Insolventer Stahlproduzent Türkischer Pensionsfonds will British Steel kaufen

Der zweitgrößte britische Stahlproduzent könnte bald in türkischem Besitz sein: Der Pensionsfonds des Militärs will die insolvente British Steel übernehmen.

Stahlwerk von British Steel in Scunthorpe: Künftig könnte der Pensionsfonds des türkischen Militärs Eigentümer sein
Danny Lawson/PA Wire/dpa

Stahlwerk von British Steel in Scunthorpe: Künftig könnte der Pensionsfonds des türkischen Militärs Eigentümer sein


Ende Mai wurde British Steel unter Zwangsverwaltung gestellt. Nun hat sich ein Käufer für den insolventen Stahlproduzenten gefunden. Eine Tochter des türkischen Pensionsfonds Oyak soll den insolventen Konzern übernehmen, wie die britische Regierung mitteilte. Die Ataer Holding habe ein akzeptables Angebot für alle Teile des zweitgrößten britischen Stahlherstellers vorgelegt. Beide Seiten wollen nun in exklusiven Verhandlungen die Einzelheiten der Übernahme klären.

"Ich werde versuchen, diesen Prozess in den kommenden Wochen abzuschließen", sagte der offiziell bestellte Insolvenzverwalter der Mitteilung zufolge. In dieser Zeit werde British Steel den Betrieb fortsetzen. Kunden würden weiterhin wie normal beliefert. Oyak zufolge soll die Übergabe noch in diesem Jahr stattfinden.

Oyak ist der Pensionsfonds der türkischen Streitkräfte und besitzt Anteile am größten Stahlproduzenten der Türkei, Erdemir. Oyak-Geschäftsführer Süleyman Savas Erdem bezeichnete die Investition in einer Mitteilung als eine der "größten Errungenschaften der türkischen Stahlindustrie".

Wechselvolle Geschichte

Für die Insolvenz von British Steel Anfang Mai waren Brexit-Unsicherheiten, schwache Nachfrage und hohe Rohstoffpreise verantwortlich. Der Stahlfabrikant hat rund 5000 Mitarbeiter, viele davon in Scunthorpe rund 290 Kilometer nördlich von London. Die Stahlindustrie ist in Großbritannien allerdings bereits seit den Siebzigerjahren in der Krise. Allein seit 1997 ist die Produktion von damals 18,3 Millionen Tonnen auf rund 7,5 Millionen Tonnen im Jahr 2017 zurückgegangen.

Der Name British Steel erinnert an den großen britischen Stahlhersteller, der 1967 durch die Verstaatlichung aus kleineren Privatfirmen entstand. Die Firma wurde aber 1988 privatisiert und fusionierte 1999 mit dem niederländischen Stahlwerk Koninklijke Hoogovens zu Corus. Corus wurde wiederum 2007 von dem Unternehmen Tata Steel gekauft, das heute der größte britische Stahlproduzent ist und zur indischen Tata-Gruppe gehört. 2016 wurden große Teile der britischen Tata-Steel-Aktivitäten wiederum an den privaten Investor Greybull Capital veräußert und unter dem Namen British Steel weitergeführt.

fdi/dpa



insgesamt 2 Beiträge
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steinbock8 gestern, 15:57 Uhr
1. British Steel
Bei diesem politischen Durcheinander zu kaufen ist vielleicht ein gutes Geschäft beim Einkauf, aber für die Zukunft sehe ich dunkelschwarz.
browserhead gestern, 17:16 Uhr
2. Risiko-Kapital
Angesichts des Hard Brexit eine gewagte Investition. Vielleicht sind nur Pensionen von Soldaten betroffen, die unter Putschverdacht stehen? Oder kennt Ankara Details des Great Deals von Trump: unbegrenzter Stahl-Export mit Höchstpreisgarantie für die Briten?
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