British Steel Großbritanniens zweitgrößter Stahlproduzent ist insolvent

Vorstandschef Reichmann sprach von Unsicherheit über den Brexit: Der Stahlkonzern British Steel ist zahlungsunfähig - will den Geschäftsbetrieb aber weiterführen.

Stahlwerk von British Steel in Scunthorpe
Danny Lawson/PA Wire/dpa

Stahlwerk von British Steel in Scunthorpe


Der Betrieb wird unter Zwangsverwaltung gestellt: Großbritanniens zweitgrößter Stahlkonzern British Steel ist pleite. Ein Gericht habe das Unternehmen unter Zwangsliquidation gestellt, teilte die britische Regierung mit. Insolvenzverwalter von EY sicherten zu, den Geschäftsbetrieb der 5000 Mitarbeiter zählenden Gesellschaft aufrecht zu halten, viele davon in Scunthorpe rund 290 Kilometer nördlich von London.

Der Stahlhandel und die Belieferung der Kunden geht den Verwaltern zufolge weiter. Gleichzeitig würden die vom Gericht eingesetzten Insolvenzverwalter Optionen für die Sanierung prüfen. Die Gehälter der Mitarbeiter seien gesichert. Außer den 5000 Beschäftigten von British Steel müssen rund 20.000 Mitarbeiter bei Zulieferern um ihre Jobs bangen.

Das Unternehmen hatte sich in den vergangenen Tagen vergeblich um Staatsgarantien bemüht. Einem Insider zufolge hätte die ehemalige Tata Steel-Tochter eine kurzfristige staatliche Finanzzusage in Höhe von 30 Millionen Pfund (34,1 Millionen Euro) benötigt, um den Kollaps zu vermeiden. Bemüht hatte sich der Konzern um Staatsgarantien im Umfang von 75 Millionen Pfund (85 Millionen Euro). Das Unternehmen hatte zuletzt bereits ein Darlehen in Höhe von rund 120 Millionen Pfund aufgenommen.

Hohe Rohstoffpreise

Die Regierung habe alles versucht, um British Steel zu retten, sagte Wirtschaftsminister Greg Clark. Für eine finanzielle Unterstützung gebe es aber strenge Regeln, und es wäre illegal gewesen, den Anträgen der Firma nachzukommen. "Dies wird eine sehr schwierige Zeit für Tausende engagierte Stahlarbeiter, Zulieferer und in den Gemeinden", so Clark. Er werde mit dem Konkursverwalter und British Steel zusammenarbeiten, um die Zukunft der Standorte zu sichern.

In einem Brief an die Mitarbeiter machte Vorstandschef Gerald Reichmann in der vergangenen Woche die Unsicherheit über den Brexit sowie die schwache Nachfrage und hohe Rohstoffpreise für die Schwierigkeiten verantwortlich.

Der Name British Steel erinnert an den großen britischen Stahlhersteller, der 1967 durch die Verstaatlichung aus kleineren Privatfirmen entstand. Die Firma wurde aber 1988 privatisiert und fusionierte 1999 mit dem niederländischen Stahlwerk Koninklijke Hoogovens zu Corus. Corus wurde wiederum 2007 von Tata Steel gekauft, das heute der größte britische Stahlproduzent ist und zur indischen Tata-Gruppe gehört. 2016 wurden große Teile der britischen Tata-Steel-Aktivitäten wiederum an den privaten Investor Greybull Capital veräußert und als British Steel weitergeführt.

apr/Reuters/dpa



insgesamt 10 Beiträge
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Wal-Ire 22.05.2019
1. Vorauseilender Gehorsam
Und an der Misere ist ausschließlich die EU Schuld, die Global Britain böswillig die Deals verwehrt, die das Königreich doch verdient hat. Die Brexit-Partei wird in Scunthorpe bestimmt 80% bei der Europawahl einfahren!
guidomuc 22.05.2019
2. Stahl?
Die Briten brauchen keinen Stahl mehr, was immer sie daraus machen würden, wollte am Weltmarkt eh keiner haben. Und Helgoland oder Norderney haben schließlich auch keine Stahlhütte :-) Sie sollten Schafe züchten, da kann sich wärmende Kleidung stricken und zu Essen gibt's auch.
hackee1 22.05.2019
3. Kein Problem...
...die Stahlarbeiter umschulen, eine Bank gründen und Finanzdienstleistungen anbieten. Dazu müssen die Ex blue colours dann halt nach London pendeln... Wer braucht den schon produzierendes Gewerbe... Farage wird den Verlierern der Insolvenz dann noch erklären, dass die EU Schuld ist und Milch und Honig fließen wenn er und seine Kumpels den Rest der von GB übrig ist dann noch zünftig ausgeplündert haben....
dgbmdss 22.05.2019
4. die britische Fischerei erwartet mit dem BREXIT...
...einen Aufschwung und wird dort Arbeitsplaetze schaffen. Genau wie die Mitforisten bin ich überzeugt, dass die Restabwicklung der von Maggie begonnenen De- Industrialisierung Englands auch Chancen bietet.
28zwei27 22.05.2019
5.
SpOn hat's ja schon lange vorhergesagt - der Brexit wird schlimme Folgen haben. Schön, dass die Leser in der Vergangenheit so sachlich aufgeklärt wurden - und nun so kompetent berichtet wird.
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