bei Tausenden betroffenen Reisenden und sprach von einem "schrecklichen Tag für BA".

Es ist der erste Streik bei der Gesellschaft seit fast 15 Jahren. Auch Premierminister Gordon Brown hatte die Gewerkschaft Unite noch am Freitag aufgefordert, auf den Ausstand zu verzichten. Unite ist ein wichtiger Spendengeber von Browns Labour-Partei. Eine Sprecherin der oppositionellen Konservativen kritisierte, im Kampf gegen die Rezession sei es "das letzte, was wir brauchen", dass die Gewerkschaften "das Land gegen Lösegeld als Geisel halten".

Auf eigens eingerichteten Informationsseiten bietet British Airways Aktuelles über Streikverlauf, ausgefallene Flüge und Ausweichmöglichkeiten.

cis/dpa/APD

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.